Blattmacher-Wettbewerb Rosenkavaliere in Ausbildung

Tänzer der Ballettakademie bezaubern im Landtag Nachwuchsjournalisten und Politiker mit Klassikern wie "Raymonda" oder dem "Nussknacker".

(Foto: Robert Haas)

Die Tänzer der Ballett-Akademie der Münchner Musikhochschule begeistern im Landtag mit Grazie, Beweglichkeit und Disziplin.

Von Anna Günther

Die ersten Töne der "Tarantella" erklingen, die Türen öffnen sich, im Senatssaal des Bayerischen Landtages wird es schlagartig still. Drei junge Tänzer schlagen aufs Tamburin und wirbeln über die Bühne. Auf die Seeschlacht von Salamis, das wandgroße Gemälde hinter den Tänzern, blickt niemand mehr. Gebanntes Raunen geht durchs Publikum. Buben? Als professionelle Balletttänzer?! Das ist für viele Schüler nicht die letzte Überraschung an diesem Morgen.

Ballett lebt von Glamour, von Grazie und Bewunderung des Publikums für Beweglichkeit und Disziplin der Tänzer. Auch an diesem Morgen im Landtag brandet wieder und wieder begeisterter Applaus auf. 34 Mädchen und sechs Buben tanzen bei der Siegerehrung des Schülerzeitungswettbewerbs Blattmacher vier Ballettklassiker.

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Ob "Rosenkavalier", "Raymonda" oder "Nussknacker" - die jungen Zuschauer, aus allen Teilen Bayerns angereist, wirken so begeistert wie die Erwachsenen. Und der Ballettnachwuchs Bayerns badet im Applaus.Der Blick hinter die Kulissen zeigt dann: Die jungen Tänzer der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München sind normale, wenn auch besonders begabte und akkurat frisierte Kinder.

Auftritte in imposantem Ambiente sind die Ballerinen gewöhnt

An diesem Morgen sind sie lange vor den Gästen ins Maximilianeum gekommen, um sich im Senatssaal zu orientieren und in den historischen Kostümen zu proben.Mehr als zwei Stunden vor dem ersten Auftritt herrscht beim Einlass an der Ostpforte noch Gewusel und Geplapper wie bei jeder Schülergruppe. Die Betreuer haken Anwesenheitslisten ab und versuchen, die Gruppe ruhig zu halten. "Schschschsch", zischt es ein ums andere Mal durch den Raum. Kurz kehrt Ruhe ein, dann quatschen sie wieder munter durcheinander.

An der Ballett-Akademie lernen derzeit 37 Mädchen und Buben zwischen acht und elf Jahren, die 29 Eleven in der Mittelstufe sind zwischen zwölf und 15 Jahren alt. Sie trainieren sechs Tage in der Woche nach der Schule an der Münchner Wilhelmstraße. In der Oberstufe studieren gerade 36 Tänzer im Bachelorprogramm. Die Ausbildung beginnt bei professionellen Balletttänzern spätestens mit elf Jahren. Die Zeit auf der Bühne ist kurz, die meisten müssen sich mit Mitte Dreißig neu orientieren. Bis zum 20. Geburtstag sollten Ballerinen ein festes Engagement haben. Die Teenagerjahre sind entscheidend.

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Die Ballett-Akademie zählt zu den renommiertesten Schulen des Landes, gegründet wurde sie vor mehr als 50 Jahren. Seit 2010 leitet der belgische Ballettmeister Jan Broeckx die Akademie an der Musikhochschule, der selbst als Primoballerino in Marseille sowie beim Bayerischen Staatsballett getanzt hat.

Lange vor ihm feierte Konstanze Vernon von 1963 an große Erfolge als Primaballerina in München. Sie gründete vor 40 Jahren eine Stiftung, die begabte Nachwuchstänzer unterstützt, und nannte diese in Erinnerung an ihren 1975 jung verstorbenen Tanzpartner Heinz-Bosl-Stiftung. Heute betreibt die Stiftung auch ein Wohnheim für die Bachelorstudenten der Akademie und die Volontäre des Staatsballetts.

Die jüngsten Tänzer im Landtag sind mit elf Jahren kaum älter als die jüngsten Zuschauer im Publikum. Auftritte in imposantem Ambiente sind die Ballerinen gewöhnt, sie tanzen jedes Jahr mit dem Ensemble des Bayerischen Staatsballetts in der Oper, bei ihren Matineen mit den Stipendiaten der Heinz-Bosl-Stiftung und den Veranstaltungen der Akademie. Die Älteren reisen sogar für Tanzfestivals um die Welt.

Das Schäfchen sauste ferngesteuert durch den Senatssaal, die Tänzerin bewegte sich von ganz allein grazil.

(Foto: Robert Haas)

Der Auftritt im Landtag ist offenbar trotzdem etwas Besonderes. Staunend tuscheln die Kinder beim ersten Blick in den Steinernen Saal, huschen leise über die Gänge, um nicht gesehen zu werden. Der Auftritt bei der Siegerehrung soll eine Überraschung sein. Während bald die ersten - und ahnungslosen - Schüler durch die Gänge laufen, proben die Tänzer noch hinter verschlossenen Türen im Senatssaal.

Nur die älteren Mädchen sind nicht umgezogen, sie müssen als letzte proben. Aus der Ruhe bringt sie das nicht: Sie stehen im Präsidentengang auf steinernen Fensterbänken vor deckenhohen Fensterscheiben und posieren. Ein Bein in die Luft, Hälse und Hände grazil gestreckt. Die Freundinnen knipsen mit den Handys, dann wird getauscht. Diese Kulisse will sich keine entgehen lassen. Die Ölgemälde der Landtagspräsidenten an der Wand gegenüber eignen sich halt nicht so gut für Instagram.

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