Bamberg Protestcamp in Bamberg verläuft absolut friedlich

Hundertschaften der Polizei sollten bei möglichen Ausschreitungen eingreifen. Doch das Protestcamp verlief friedlich.

(Foto: dpa)
  • Die Polizei zeigte mit Hundertschaften Präsenz, weil sie bei dem Protestcamp des Bündnisses "Solidarity4all" in Bamberg mit Aussreitungen gerechnet hat.
  • Diese blieben aus. Ständiger Streitpunkt war indes, welche Demonstrationen stattfinden dürfen, und welche nicht.
Von Katja Auer, Bamberg

Ausschreitungen waren befürchtet worden, Krawall, und sogar das Bamberger Rathaus blieb am Freitagnachmittag geschlossen, da es von Demonstranten hätte gestürmt werden können. Doch entgegen allen Befürchtungen ist das Protestcamp des Bündnisses "Solidarity4all", zu dem sich etwa 30 Flüchtlingsunterstützerorganisationen zusammengeschlossen haben, nach vier Tagen am Sonntag absolut friedlich zu Ende gegangen.

Von Donnerstag an hatten die Unterstützer mit Demonstrationen, Debatten und Workshops gegen die Bedingungen in der Bamberger Aufnahmeeinrichtung und gegen die Abschiebepolitik der Staatsregierung protestiert. Sie wollten Solidarität mit den Asylbewerbern zeigen, sagten die Veranstalter.

Begleitet von Hundertschaften der Polizei

Das beherrschende Thema der Veranstaltung war indes die ständige Diskussion darum, ob und wie Demonstrationen stattfinden können. Bis vor den Verwaltungsgerichtshof in München zogen Stadt und Bündnis, bis mal der eine, mal der andere Recht bekam. Eine Protestaktion vor den Toren der Aufnahmeeinrichtung zum Auftakt durfte stattfinden, ebenso eine spontane Aktion in der Nacht, mit der die Demonstranten gegen Abschiebungen protestierten.

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Eine Demonstration am Freitag wurde dagegen verboten und um die Route für den großen Zug am Samstag wurde bis zuletzt gestritten. Schließlich zogen die nach Polizeiangaben etwa 500 Teilnehmer vom Bahnhof aus zwar nicht mitten durch die Stadt, wie sie es sich gewünscht hätten, aber doch durch zentrale Straßen und endeten wiederum vor der Aufnahmeeinrichtung in einer ehemaligen Kaserne. Am Sonntag fand zum Abschluss ein Flashmob auf dem Domplatz statt.

Begleitet wurden die Demonstranten vier Tage lang von mehreren Hundertschaften der Polizei und einem Sonderkommando. Ein Aufgebot, wie es sonst bei richtig großen Aufmärschen präsent ist. In Bamberg kam bald auf jeden Teilnehmer ein Polizist. "Es waren schon viele", räumte ein Polizeisprecher ein. Allerdings habe man sich darauf einstellen müssen, dass es sowohl Gewalt aus der Versammlung als auch Gewalt gegen die Versammlung geben könnte. Es reiste jedoch weder der "Schwarze Block" an, gewaltbereite Linksextremisten also, auch wenn einige "dunkel gekleidete junge Leute" mitmarschierten, wie es der Polizeisprecher formulierte. Noch rückten Rechtsextremisten für Gegenproteste an, einige von ihnen seien am Bahnhof gesehen worden und hätten Versammlungsteilnehmer fotografiert.

Protest gegen Flüchtlingslager formiert sich

Ein Ort des Dialogs waren am Samstagvormittag die Biertische des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Sie wollten Protestierer, Flüchtlinge und Bürger ins Gespräch bringen. "Das geht bei den ritualisierten Formen des Protests nicht", sagte Mit-Organisator Martin Becher. Und so wurden mitten in der Stadt über die Motive und Sorgen der einen wie der anderen Seite diskutiert, über Asylrecht, Ängste und Chancen. "Wir haben befürchtet, dass die Botschaft bei den Leuten nicht ankommt", sagt Becher. Im direkten Gespräch sei das anders.

In Bamberg formiert sich derweil Protest gegen das Flüchtlingslager, das vom Balkanzentrum zur allgemeinen Aufnahmeeinrichtung umgewandelt wurde. Derzeit sind dort nur 250 Menschen untergebracht, bis Jahresende soll die Kapazität für 4500 Asylbewerber ausgebaut werden, das ist vielen Bambergern zu viel. Eine Online-Petition gegen den Ausbau haben bisher 2200 Menschen unterschrieben, auch im Stadtrat regt sich Widerstand. Die Gegner wehren sich gegen die "Ghettobildung" in der Stadt.