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Bad Tölz:Regionalkrimi: Spiel mit der Wahrheit

Kalbarienbergkirche

Schöne Aussicht: Der Kommissar Fritz Fischhaber lebt am Fuß des Kalvarienberges in der Fröhlichgasse.

(Foto: Manfred Neubauer)

Im Tölzer Krimi "Das Dirndl im Moor" steigt der Kommissar den Kalvarienberg hinauf, wenn er nachdenken muss. Andere Orte der Geschichte sind frei erfunden.

Sie waren Freundinnen seit der Schulzeit, die zurückhaltende Ina Berg und die schöne Anna, die sich als Autorin Daphne di Montagna nannte. Doch irgendwann sind sie weg aus ihrem Dorf Oberthanning nahe Bad Tölz und machten Karriere als Autorinnen von Heimatkrimis wie "Mordsbrezn", "Falscher Fuchzga" und "Bauernopfer".

Aber nun ist Daphne tot - erschlagen nach einem Fernsehinterview, ausgerechnet mit dem "Goldenen Wendelstein", der Trophäe für den besten Heimatkrimi, "einem scharfkantigen Goldklumpen in Gebirgsform". Und die beiden Tölzer Kommissare Fritz Fischhaber und Sascha Kunz rätseln: Hat vielleicht der Ehemann oder der Verleger etwas mit dem Mord zu tun? Hatte die scheue Ina ihre Rolle im Schatten der forschen Daphne satt? Oder stammt der Mörder aus dem Heimatdorf der beiden?

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Schließlich bot der Ort die Kulisse für ihre Krimis, und die Bewohner fungierten unfreiwillig als leicht zu identifizierende Vorbilder: Der Dorfpolizist wird als "uniformierte Rauschkugel" belächelt, die Bedienung im Wirtshaus als fesches Flitscherl gezeichnet, und ein schmucker Weiberer tröstet die neu zugezogenen und gelangweilten Ehefrauen.

"Schon recht zünftige Figuren in der Geschichte. Die kennst alle, wennst selbst vom Dorf bist", erläutert der kurz vor der Rente stehende Tölzer Kommissar Fritz seinem jungen, aus Schwabing zugezogenen Kollegen Sascha die Dynamik von Daphnes und Inas Bestsellern. Womit man bei der Metaebene des Romans angelangt wäre: Der besondere Reiz von Lotte Kinskofers und Anke Bahrs Heimatkrimi "Das Dirndl im Moor" besteht in den Reflexionen, die ihre Figuren über den Heimatkrimi im Allgemeinen und das "Mörderdorf" Oberthanning im Besondern anstellen.

Die Kommissare vergleichen Passagen aus den Büchern mit der (fiktiven) Wirklichkeit, befragen den Verleger nach dem Erfolgsgeheimnis des Genres ("Die Großfamilie ist futsch. Da will der Leser ein wenig Nestwärme zwischen den Zeilen finden") und grübeln über das Verhältnis der beiden Autorinnen nach. "Die eine heißt Berg, und die andere nennt sich di Montagna . . . Die wollte einfach nur vornehmer klingen als die Berg. Heißt aber eigentlich genauso. Und wurde auch noch von einem erschlagen", konstatiert Sascha.

Eine eigene Auffassung über das Verhältnis von Realität und Abbild

Als weitere ironische Brechung kommen die Besuche der ermittelnden Kommissare im "Mörderdorf" Oberthanning hinzu, das Daphne und Ina als Schauplatz ihrer Geschichten dient. Dessen Einwohner machen sich so ihre eigenen Gedanken über das Verhältnis von Realität und Abbild, von Ursache und Wirkung: "Wir kommen uns hier vor wie die Zooviecher", klagt der attraktive Flori über die "Krimi-Touristen", die sein Dorf heimsuchen.

Er fungiert als Vorbild für den "Weiberer" Seppi und wurde von seiner Frau vor die Tür gesetzt. "Getrennt leben wir. Des kommt aa von den Büchern. Weil da ist die Lisl nämlich narrisch worden, wie die gelesen hat, mit wem ich angeblich schon alles im Bett oder beziehungsweise im Heu gelegen bin." Gegen Daphne und Ina hegen die Oberthanninger vielfältige Ressentiments. "Wenn des kein anderer gemacht hätte, dann wär ich der blöden Kuh an die Gurgel. Und ich bin ned der Einzige hier, der wo dran denkt hat", bringt Flori die Gefühlslage der Bewohner auf den Punkt.