Bamberg:Ganz schön laut und ganz schön frech

Polizei Aubildungsschule Bamberg

Die Polizeianwärter in Bamberg sorgen für Anwohnerbeschwerden.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Der Lärm aus einer alten Kaserne der US-Army in Bamberg ärgert die Anwohner, sie rufen die Polizei. Waren es die Flüchtlinge? Nein, die Beamten müssen in den eigenen Reihen ermitteln.

Kolumne von Olaf Przybilla

Es ist doch wirklich zum aus der Haut fahren: Immer wieder sehen sich Anwohner der ehemaligen US-Kaserne im Nordosten Bambergs gezwungen, sich über Lärmbelästigung und ähnliche Flegeleien der neuen Bewohner zu beschweren. Und da wissen natürlich nicht nur die von der AfD ganz genau, wer dafür verantwortlich zu machen ist, dass der brave Bamberger Bürger um seinen gerechten Schlaf gebracht wird! Die Flüchtlinge aus dem großen Asylbewerberlager, ja wer denn auch sonst?

Oh, Stopp, Verzeihung. Im vorliegenden Fall scheint die Sache doch etwas anders zu sein. Die Anwohner haben sich offenbar nicht über feierwütige, alkoholanimierte und auf Hinweis auch noch freche junge Menschen (und um genau zu sein: mehrheitlich Männer) aus dem Flüchtlingslager aufgeregt und deshalb bei der Polizei angerufen. Sondern über deren Nachbarn, die Zaun an Zaun mit den Asylbewerbern auf dem ehemaligen Kasernengelände leben. Dazu muss man wissen, dass das Army-Gelände in Bamberg riesig war, bis zu 12 000 US-Bürger wohnten dort zeitweilig. Und so ist das Lager nun eben grob in zwei Teile getrennt: Hier die Flüchtlinge. Dort die Polizei.

Die Bundespolizei, um genau zu sein, die dort in ihrem Aus- und Fortbildungszentrum 2100 Menschen unterrichtet. Anruf also beim Sprecher des Zentrums, Marcus Büchner. Der ist einer von der Sorte Bundespolizist, wie man sie in der sogenannten Flüchtlingskrise mehr als nur zu schätzen gelernt hat: offen, gradlinig, sachlich. Ja, sagt er, es gebe mitunter die angesprochenen Probleme. Vor allem, aber nicht nur, nach Prüfungen. Man gehe jeder Beschwerde umgehend nach, führe mit jedem Auszubildenden, der im Verdacht überbordender Feierei stehe, Einzelgespräche. Aber es lebten eben 2100 junge Leute auf diesem Gelände, da bedürfe es allerlei solcher Gespräche. Im Übrigen könne sich doch jeder vorstellen, dass da auch mal über die Stränge geschlagen werde, wenn viele junge Menschen in einem Lager zusammenkommen. War ja wohl jeder mal jung, oder?

Wie recht dieser Mann hat. Wenn junge Menschen, mehrheitlich Männer, in Lagern zusammenleben (müssen), dann kann es gelegentlich Probleme geben. Auf dieser Seite des Zauns. Und auf jeder Seite des Zauns. Und sogar bei der Polizei.

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