Stadtverwaltung und Humor:Bamberg, was bist du lustig!

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Diesig mitunter, aber auch lustig? Oh doch, ist Bamberg sogar sehr gerne! (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Unschön in der Zeitung stehen? Dafür haben sie in der schönsten Stadt Oberfrankens offenbar eine Passion entwickelt. Heute: Wie man fast ein Festival schrottet.

Glosse von Olaf Przybilla, Bamberg

Das große Wort "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" wird gern dem Fußballweltmeister Andreas Brehme selig zugeschrieben, auch wenn der zu Lebzeiten bestritten hat, das je gesagt zu haben. Wem also auch immer das Copyright dafür gebührt, mit Blick auf Bayerns größere Städte scheint sich dieses (Brehme-oder-Nicht-Brehme-)Bonmot ein ums andere Mal zu bewahrheiten.

Die Älteren erinnern sich noch, dass früher - wenn in bayerischen Redaktionen nach dem Düffeldoffel (Copyright hier eindeutig: Herbert Wehner) des Tages gesucht wurde - ein Blick nach Würzburg stets hilfreich war. Irgendein CSU-Abtrünniger mit verhaltensoriginellem Auftritt fand sich dort eigentlich immer. Inzwischen haben dort die Grünen die Mehrheit im Stadtrat, alles ist irgendwie vernünftig, aber auch irgendwie fad.

Später war Regensburg, wenn's um Verhaltensoriginelles ging, für einige Zeit mal schwer in Mode, irgendwas mit Immobilien fand sich da schon. Und seit einigen Jahren hat sich nun offenbar Bamberg von einer PR-Agentur beraten lassen: Leute, mit Schönheit allein kommt ihr auf Dauer nicht in die Zeitung. Da muss schon mehr kommen.

Gut, das haben sie in Bamberg dann zwischenzeitlich ein wenig übertrieben. Als zum zweiten Mal die Staatsanwaltschaft dem amtierenden Oberbürgermeister mit den verbindlichsten Grüßen einen Strafbefehl zustellte - dürften sie auch in Bamberg gemerkt haben: ist höchstens einmal originell.

Jetzt also mal was ganz anderes. Muss man sich wahrscheinlich so vorstellen: Wie wäre es, könnten sie sich bei der Stadt gedacht haben, wenn wir einem soeben von der Bundesregierung als besonders vorbildlich ausgezeichneten Kulturfest ganz kurz vor Festivalbeginn schriftlich mitteilten, dass man den engagierten Herrschaften die städtische Miete fürs Gelände um - Überraschung! - das 29-Fache anhebt? Gewissermaßen zur Belohnung. Macht das nicht richtig Laune, PR-mäßig?

Macht es, macht es. Uncoolerweise haben die ehrenamtlichen, aber offenbar humorreduzierten Leute vom "Kontakt-Festival", heuer beheimatet in einer Industriebrache, dann gleich mit Gedanken an eine spontane Absage gespielt: einmalige Bundesförderung hin oder her, eine 29-fach gesteigerte Stadt-Miete bekomme man auf Dauer schlicht nicht gewuppt.

Woraufhin die Stadt nun gleich noch die zweite Humorladung gezündet hat. Man müsse halt sparen, sparen. Aber wenn das mit der 29-fach-Steigerung allgemein nicht so komplett fluffig ankomme, so bleibe es eben beim ursprünglichen Mietbetrag. Weil, Zitat: Alternativ könnte man "zur Deckung" ja einfach "Mittel aus dem Globalbetrag Kultur" verwenden, ha!

Wer jenen "Globalbetrag Kultur" zur Verfügung stellt? Nun, die Stadt natürlich. Unterm Strich: ganz fabelhafter Humor, Kompliment.

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