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Bakterien in Wurst:Aufstieg und Sturz der Firma Sieber

Die Firma Sieber aus Geretsried musste Hunderte Tonnen Fleischwaren zurückrufen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Fußball, königlich bayerischer Hoflieferant, Oktoberfest, eine Pleite und schließlich der Umzug ins Umland - die Firma Sieber hat nichts ausgelassen, was zu einer großen Münchner Karriere gehört.

Aufstieg und Absturz: Das schwingt bei dem Namen Sieber mit - und zwar nicht nur, wenn es um Weißwurst und Leberkäse geht. Sondern auch beim Fußball, genauer: beim TSV 1860 München. Kurt Sieber, Nachfahre von Ur-Ur-Ur-Metzger Andreas, war als Vizepräsident dabei, als es in den Neunzigern für die Löwen immer nur aufwärts ging - Bayernliga, zweite Liga, Bundesliga. Und er ging mit, als 2004 Präsident Karl-Heinz Wildmoser stürzte. Fußball, Hoflieferant, natürlich die Wiesn, eine Pleite und schließlich der Umzug ins Umland - die Firma Sieber hat nichts ausgelassen, was zu einer großen Münchner Karriere gehört.

Angefangen hat alles im Jahr 1825. Metzgermeister Andreas Sieber begründet den Betrieb. Schon 1833 wird er zum königlich bayerischen Hoflieferanten ernannt. 1929 der nächste Aufstieg in Münchens Metzger-Hierarchie: Die Firma wird erstmals auf dem Oktoberfest zugelassen. In der kleinen Wurstbraterei singen zuletzt rund 100 Menschen ihr Prosit der Gemütlichkeit.

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In den folgenden Jahren wächst Sieber zu einem der Marktführer in Süddeutschland. Mitte der Neunziger verzeichnet das Unternehmen einen Jahresumsatz von 32 Millionen Mark. Allein in der Landeshauptstadt gibt es seinerzeit zehn Filialen mit Imbiss und drei Delikatessengeschäften. Sieber beschäftigt etwa 230 Mitarbeiter, davon 70 bis 100 in der Produktion in den Industriegebäuden im Schlachthofviertel an der Thalkirchner Straße. 25 Tonnen Fleisch und 50 Tonnen Wurstwaren werden dort pro Woche verarbeitet. Weil die Hallen nicht mehr den EU-Richtlinien entsprechen, steckt die Firma elf Millionen Mark in den Neubau eines schmucklosen Werks im Gewerbegebiet des Geretsrieder Stadtteils Gartenberg. Von 1996 an wird dort der Schinken in den Kühllaster gefahren.

2000 der erste Dämpfer: Der Stadtrat verweigert Sieber die Zulassung zur Wiesn, er soll die Bewerbungsfrist verschlafen haben, so lautet die offizielle Begründung. 2001 ist er zwar wieder mit dabei, doch in diesem Jahr trifft die Firma der härteste Schlag. Nach Maul- und Klauenseuche, BSE und einem Umsatzeinbruch muss Sieber Insolvenz anmelden.

Die Gesellschaft wird neu geordnet, die Geschäftsführung geht auf den heutigen Chef Dietmar Schach über. Der Betrieb beschäftigt nach eigenen Angaben noch 60 Mitarbeiter. Rund 100 Tonnen Fleischprodukte verlassen die 3000 Quadratmeter große Produktionshalle pro Woche. Seit 2008 ist die Wiesn für Sieber Geschichte. Und in diesem Frühjahr schließt der letzte Imbiss an der Christophstraße 10 im Lehel.

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