bedeckt München

Bad Reichenhall:Alle gegen den OB

Herbert Lackner ist Oberbürgermeister in Bad Reichenhall. Ob er 2020 wieder Kandidat sein wird, ist unklar.

(Foto: oh)

Lackner will wieder antreten - aber keiner will ihn nominieren

Von Matthias Köpf, Bad Reichenhall

Kampfabstimmungen sind nicht die Sache von Herbert Lackner. Der Oberbürgermeister von Bad Reichenhall pflegt im Stadtrat einen eher moderierenden Stil, und wenn sich unter den 24 Mitgliedern mal keine deutliche Mehrheit abzeichnet, dann lässt der CSU-Mann Lackner lieber vertagen als abstimmen. Allerdings kommt es in Reichenhall häufiger vor, dass sich nicht alle einig sind. Und so wird vieles eben nicht so bald oder gar nicht entschieden. Vor allem deswegen sind sich inzwischen fast alle Reichenhaller Lokalpolitiker außer Lackner in einem doch wieder einig: Vier Gruppierungen aus dem Stadtrat haben für die Wahl 2020 einen gemeinsamen Gegenkandidaten ausgerufen, um Lackner abzulösen. Doch noch ehe sie neulich ihren Coup verkünden konnten, war ihnen der Ortsvorstand der CSU zuvorgekommen und hatte mitgeteilt, "der Reichenhaller Bevölkerung den amtierenden Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner nicht erneut zur Wahl zu empfehlen". Der seit 2006 amtierende Lackner sitzt jetzt ziemlich allein im Rathaus, hat aber seinerseits angekündigt noch einmal zu kandidieren.

Dabei ist nicht einmal auszuschließen, dass Lackner am Ende doch der OB-Kandidat der CSU wird. Denn darüber entscheidet eine Mitgliederversammlung, nicht der Vorstand. Der muss einen Kandidaten vorschlagen und hat sich im März einstimmig gegen den OB entschieden. Vorangegangen ist eine Abstimmung unter den zehn CSU-Räten, von denen sich laut Fraktionssprecher Martin Schoberth neun gegen Lackner ausgesprochen haben. Schoberth soll mit vier anderen Mitgliedern einen neuen Kandidaten suchen, Namen gebe es noch nicht. Schoberth betont, die Entscheidung gegen den eigenen OB sei "keine Hinterhofattacke oder Ähnliches". Vielmehr habe es seit Jahren Gespräche mit Lackner gegeben, ob man nicht dieses oder jenes anders anpacken oder anders kommunizieren könne. Doch immer wieder sei vieles versäumt worden oder versandet, etwa der Bau von Wohnungen oder das Thema Kinderbetreuung. "Wir brauchen nicht einen OB, der schön brav 'Grüß Gott' sagen kann, sondern der anpacken kann", sagt Schoberth, der die Entscheidung gegen Lackner zugleich als "mutig" bezeichnet. Denn der leutselige Händeschüttler und fleißige Grußwortsprecher Lackner ist durchaus beliebt bei vielen Reichenhallern.

Mehr Führung, wie sie sich die CSU von Lackner gewünscht hätte, vermissen manche auch für die Stadtverwaltung. Zugleich hat Lackner auch schon recht hemdsärmelig Entscheidungen gefällt und 2011 Aufträge ohne Stadtratsbeschluss vergeben, was ihm ein Disziplinarverfahren und 2016 eine zehnprozentige Kürzung seiner Bezüge für 18 Monate eintrug. Schon damals tat sich die CSU schwer, ihn zu verteidigen.

Freie Wähler, SPD, Grüne und FDP witterten nun ohnehin die Chance, Lackner mit einem gemeinsamen Kandidaten abzulösen, und haben sich auf den 49-jährigen Boris Bregar geeinigt, der als Vorsitzender des Ski-Klubs gut vernetzt ist. Wenn Bregar es in die Stichwahl schaffe, habe er gute Chancen, sagt SPD-Fraktionssprecher Wolf Guglhör. Schon 2012 musste Lackner um seine Wiederwahl bangen, damals gegen Manfred Hofmeister als Kandidat von Bürgerliste und Grünen. Hinter dem aktuellen Zweiten Bürgermeister hätten sich wieder viele versammeln können, doch Hofmeister wollte auf der eigenen Bürgerliste für den Stadtrat kandidieren, während sich die anderen Gruppen einen völlig neutralen Kandidaten wünschten. Die Bürgerliste geht nun eigene Wege, hat aber bisher niemanden nominiert. Einstweilen belauern sich Lackner und die CSU. Der OB hat sich zu all dem bisher nicht erklärt.

© SZ vom 06.06.2019
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema