Kolumne: Das Bayern-Team fährt BahnIm Reisebus nach Mödlareuth

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Anzeigen wie diese signalisieren dem erfahrenen Bahnpassagier: Jetzt wird's kompliziert.
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Silas Stein/dpa

Mit dem Schienenersatzverkehr der Bahn aus Nürnberg frühmorgens pünktlich an die bayerisch-thüringische Grenze? Klingt unmöglich. Oder etwa nicht? Ein Selbstversuch.

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Die Bahn beschäftigt viele Menschen, als Arbeitgeber und aus persönlicher Betroffenheit gleichermaßen. Aus letzterem Grund sollen künftig regelmäßig Erfahrungsberichte leidgeprüfter Bahnreisender aus der Bayern-Redaktion auf dem Weg zu Recherchen und Terminen erscheinen – gewissermaßen als Solidaritätsnote mit allen Betroffenen da draußen.

Nun fiele es leichter, aus dem schier unerschöpflichen Erfahrungsschatz von Missgeschicken zu berichten. Allerdings muss der zum Auftakt zu beschreibende Fall ambivalent betrachtet werden, weshalb auf verbale Entgleisungen zu verzichten ist. Denn auch ich habe meinen Teil zum Beinahe-Unheil beigetragen, als ich am Dienstag vergangener Woche den ersten Wecker um 4.40 Uhr wegdrückte – ich hatte ja einen weiteren für 4.50 Uhr gestellt. Was damit geschah, ist allerdings ungeklärt. Meine innere Uhr klingelte jedenfalls erst um 5.25 Uhr, was spät war, weil ich das Haus schon um 5.30 Uhr verlassen wollte.

Hintergrund dieser unsäglichen Frühaufsteherei war eine Reise ins bayerisch-thüringische Grenzgebiet nach Mödlareuth. Dort eröffnet demnächst der Neubau des Deutsch-Deutschen Museums und ich war für 9.30 Uhr zu einer Baustellenführung verabredet. Weil ich kein Auto besitze und überhaupt der Meinung bin, dass Menschen, die hin und wieder über den öffentlichen Personennah- und -Fernverkehr im ländlichen Raum berichten, hin und wieder den öffentlichen Personennah- und -Fernverkehr im ländlichen Raum benutzen sollten, hatte ich mich zu einem Experiment entschlossen.

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Marode Gleise, zu wenig Geld, zu viel Sorglosigkeit: Bayerns Schienennetz ist in schlechtem Zustand. Nun musste die Strecke durchs Pegnitztal kurzfristig gesperrt werden. Was dazu führte, zeigt ein Untersuchungsbericht, den die Bahn selbst in Auftrag gegeben hat.

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Die Versuchsanordnung: einen selbst für eine KI kaum zu durchdringenden Schienenersatzverkehrsfahrplan entschlüsseln – und trotz ebenso kurzfristiger wie weiträumiger Streckensperrung im Pegnitztal wegen neuerdings alter Brücken pünktlich von Nürnberg über Pegnitz und Hof nach Mödlareuth gelangen. Die Dechiffrierung der PDF-Datei mit dem Fahrplan war nach etwa einer Stunde gelungen: um 6.05 Uhr mit dem Ersatzverkehrsbus 3081 vom Nürnberger Hauptbahnhof nach Pegnitz, dort Umstieg in den RE31, Abfahrt nach Hof um 7.20 Uhr, dort in den Bus 1566 und um 8.20 Uhr nach Mödlareuth, Ankunft: 8.55 Uhr. Vorausgesetzt, ich würde es zum ersten Bus schaffen ...

Mit der Geschwindigkeit eines ICE-Sprinters raste ich also zum Hauptbahnhof, Blick auf die Uhr, 5.57 Uhr, Erleichterung. Nur war kein Bus zu sehen und Mitarbeitende der Deutschen Bahn sowieso nicht. Die einzige Auskunft lieferten Aufkleber an der Wand mit der Aufschrift „Ersatzverkehr“ und Pfeilen, die nach draußen wiesen – und dann nirgendwohin weiter. Auf wegweisende Worte verzichtete man. Dank eines weiteren Sprints fand ich den, wie sich herausstellen sollte, äußerst komfortablen Reisebus dann doch noch – auf der Rückseite des Bahnhofs. Hätte ich bei genauerem Hinschauen auch im PDF sehen können. Hätte die Bahn aber auch auf ihrer Internetseite kundtun können. Oder in ihrer App. Oder am Bahnhof, irgendwo halt. Na ja, ich bin ja angekommen. Die Geschichte aus Mödlareuth kann also erscheinen.

Verspätung: keine (jedenfalls auf dem Hinweg, der Rückweg spränge hier den Rahmen).

Kommunikation: nahezu nicht existent, nur der Busfahrer in Hof war sehr redselig.

Komfort: besonders im Reisebus des Schienenersatzverkehrs hervorzuheben. Ein Modell für die Zukunft.

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