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Bamberger Residenz:Unbekannte Pracht in unwürdigem Zustand

Der Kaisersaal wird derzeit restauriert.

(Foto: Olaf Przybilla, Privatbesitz)

Die Bamberger Residenz war erst Herrschaftssitz der Fürstbischöfe und später der Wittelsbacher, die den historischen Rosengarten mit einem Tennisplatz verschandelten. Nun wird sie endlich renoviert.

Landtag und Staatsregierung werden die Bamberger Verfassung am 24. Juli in der Konzerthalle Bamberg würdigen. Ursprünglich gab es Pläne, dorthin zurückzukehren, wo sich das Parlament zur ersten Sitzung in Bamberg zusammengefunden hatte - in den Kaisersaal der Residenz. Dort aber wird restauriert.

Etwas schade ist das schon. Denn die Geschichte der Bamberger Residenz ist beklagenswert unbekannt. Wer an Residenzen in Franken denkt, wird sich als erstes mit der Würzburger Residenz beschäftigen, einem Welterbe, mit dem der Bamberger Herrschaftssitz nicht mithalten kann. Und in Bamberg haben Tagestouristen meist ein zeitintensives Programm zu absolvieren. Die Altstadt ist Weltkulturerbe. Und natürlich besucht man den Dom - und vergisst oft die gegenüberliegende Residenz.

Diese war zunächst Herrschaftssitz der mächtigen Bamberger Fürstbischöfe, fiel aber 1802 an die Wittelsbacher, die den Prunkbau zu ihrer Nebenresidenz erkoren. Der wohl außergewöhnlichste Bewohner Bambergs dürfte von 1863 an König Otto von Griechenland gewesen sein. Gemeinsam mit seiner Frau Amalie nutzte er die Bamberger Residenz als Exilhof, nachdem ihn revolutionäre Unruhen zur Flucht aus Griechenland gezwungen hatten. Bamberg wurde königliche Residenzstadt mit kleinem Hofstaat, bayerischem Hofzeremoniell und griechischen Bediensteten - eines der exotischsten Kapitel in der Geschichte der fränkischen Domstadt.

So ehrenhaft die Zeit als Wittelsbacher Nebenresidenz für Bamberg gewesen sein mag, unproblematisch verlief sie nicht. Übrigens auf beiden Seiten: Im November 1900 setzt Prinz Rupprecht seine Mutter in Kenntnis, wie "entsetzlich fad" die Abende in der Stadt seien. Die Bamberger wiederum fanden es unmöglich, dass der Prinz einen Teil des historischen Rosengartens roden ließ, um dort einem beliebten Zeitvertreib zu frönen: dem Tennisspiel.

Dass das Jubiläum nicht in der Residenz gefeiert wird, ist auch aus anderen Gründen schade. Immerhin hätte man Minister und Abgeordnete durch die altdeutsche Galerie führen können, in der Werke von Lucas Cranach zu sehen sind. Deren Räume - mit abgestützten Deckenbalken - aber in unwürdigem Zustand sind. Der Ministerpräsident hätte womöglich keine Freude daran gehabt.

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