Bamberg Freie Plätze in Asylbewerberunterkunft wecken Begehrlichkeiten

Längst nicht alle Häuser werden für Flüchtlinge genutzt.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • In einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber sind etwa 2000 Plätze unbesetzt. Die freien Kapazitäten wecken Begehrlichkeiten - Ideen gibt es einige.
  • Oberbürgermeister Starke hat die Staatsregierung aufgefordert, zwei Gebäude für ein neues Studentenwohnheim zur Verfügung zu stellen - oder Bewohner der Nachbargemeinde unterzubringen, weil deren Wohnungen abgebrannt sind.
Von Claudia Henzler, Bamberg

3400 Plätze bietet die Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Bamberg, die seit vergangenem Jahr als "Ankerzentrum" firmiert. Tatsächlich sind dort aber nur knapp 1400 Menschen untergebracht - und viel mehr sollen es auch nicht werden, wie die Staatsregierung schon vor einiger Zeit zugesichert hat. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) konnte das seinerzeit als großen persönlichen Erfolg verbuchen. Er hatte nach dem Ausbau auf 1500 Plätze immer wieder davor gewarnt, Bambergs Bevölkerung zu überfordern. Zu diesem Zweck hatte er sich von der CSU das Schlagwort von der "Obergrenze" geliehen, um ebendiese für die Erstaufnahmeeinrichtung zu fordern.

Dieser Kampf und die damit verbundene Aufregung scheinen fast vergessen zu sein. Nun geht OB Starke einen Schritt weiter und trägt immer neue Ideen an die Staatsregierung heran, was man alles Nützliches mit den leer stehenden Wohnungen in der Aufnahmeeinrichtung anfangen könnte. Die wurde auf dem Areal einer ehemaligen Siedlung der US-Army geschaffen und besteht aus mehr als einem Dutzend langer Wohnblocks, die von Spielplätzen und Grünflächen umgeben sind. Schon im Dezember wandte sich OB Starke mit dem Wunsch an Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dass die Staatsregierung zwei Gebäude für ein neues Studentenwohnheim zur Verfügung stellen möge. Gleichzeitig starteten Studenten der Bamberger Universität eine Petition, um für diese Idee zu werben.

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Noch ist diese Sache nicht entschieden, da hat Starke erneut öffentlichkeitswirksam eine Bitte an Herrmann herangetragen, diesmal unterstützt von seinem Bürgermeisterkollegen aus der Nachbargemeinde Memmelsdorf und Landrat Johann Kalb (CSU). Vergangene Woche forderten die drei, dass die Regierung die Erstaufnahmeeinrichtung für jene Bürger aus Memmelsdorf öffnet, die nach einem Brand vor zwei Wochen ihr Zuhause verloren haben. Ihr Schicksal hat in Oberfranken viele bewegt: Weil es im Keller eines kleineren Hochhauses brannte und sich der Rauch im ganzen Gebäude ausbreitete, mussten 78 Bewohner mit Drehleitern über den Balkon gerettet werden.

Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) sah sich an jenem Abend plötzlich mit der Aufgabe konfrontiert, die Brandopfer unterzubringen. Sie wurden erst einmal in die nahe Turnhalle gefahren. Viele kamen danach bei Freunden und Verwandten unter. Eine dauerhafte Lösung sei das aber in den wenigsten Fällen, sagt Schneider. Und wie es aussehe, gehe es doch um mehrere Monate. Die gesamte Elektrik im Haus sei zerstört, alle Wohnungen durch den Rauch vorübergehend unbewohnbar. Die Böden müssten erneuert, die Wände gestrichen werden.

Bezahlen müssten die Brandopfer ihre temporäre Unterkunft selbst

Das Hochhaus ist eines von vier Hochhäusern im Memmelsdorfer Ortsteil Lichteneiche, in die in den Siebzigerjahren vor allem Spätaussiedler aus Russland eingezogen sind. Laut Bürgermeister Gerd Schneider müssen viele der heutigen Bewohner mit wenig Geld auskommen, weshalb die Memmelsdorfer Mitbürger in den vergangenen Wochen große Hilfsbereitschaft zeigten. Eine Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung habe dort niemand, sagt Schneider. Die Gemeinde hat sich deshalb zu einigen Angeboten entschlossen: Sie sammelt Spenden für notwendige Neuanschaffungen und hat im Rathaus eine Wohnungsbörse eingerichtet. Bezahlen müssten die Brandopfer ihre temporäre Unterkunft allerdings selbst, weshalb Schneider für die Mieter auch eine Beratung organisiert hat, um sie über ihre Rechte und mögliche Schadenersatzforderungen zu informieren.

Für die zuständige Bezirksregierung kommt die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) indessen nicht als Zwischenquartier infrage: "Auf dem Gelände der AEO ist aktuell kein Gebäude für die Unterbringung der Brandopfer frei", heißt es. Davon abgesehen seien die Wohnungen auch gar nicht geeignet, weil es dort weder Herde und Kühlschränke noch Telefon- oder Fernsehanschlüsse gibt. Außerdem seien die Wohnungstüren nicht abschließbar.

Was den anderen Wunsch des Bamberger Oberbürgermeisters angeht, zeigt sich das Innenministerium aber gesprächsbereit. Joachim Herrmann werde sich "in nächster Zeit" mit Starke darüber unterhalten, ob ein Teil der Gebäude zu Wohnzwecken genutzt werden kann, teilt die Pressestelle mit. Die Stadt hat ihre Wunschliste derweil etwas angepasst. Man habe noch immer zwei Wohnblöcke im Auge, sagt eine Sprecherin. Die Stadt könne sich vorstellen, dass dort neben einem Studentenwohnheim auch günstige Wohnungen geschaffen werden könnten. Begehrlichkeiten gibt es offenbar noch an anderer Stelle: Die benachbarte Bundespolizei soll ebenfalls Bedarf an einem Wohnheim angemeldet haben.

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