Ein Augenzeuge will das Tier selbst zu Gesicht bekommen haben, darüber hinaus gibt es bisher nur mögliche Trittabdrücke sowie eine Stelle, an der es sich den Pelz gewetzt haben könnte. Gleichwohl zeigen sich Almbauern und Politiker im Chiemgau besorgt, dass wieder ein Bär durch Bayerns Berge streifen könnte. Die Meldung von dieser möglichen Bärensichtung stammt nach Angaben des Landratsamts in Traunstein vom vergangenen Wochenende. Zu dieser Zeit könnte sich der Bär demnach am Sondersberg herumgetrieben haben, einer gut 1200 Meter hohen und weitgehend bewaldeten Kuppe oberhalb der Winklmoosalm bei Reit im Winkl.
Inzwischen haben nach Angaben des Landratsamts Mitglieder des „Netzwerks Große Beutegreifer“ die Gegend abgesucht und dabei Spuren gesichert, darunter eben besagte Wetzstelle und die Trittabdrücke. Fotos davon und Haarproben seien zur weiteren Untersuchung an das Landesamt für Umwelt (LfU) übermittelt worden. Die Laboruntersuchung dort hat noch kein definitives Ergebnis erbracht und dauert an.

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Das Waldstück am Sondersberg gehört den Bayerischen Staatsforsten, doch laut Landratsamt wurden auch die örtlichen Landwirte über die Sichtung informiert. Entsprechend zieht die Kunde inzwischen ihre Kreise. Denn speziell die Almbauern und mit ihnen viele Politiker werden nicht müde, vor einer Rückkehr von Wölfen und Bären in die bayerischen Bergregionen zu warnen. Unter anderem hat sich dazu der frühere Traunsteiner Landrat und jetzige Wahlkreisabgeordnete im Bundestag, Siegfried Walch (CSU), per Videonachricht in den sozialen Medien zu Wort gemeldet. Demnach bedrohten Beutegreifer wie Wolf und Bär die Viehhaltung auf den Almen und damit die Almwirtschaft insgesamt sowie den Tourismus und die Artenvielfalt in den Bergen.
Auch Anfang August bei der sogenannten Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, einer jährlichen Bergtour samt politischer Begleitung und Kundgebung, hatten die Teilnehmer hauptsächlich gegen die befürchtete Rückkehr der Beutegreifer gewettert. Die Begehung fand in diesem Jahr in der Nähe von Ruhpolding statt, nur rund zehn Kilometer Luftlinie entfernt vom Sondersberg und der Winklmoosalm.
Meldungen über meist nur durchziehende Wölfe gibt es aus den Bergregionen in Bayern immer wieder. Bären geraten sehr viel seltener in den Fokus. Sie stammen in der Regel aus einer Population, die um die Jahrtausendwende im italienischen Trentino wieder angesiedelt wurde. Auf ihren Streifzügen können sie in kurzer Zeit sehr weite Wege zurücklegen.
Der bisher letzte vom Landesamt für Umwelt für gesichert erklärte Nachweis eines Bären im bayerischen Gebirge stammt aus dem Mai 2023, als im Oberallgäu ein Bär fotografiert wurde. Kurz davor gab es gesicherte Spuren in den Kreisen Miesbach, Traunstein und Berchtesgadener Land. Am 23. Mai 2023 ist dann im benachbarten Salzburger Land ein Bär von einem Zug überfahren worden. Dieses später genetisch eindeutig identifizierte Tier hatte einige Wochen zuvor im bayerischen Inntal bei Oberaudorf drei Schafe gerissen und damit großes mediales und politisches Aufsehen erregt. Zugleich war dies der bisher letzte dokumentierte Schaden durch einen Bären in Bayern.

