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Bahnstrecke Kufstein-München:"Wer seinen Zug liebt, der schiebt"

Wenn ein Zug plötzlich ausfällt, heißt das für alle Beteiligten vor allem eines: Warten. Als mitten auf der Strecke von Kufstein nach München eine nagelneue Bahn liegenbleibt, beschließt der Zugführer, nicht auf die Ersatzlok zu warten - und greift zu einer unkonventionellen Methode.

Das Sprichwort "Wer sein Rad liebt, der schiebt" hat für die Fahrgäste eines Zuges von Kufstein nach München eine neue Bedeutung gewonnen: Nach dem Motto "Wer seinen Zug liebt, der schiebt" halfen die Passagiere nach Leibeskräften, einen an der österreichisch-bayerischen Grenze liegengeblieben Triebwagen wieder flott zu machen.

Der Betreiber Meridian, ein Tochterunternehmen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) in Holzkirchen im Landkreis Miesbach, bestätigte nun entsprechende Medienberichte. Demnach war der nagelneue Zug vom Typ "Flirt" bereits am Montag mitten auf der Strecke liegengeblieben. Das Begleitpersonal bat daraufhin die Fahrgäste auszusteigen und den Zug anzuschieben.

Der Lokführer hatte nicht auf eine Diesellok warten wollen, die den Zug zur Oberleitung hätte schieben können. Tatsächlich schafften es die Passagiere mit vereinten Kräften, das tonnenschwere Gefährt so weit anzuschieben, bis es aus eigenem Antrieb wieder fahrbereit war. Die Elektronik hatte ausgerechnet auf einem sogenannten Streckentrenner gestreikt.

Dabei handelt es sich um einen kurzen Gleisabschnitt zwischen beiden Ländern ohne Stromspannung. An Grenzen seien solche Streckentrenner nicht unüblich, hieß es. Nach den Berichten mehrerer Fahrgäste hatte es aber schon kurz vor der Abfahrt in Kufstein einen Stromausfall gegeben.

Wegen seines unkonventionellen Handelns muss der Lokführer möglicherweise mit juristischen Konsequenzen rechnen. Es ist die Rede von Gefährdung der Passagiere und von gefährlichem Eingriff in den Schienenverkehr. Der Betrieb des Meridian mit Verbindungen von München über Rosenheim nach Salzburg und Kufstein ist seit seinem Betriebsstart Ende 2013 von Pannen begleitet.

Die Zugausfälle und Verspätungen beschäftigten bereits den Bayerischen Landtag ähnlich wie die Pannenserie beim weiterhin von der Deutschen Bahn AG betriebenen Werdenfelstakt von München nach Garmisch-Partenkirchen. Die BOB kündigte am Freitag eine genaue Untersuchung ihrer jüngsten Panne an der Grenze an.

© Süddeutsche.de/dpa/amm
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