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CSU:Söder feiert Geburtstag im Haifischbecken

Zwei, die sich nichts schenken: Horst Seehofer (links) gratuliert Markus Söder auf der Feier zum 50. Geburtstag.

(Foto: Facebook)

Auf seiner Party zum 50. richtet Markus Söder eine Liebeserklärung an die CSU-Fraktion. Horst Seehofer hingegen bedankt sich vor allem bei Karin Söder.

Von Wolfgang Wittl, Bad Staffelstein

Der erste Witz geht auf Kosten des Jubilars, allerdings von einer politisch unverdächtigen Person. "Ich hab gesagt: Um 21 Uhr sind alle Freunde Söders da", scherzt Wolfgang Krebs, der Kabarettist. Tatsächlich ist der Saal, in dem der bayerische Finanzminister mit der CSU-Landtagsfraktion seinen 50. Geburtstag feiern will, um 21 Uhr völlig leer. Erst eine Dreiviertelstunde später trudeln die Gäste ein, das Abendessen hatte länger gedauert. Alle, die warten mussten, werden dafür mit einer Aufführung entschädigt, die so nur die CSU liefern kann. Denn was sich offiziell Söders Geburtstagsempfang nennt, ist in Wahrheit ein Potpourri von offenen und versteckten Gemeinheiten. Oder, wie ein CSU-Mann hinterher sagen wird: "Ein Geburtstag im Haifischbecken."

Die beiden größten Fische, das sind Söder und Horst Seehofer. Wenn sie ihre Mundwinkel nach oben ziehen, dann lächeln sie sich nicht an, sondern zeigen sich die Zähne. Söder hat an diesem Dienstagabend bei der Klausur im Kloster Banz das Hausrecht. Er begrüßt Fraktionschef Thomas Kreuzer und dann erst - ein erster kleiner Affront - den Ministerpräsidenten. Dann betont Söder mit gutem Recht, eine Person im Raum sei noch wichtiger als der Regierungschef, seine Frau Karin.

Seine Liebeserklärung widmet er seltsamerweise aber nicht seiner Frau, sondern allein der Fraktion, die Söder als seine Machtbasis betrachtet. Stolz empfinde er, der "besten Landtagsfraktion" Deutschlands anzugehören. Sie sei seine "politische Heimat", "Herzkammer", "Zentrum" und "Rückgrat der Partei". Den Abend sehe er als "Referenz an die Fraktion".

An Seehofer richtet Söder ein "herzliches Dankeschön", obwohl "wir beide es uns ja nicht immer in jeder Phase des Lebens brutal leicht" machen. Er wisse zwar noch nicht, was Seehofer gleich sagen werde, "aber das wird schon passen". Und wenn nicht, dann bleibe ja immer noch der Überraschungsgast Wolfgang Krebs, der als Dreifaltigkeit der CSU auftreten soll: Stoiber, Seehofer, Söder. Krebs, so stichelt Söder, werde dem Publikum die "wahre Ansprache" Horst Seehofers darbieten.

Zuvor aber ist das Original an der Reihe. Er habe nicht wirklich damit rechnen können, "dass ich die Gunst von dir erfahre, zu reden", kokettiert Seehofer, obwohl Söders Freunde von nichts anderem ausgegangen waren. Zum Vergleich: Auch als Innenminister Joachim Herrmann unlängst seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, sprach Seehofer. Seine Rede begann er da mit den Worten, Herrmann sei ein "grundanständiger Kerl". Seehofer saß damals auch am Tisch mit Herrmanns Familie. Beim Essen mit Söder mied er einen Platz in dessen Nähe, wie in der CSU beobachtet wurde: "Kühler geht es nimmer", sagt einer.

Die Wahrnehmung passt zu zwei Szenarien, die in den Hinterzimmern von Banz gerade durchgespielt werden, wenn es um Seehofers Ankündigung geht, den Parteivorsitz abzugeben. Die einen sagen, Söder werde auf jeden Fall antreten, sogar gegen einen Kandidaten, der von der Parteispitze um Seehofer vorgeschlagen werde. Andere behaupten, Söder kneife, weil er es bestimmt nicht wage, die Partei vor den Wahlen vor eine Zerreißprobe zu stellen. Immer mehr sind indes der Ansicht, Seehofer werde als Parteivorsitzender weitermachen. Gestützt wird die These dadurch, dass Seehofer in Markus Blume soeben einen zweiten Generalsekretär berufen hat.

Sein Satz vom "grundanständigen Kerl" ist in Banz jedenfalls nicht zu hören. Stattdessen sagt Seehofer zu Söder: Wie immer habe die Staatskanzlei eine Rede vorbereitet, sie sei "aber so humorvoll und hintersinnig, dass ich sie nicht verwende". Er danke Söder für seine Leistungen für den Freistaat und die CSU ("wirklich von Herzen"), noch mehr aber danke er Söders Frau: "Ich bilde mir ein, dass ich den Markus besonders gut kenne, und deshalb haben Sie heute eine besondere Anerkennung verdient." Er wisse, dass sie einiges aushalte.

Nicht alle im Raum können darüber lachen. Der Wahrheit am nächsten kommt vermutlich der Kabarettist Krebs. Alias Söder erinnert er daran, dass Seehofer einst alle über 60-Jährigen aus dem Kabinett entfernt hat: "Dann bleiben mir noch zehn Jahre. Und die werde ich nutzen, verlasst euch drauf." Alias Seehofer sagt er: Ja, er werde 2018 nicht mehr kandidieren - "aber auch nicht weniger". Fraktionschef Kreuzer überreicht Söder ein Schachspiel von Star Wars, der echte Seehofer verzichtet aus Spargründen auf ein Mitbringsel. Doch am Ende wissen ohnehin alle: Von diesen beiden schenkt sich keiner mehr etwas.

© SZ vom 19.01.2017/infu

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