Bamberg Bewohner stirbt bei Feuer in Asylunterkunft

Der Brand in der Bamberger Aufnahmeeinrichtung entstand in einer Erdgeschosswohnung. Darin fanden die Einsatzkräfte die leblose Person.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. Die Kriminalpolizei sieht aber keine Hinweise auf Brandstiftung.

Von Olaf Przybilla, Bamberg

Es ist kurz nach sechs Uhr morgens, als Shabani Shaban, 21, die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Bamberg verlässt. Er macht das immer so früh, weil seine Partnerin, eine Würzburgerin, ihn vor der Arbeit noch sehen will und sie gemeinsam frühstücken wollen in einem Schnellrestaurant in der Nähe. Dass was passiert sein muss über Nacht, das habe er wahrgenommen, sagt er. Dass es aber lauter werden kann dort, wo derzeit 1200 Flüchtlinge verschiedener Herkunft untergebracht sind, daran habe er sich gewöhnt und habe gar nicht erst aus dem Fenster geschaut. Seit zwei Monaten lebt Shaban im Camp, er stammt aus dem Kosovo. Jetzt hört er an der Ausgangsschranke, dass es gebrannt hat ein paar Häuser weiter und ein Bewohner das Leben verloren hat dabei. "Sehr traurig" mache ihn das, sagt er.

Einen Brand mit "sehr starker Rauchentwicklung" in der zentralen Aufnahmeeinrichtung hat die Polizei um 3.28 Uhr gemeldet, und natürlich löst so eine Meldung furchtbare Assoziationen aus. "Das ist eben ein sehr sensibler Bereich", sagt Polizeisprecher Jürgen Stadter. Zunächst sei auch nicht klar gewesen, wie viele Menschen sich im Haus 7 der Einrichtung aufgehalten haben zu der Zeit. Das Gelände, eine frühere US-Kaserne, ist umzäunt, weshalb viele denken, die Bewohner dürften nicht hinaus aus der Einrichtung. Das aber stimmt nicht. Die Flüchtlinge dürfen zu jeder Zeit das Gelände verlassen, die Zäune stehen da zu ihrem Schutz. 163 Personen waren es am Ende, zum großen Teil haben sie es selbst geschafft, das Gebäude zu verlassen. Andere wurden geweckt, fünf Bewohner mussten über Leitern gerettet werden. In einer der Wohnungen fand man in den frühen Morgenstunden eine leblose Person. Brandermittler konnten, der starken Rauchentwicklung wegen, über Stunden diesen Bereich nicht betreten. "Wir gehen aber davon aus, dass das Feuer in der Wohnung ausgebrochen ist, in der die leblose Person gefunden wurde", sagt Stadter.

Hinweise auf eine "Einwirkung von außen" gebe es keine. Was den Brand verursacht hat - ein technischer Defekt, ein nicht ausgeschalteter Herd, eine Zigarette womöglich -, soll nun mit Hilfe des Landeskriminalamts ermittelt werden. Zu Identität und Geschlecht der leblosen Person kann die Polizei noch keine Angaben machen. 15 Bewohner erlitten leichte Rauchvergiftungen. Sieben davon, darunter zwei Kinder, wurden in Kliniken versorgt.

Was andernorts Einsatzkräfte vor Schwierigkeiten stellen würde - mehr als 160 befreite Personen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt -, das ist in der Bamberger Einrichtung kein Problem. Auf dem Gelände sollten nach ursprünglichen Plänen bis zu 4500 Asylsuchende untergebracht werden. Die Stadt kritisiert diese Pläne, ob dort jemals so viele Flüchtlinge untergebracht werden, ist ungewiss. Aber die Kapazitäten sind da. Die Flüchtlinge aus Haus 7 wurden noch in der Nacht auf andere Häuser verteilt und versorgt.

Mohamed Alzana, er lebt seit fünf Monaten in der Einrichtung, kritisiert den Einsatz der Rettungskräfte dennoch. "Viel zu lange" habe es seiner subjektiven Wahrnehmung nach gedauert, bis die Feuerwehr am Brandherd angekommen sei. Er und seine Familie aus Syrien hätten sich hilflos gefühlt und Angst um ihr Leben gehabt. Auch habe er sich vom Sicherheitsdienst nicht richtig ernstgenommen gefühlt, als er auf ein mögliches Feuer aufmerksam gemacht habe. Alzana sagt, er fühle sich überhaupt nicht wohl in dem Bamberger Riesenlager und diese Nacht habe ihn in seinem Urteil noch bestätigt.

Stadtbrandrat Matthias Moyano kann eine Verzögerung der Einsatzkräfte nicht bestätigen. Exakt zehn Minuten von der ersten Alarmierung um 2.59 Uhr bis zum Eintreffen im Camp seien in der Nacht vergangen, dort habe man sich zunächst "mit einer Wand aus Qualm" konfrontiert gesehen. "Ein ganz normaler und regulärer Ablauf", sagt Moyano.