Bahnverkehr Von Nürnberg nach Berlin in weniger als drei Stunden

Noch ist es eine große Baustelle, bald der schnellste Schienenweg von Bayern nach Berlin: Bei Forchheim in Oberfranken laufen gerade die Arbeiten für den ICE-Ausbau.

(Foto: Wolfgang Kollorz/DB AG)
  • Ab Dezember will die Bahn eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Nürnberg und Berlin in Betrieb nehmen.
  • Wegen einer wichtigen Bauphase wird es am Osterwochenende zwischen Nürnberg und Bamberg zu Einschränkungen und Sperrungen im Bahnverkehr kommen.
  • Münchner werden die Hauptstadt mit dem Sprinter in drei Stunden und 55 Minuten erreichen können, im normalen ICE in etwa vier Stunden und 20 Minuten.
Von Claudia Henzler, Nürnberg

Vom 10. Dezember an werden Reisende mit dem ICE-Sprinter in nur zwei Stunden und 50 Minuten von Nürnberg in die Bundeshauptstadt düsen können. Denn dann soll die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Berlin in Betrieb gehen. Bis dahin gibt es für die Bahn aber noch viel zu tun. Für das Osterwochenende hat das Unternehmen einen weiteren "Bauhöhepunkt" angekündigt. Anlass für einen Überblick über den Stand der Arbeiten und Planungen.

Wie läuft der Ausbau?

Die 83-Kilometer-Strecke zwischen Nürnberg und Markt Ebensfeld (Kreis Lichtenfels) wird um zwei Gleise erweitert und elektrifiziert. Nur ein Teil ist erledigt, bis Dezember soll zumindest die Hälfte der Strecke viergleisig sein. Der Rest wird noch einige Jahre dauern. Dort müssen sich die ICEs die Gleise einstweilen mit dem übrigen Verkehr teilen, weshalb der Bereich als Flaschenhals gilt. In Fürth gibt es Streit über die Streckenführung, außerdem fehlt ein längerer Abschnitt südlich von Bamberg. Derzeit wird an einer 13,6 Kilometer langen Strecke bei Forchheim gearbeitet.

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Was passiert an Ostern?

Südlich von Bamberg werden Brückenteile eingehoben und neue Signal- und Oberleitungsmasten installiert. Von 14. bis 17. April wird es zwischen Nürnberg und Bamberg zu Einschränkungen und Sperrungen im Bahnverkehr kommen.

Was ist schon fertig?

Komplett neu geschaffen wurde die Trasse zwischen Ebensfeld und Erfurt. Im September 2016 feierte die Bahn den Lückenschluss. Die Strecke ist 107 Kilometer lang, verläuft auf bayerischem Gebiet durch die Mainebene und anschließend durch den Thüringer Wald. Der Bau war extrem aufwendig: Die Gleise führen durch 22 Tunnel (41 Kilometer Strecke) und über 29 Talbrücken (12,3 Kilometer). Die ICEs sollen dort künftig mit Tempo 300 entlangbrettern. Seit Oktober finden Testfahrten statt.

Warum wird in Bamberg nicht gebaut?

Die Welterbestadt fürchtet um ihr Erscheinungsbild, wenn die noch immer zweigleisige Bahnstrecke erweitert wird. Meterhohe Lärmschutzwände und Schäden an denkmalgeschützten Gebäuden sind die Horrorszenarien, gegen die sich die Stadt nach Kräften wehrt. Seit Jahren verhandelt sie deshalb mit der Bahn. Noch immer ist offen, ob die zusätzlichen Gleise am Ende oberirdisch verlegt werden oder ein etwa vier Kilometer langer Tunnel kommt. Die Bahn drängt darauf, dass noch im ersten Halbjahr 2017 eine Entscheidung fällt. Mindestens eine Milliarde Euro wird die Stadtdurchfahrt kosten. Die Bahn rechnet frühestens 2021 mit dem Baubeginn. Die Bauzeit kann acht bis zehn Jahre betragen, je nach Variante.

Wo werden die ICEs halten?

Zwischen München und Erfurt sind Stopps in Ingolstadt, Nürnberg, Erlangen, Bamberg und Coburg geplant. Allerdings wird nicht jeder ICE überall Halt machen.

SZ-Grafik; Quelle: Deutsche Bahn

(Foto: )

Wie groß wird die Zeitersparnis sein?

Wenn keine Oberleitungsstörungen oder sonstige Pannen dazwischen kommen, wird die Fahrt von Nürnberg nach Berlin im normalen ICE künftig drei Stunden und zehn Minuten dauern statt wie bisher vier Stunden und 45 Minuten. Noch schneller, in zwei Stunden und 50 Minuten, geht es mit dem Sprinter. Münchner werden die Hauptstadt mit dem Sprinter in drei Stunden und 55 Minuten erreichen können, im normalen ICE in etwa vier Stunden und 20 Minuten. Bisher dauert die Fahrt etwa sechs Stunden.

Wie oft werden die Züge fahren?

Den Fahrplan wird die Bahn erst im Sommer vorstellen. Laut Bahnsprecher orientiert sich die Angebotsdichte am bisherigen Fahrplan, die ICEs würden etwa stündlich zwischen München und Berlin verkehren und dabei einfach schneller ankommen als momentan. Dreimal am Tag sei in jede Richtung ein Sprinter geplant, der nur in Nürnberg, Erfurt und Halle stoppt. In Bamberg werden nach jetzigem Planungsstand pro Tag zunächst 24 ICEs auf dem Weg von München nach Berlin und zurück Halt machen (beide Richtungen zusammengerechnet), in Erlangen 17 Züge.

Von 2019 an sollen Reisende dann in Bamberg etwa stündlich, in Erlangen alle zwei Stunden zusteigen können - durch die Sprinter wird es dort allerdings Lücken im Takt geben. Über Coburg, das etwas abseits der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke liegt, soll jeweils dreimal am Tag ein ICE in Richtung Berlin und München geleitet werden. Voraussichtlich morgens, mittags und am späten Abend.

Warum gibt es Protest?

Die bisherige ICE-Strecke nach Berlin führte durch das Saaletal mit einem Stopp in Lichtenfels. Dort fühlt man sich nun abgehängt. Nach Ansicht der Bahn gibt es dafür aber keinen Grund. Denn aus Lichtenfels könne man die Hauptstadt dank der neuen Strecke künftig sogar um 40 Minuten schneller erreichen - obwohl Reisende erst nach Bamberg fahren und dort umsteigen müssen. Unzufrieden sind auch die Rathauschefs in Bayreuth, Hof und Plauen. Sie schauen neidisch auf die milliardenschweren Investitionen auf der Neubaustrecke und stellen fest, dass die Verbindungen von ihren Städten nach Nürnberg, Bamberg oder Coburg größtenteils noch nicht einmal elektrifiziert sind.

Die Rede ist von einem "ostoberfränkischen Bahndilemma": Obwohl Bayreuth geografisch fast auf halber Strecke zwischen München nach Berlin liegt, braucht ein Bahnreisender aus der Festspielstadt etwa fünf Stunden nach Berlin - deutlich länger also, als künftig die Münchner unterwegs sind.

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