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Bamberg:Fenster mit Ansicht

Kirchenfenster von Markus Lüpertz enthüllt

Markus Lüpertz bei der Enthüllung seines ersten Fensters in der Kirche St. Elisabeth in Bamberg. Sie steht im Herzen der Stadt und wurde bereits im 14. Jahrhundert geweiht. Auch deswegen sind seine Fenster umstritten.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Nach langem Streit enthüllt der Künstler Markus Lüpertz ein Werk in der Kirche St. Elisabeth

Fünf Jahre, sagt Christoph Gatz, in fünf Jahren könnte man ein Altenheim bauen oder ein paar Einfamilienhäuser oder eine halbe Hochschule. Gatz ist Architekt, er kennt sich aus mit so was. Dass es fünf Jahre für ein Fenster braucht, ist ihm bislang noch nicht untergekommen, aber nun ist er einfach froh, dass am Dienstag im Kirchlein St. Elisabeth das erste von acht Fenstern von Markus Lüpertz enthüllt worden ist. So lange dauert der Streit in Bamberg um die Entwürfe des Malers und Bildhauers, der nicht nur ob seines exzentrischen Auftretens umstritten ist, aber zweifellos zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart gehört. Viel länger noch schwelt die Idee, eine der ältesten Kirchen der Welterbestadt Bamberg mit Lüpertz-Fenstern auszustatten, er selbst soll den Vorschlag gemacht haben, spätestens 2009, als sein "Apoll" einen Standort vor der Kirche fand.

Doch die Skeptiker waren zahlreich, besonders im Rathaus, zu dessen städtischen Besitz die Kirche zählt. Und am Domberg, zu dessen Dompfarrei St. Elisabeth gehört. Es hat mehrere denkwürdige Zusammentreffen mit dem Künstler gegeben, nicht alle sind erfreulich geendet, das jüngste ist noch nicht lange her. Geld wollte ohnehin niemand geben von offizieller Seite, keines da für solche Extravaganzen. Eine Initiative gründete sich also, mit Architekt Gatz an der Spitze, die von Spendern und Sponsoren die halbe Million Euro erbitten will, die es braucht für alle Fenster. Das erste ist finanziert, es heißt "Alte Frau - Almosen geben" und bebildert die Begegnung der heiligen Elisabeth von Thüringen mit einer alten Frau am Fuße der Wartburg. Auch die anderen Fenster sollen Szenen aus dem Leben der Heiligen zeigen, deren Onkel Egbert Bischof in Bamberg war, und Werke der Barmherzigkeit verbildlichen.

Aus dem Kirchlein solle kein "Lüpertzianum" werden, betont Gatz, trotz des Apolls draußen, und auch wenn der Meister noch ein großes Wandgemälde versprochen habe. "Es geht uns um die Glaubensverkündung", sagt Gatz. Die Fenster werden bei den Bambergern umstritten bleiben, da ist er sich sicher, die Stadtoberen indes finden das Projekt inzwischen toll. Einen "totalen Umschwung" hat Gatz festgestellt und so kamen zur Enthüllung des Fensters nicht nur der Künstler selbst, sondern auch Oberbürgermeister Andreas Starke und Erzbischof Ludwig Schick. Das zweite Fenster wird nun in Auftrag gegeben und könnte schon Endes des Jahres fertig sein.

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