In einem österreichischen Sprachblog ging es neulich um die Frage, ob ein Mann zu seiner Liebsten noch Weibi sagen darf. Der Zeitgeist ist da sehr empfindlich, er wittert auch bei diesem Wort Abwertung, Diskriminierung und Respektlosigkeit. Freilich, wirkt das Weibi im Minenfeld der Sprache tatsächlich wahnsinnig gefährlich? Schmückt dieses Wort nicht eher die Riege der sprachlichen Federgewichte - geschaffen für Süßholzraspler, denen es im amourösen Balzen und Necken an poetischer Potenz mangelt.
Das Bairische kennt unzählige Begriffe, mit denen Frauen in guten wie in schlechten Zeiten gewürdigt wurden. In der süßlichen Kategorie reicht das Spektrum vom Spatzl bis zum Hasi, in der derben Variante von der Mistmatz bis zur alten Schachtel.
Gerade die alte Schachtel belegt, dass selbst bei gröbsten Attributen differenziert werden muss. Im Münchener Stadtanzeiger war im August 1918 über die Chansonette Yvette Guilbert zu lesen: „Selbst als Yvette angejahrt war, hatte sie noch Zugkraft, denn auch eine alte Pariser Schachtel ist für einen deutschen Lebemann immer noch ein begehrenswertes Objekt.“
Auch am alten Wort Weib (mittelhochdeutsch wip) klebte lange Zeit nichts Verwerfliches. In so mancher Dorfkirche ist die linke Bankreihe heute noch die Weiberseite. Allerdings wurde das Weib im Laufe der Zeit vom nobleren Begriff Frau verdrängt und in das Reich der Schimpfkultur abgeschoben.
Auf dem Gäubodenvolksfest in Straubing fiel zuletzt eine nervlich angespannte Mama auf, die ihren im Kinderwagerl quengelnden Buben tadelte: „Du bist schlimmer wie ein Weiberts!“ Zum Weiberts ist anzumerken, dass ihm nicht die süße Unschuld des Weibis innewohnt. Vielmehr rangiert es in der Rangliste weiblicher Schimpfwörter gleich hinter dem Militärbegriff Dragoner, in dem das Wort Drachen steckt. Als Dragoner belobigte man herrisch auftretende Frauen, die im Stile der einstigen britischen Premierministerin Margaret Thatcher mit harter Hand das Regiment führten.
In Amerika ist es wieder chic geworden, das Kosewort wifey (Weibi, Frauchen) zu benützen. Jedenfalls in jenen Kreisen, in denen sich Millionärstöchter tummeln. Beobachtet man deren Gehabe in den sozialen Medien, so scheint es diese Geschöpfe, die hierzulande mehrheitlich unter Geiß-Verdacht stünden, nicht zu stören, von ihren Tschamsterern wifey genannt zu werden.
In Bayern könnte man das Wort Weibi jederzeit abschaffen, gibt es doch jede Menge Synonyme, die unbelastet sind. Originell klingt das Wort Matschakerl, das ein selbstbewusstes Weibi benennt, wie der Zeitschrift Simplicissimus aus dem Jahr 1909 zu entnehmen ist. Dort ist ein hübsches Matschakerl abgebildet, das über sich selber sagt: „Im Fasching bin ich a Thermometer: immer wie Quecksilber – zuerst steig ich und nachher fall ich.“


