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Bamberg:Migranten schlägt viel Hass entgegen

Integrationsbeiräte fordern Erfassung aller Übergriffe und Diskriminierungen

In Bayern lebende Migranten sehen sich zunehmend Hass und Rassismus ausgesetzt. Die bayerischen Integrationsbeiräte fordern deshalb eine systematische Erfassung rassistischer Übergriffe und Diskriminierungen. "Der Hass gegen Minderheiten, von dem Migranten besonders betroffen sind, hat nach unserer Beobachtung eine neue Dimension erreicht", sagt Mitra Sharifi, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY). "Dabei sehen wir nicht nur die wachsende Gewalt im rechtsextremen Bereich gegenüber Minderheiten. Inzwischen ist auch in der Mitte der Gesellschaft die Hemmschwelle zu rassistischen Taten und Äußerungen gesunken."

In der Bevölkerung wüchsen die Vorbehalte gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer Kultur. "Man nimmt ganz andere Blicke wahr. Frauen mit Kopftuch werden von Menschen auf der Straße bespuckt und auch angepöbelt", berichtet Sharifi. Stark zu spüren bekämen Zuwanderer auch Vorbehalte bei der Suche nach einer Wohnung. Als Konsequenz fordert Sharifi eine Antidiskriminierungsstelle auf Landesebene. Diese solle nicht nur die Kommunen beim Aufbau lokaler Antidiskriminierungsstellen unterstützen, sondern auch rassistische Vorfälle systematisch untersuchen und Präventionsmaßnahmen entwickeln. Die Erfahrung mit solchen Stellen in München, Nürnberg, Erlangen oder Regensburg seien positiv. "Allein schon Gespräche über ihre Erfahrungen sind für Opfer von Hass wichtig. Denn Rassismus verletzt den Menschen in seiner Seele und seiner Persönlichkeit." Für längst überfällig hält Sharifi die Einführung eines Kommunalwahlrechts auch für Ausländer ohne EU-Staatsbürgerschaft. In der bayerischen Flüchtlingspolitik stößt vor allem das Konzept der sogenannten Ankerzentren auf große Vorbehalte bei den Migranten-Vertretungen. "Es wäre günstiger und humaner und erhöht die Akzeptanz der Bevölkerung, Flüchtlinge dezentral unterzubringen", findet Sharifi. Die 57-jährige Sprachwissenschaftlerin an der Uni Bamberg leitet den Verband aus 31 Beiräten bereits seit 20 Jahren.