Künstliche Intelligenz und DialektDie KI kann viel, aber kein Bairisch

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Ob die künstliche Intelligenz wohl weiß, dass es sich bei „Griass Gott“ um eine Grußformel handelt?
Ob die künstliche Intelligenz wohl weiß, dass es sich bei „Griass Gott“ um eine Grußformel handelt? Foto: Rainer Pfander Fellbach/Imago

Angeblich erleichtert künstliche Intelligenz Journalisten ihre Arbeit. Doch wehe, wenn sich drei Dialektsprecher zum Interview verabreden. Über Rührscheiße, Schwanzheit und den Schnupfer-Xare.

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Gute Frage: „Gibt es jetzt an Erna oder an Buchhorn oder an eine Kombination von Erna und Buchhorn?“ Die Passage stammt aus dem Interview, das vor ein paar Tagen die SZ mit Richard Loibl führte. Der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte ist Niederbayer und ein überaus unterhaltsamer Geschichtenerzähler, da kommen schon mal 2000 Zeilen Protokoll zusammen.

Loibl verriet dabei einiges über seine Pläne für die Zukunft: „Doppel? Doppel? Doppel, nicht Koppel, sondern Doppel. Todestag und Antritt als Ministerpräsident. Du bist raus? Jetzt ist es 2078.“ Auch das nicht immer ganz einfache Verhältnis zum Hause Wittelsbach war Thema der Runde: „Er sagt ja, dass sozusagen, wie soll man sagen, erstens hätte Ludwig III. nie abgedankt, sondern er hätte freiwillig Schwanzheit sagen.“

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Darüber kann man sicher geteilter Meinung sein, genauso wie über Loibls Einschätzung der bayerischen Geschichtsschreibung und speziell des Historikers Karl Bosl: „Also, da war das schon glunkelig.“

Irgendwie fühlt man sich bei der Lektüre der Mitschrift stark an die Zeiten Edmund Stoibers erinnert, als man in der Staatskanzlei antreten musste und der Ministerpräsident assoziative Satzgirlanden produzierte, in denen alles vorkam, aber bloß kein Verb. Einmal schwärmte er der SZ vom Transrapid vor, die Kassette mit der Aufnahme verhakte sich leider im Autoradio und ließ sich nicht mehr entfernen. Ein Käufer nahm die Karre mit dem Endlosstoiber trotzdem für 1650 Euro.

Inzwischen macht angeblich die künstliche Intelligenz (KI) alles einfacher. Sie übernimmt das gefürchtete Abhören und Abtippen von Interviews. Man lädt nur mal kurz eine Aufnahme nach irgendwo hoch, und schon spuckt das Kunsthirn ein Transkript aus. Das Gespräch mit dem inzwischen verstorbenen Schnupfer-Xare aus Lohberghütte hat die KI im sogenannten Wal-Modus besonders detailgetreu analysiert. Xare schildert der SZ, wie er einen Auerhahn sah: „Ohne Warn. Da bin ich Richtung Hammer hin, Gwanawa rum. In der Früh bin ich mit meinem Bruder in die Stickerlunde gegangen. (...) Da bin ich fast zufrieden gewesen.“

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Ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Leider ist die KI halt offensichtlich doch nicht so schlau, wie alle glauben. Sie kann zwar einen HTML-Code für die Homepage kritzeln, aber mit Dialekten kennt sie sich nicht aus. Wenn drei Altbayern sich unterhalten, dann versteht sie nicht einmal Bahnhof – oder um es mit einem KI-Zitat aus dem Loibl-Interview auszudrücken: „Das ist mir eine Rührscheiße.“

Allen Journalisten, die in Bayern ihr Geld verdienen, bleibt auch in Zukunft nichts anderes übrig, als Aufnahmen abzutippen. Das ist einerseits schrecklich, andererseits sichert der Dialekt auf diese Weise Arbeitsplätze. Danke!

Übrigens lautet die Eingangsfrage auf Hochdeutsch: „Liegt das jetzt an Ihnen oder am Buch oder an einer Kombination von Ihnen und dem Buch?“ Die Antwort ist demnächst in der SZ zu lesen, wenn der Interviewer mit dem Abhören und Kürzen fertig ist.

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