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Bahnunfall in Aichach:Polizei vermutet: Fahrdienstleiter war abgelenkt

Zugunfall in Bayern

Experten untersuchen die beschädigten Züge in Aichach.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Die Kripo Augsburg geht dem Verdacht nach, dass der Fahrdienstleiter am Bahnhof Aichach möglicherweise abgelenkt war.
  • Offenbar war der Bahnmitarbeiter nicht alleine im Dienstgebäude.
  • Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner fordert von der Deutschen Bahn mehr Sicherheit auf allen Strecken.

Der Fahrdienstleiter am Bahnhof Aichach war möglicherweise abgelenkt und hat eine Weiche falsch gestellt, weshalb es am Montagabend zu dem schweren Zugunfall kam. Diesem Verdacht gehen die Ermittler der Kripo Augsburg nach. Beim Zusammenprall eines Personenzugs mit einem stehenden Güterzug auf der Strecke Augsburg-Ingolstadt kamen der 37-jährige Lokführer der Regionalbahn und eine 73 Jahre alte Passagierin ums Leben. 14 Fahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt. Der Führer des Güterzuges blieb unverletzt.

Der 24-jährige Fahrdienstleiter wurde wegen des dringenden Verdachts der fahrlässigen Tötung festgenommen. Er habe sich in seiner Vernehmung geäußert, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Zum Inhalt wollte Nickolai keine Angaben machen. Das Augsburger Amtsgericht erließ Haftbefehl, der aber wegen fehlender Fluchtgefahr gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Ein technischer Defekt als Ursache wird ausgeschlossen, die Ermittler sprechen von menschlichem Versagen.

Schwaben

Zwei Tote bei Zugunglück in Aichach

Offenbar war der Bahnmitarbeiter nicht alleine im Dienstgebäude. "Es waren Zeugen vor Ort", so der Oberstaatsanwalt. Inwieweit das eine Rolle gespielt hat beim Unfallhergang, wird nun geprüft. "Er muss etwas verwechselt haben", sagte ein Bahn-Sprecher. Jedenfalls sei der Fahrdienstleiter nicht konzentriert bei der Sache gewesen. In dem zweigleisigen Bahnhof fahren tagsüber sämtliche Personenzüge auf Gleis 2. Nur morgens um 6.11 Uhr und abends um 21.16 Uhr, also zur Unglückszeit, werden sie über das Ausweichgleis 1 umgeleitet, um den Güterverkehr passieren lassen zu können. Diese Umleitung erfolgte am Montagabend nicht.

Bahnexperten zufolge hätte das Unglück mit modernerer Technik im Stellwerk verhindert werden können. Laut Fahrgastverband Pro Bahn gibt es bei elektrischen Systemen sogenannte Gleis-besetzt-Meldungen. Damit können Zusammenstöße praktisch ausgeschlossen werden. Das Stellwerk im Aichacher Bahnhof wird nach wie vor mechanisch bedient. Ein ehemaliger Fahrdienstleiter aus Aichach berichtete, dass schon vor 30 Jahren über eine Modernisierung der Anlage diskutiert worden, letztlich aber nichts geschehen sei. Auch Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner fordert von der Deutschen Bahn mehr Sicherheit auf allen Strecken. "Der Schienenverkehr muss auch in einem Flächenland wie Bayern sicher bis in den hintersten Winkel sein", sagte Aigner.

Für die Opfer des Zugunglücks halten die Kirchengemeinden in Aichach an diesem Samstag in der Stadtpfarrkirche eine ökumenische Trauerfeier ab. Beginn ist um 10 Uhr.

© SZ vom 12.05.2018/huy
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