Filme werden von Menschen für Menschen gemacht, so ist das seit der Erfindung des Kinos vor nunmehr 130 Jahren. Trotz diverser KI-Gedankenspiele dürfte sich das auch nicht so schnell ändern. Doch Filme von und für Menschen müssen nicht immer über sie sein. Natur- oder Tierdokus beweisen das, die „Nonfiktionale“ in Bad Aibling auch. Vom 12. März an sind in der oberbayerischen Stadt vier Tage lang Filme zu sehen, die unter dem Motto „Mehr als der Mensch“ stehen.
Flora und Fauna stehen also im Mittelpunkt des Festivals, insgesamt 17 Filme werden im Hauptprogramm gezeigt. Los geht es mit dem Dokumentarfilm „Die toten Vögel sind oben“, Sönje Storm sichtet darin den Nachlass ihres Urgroßvaters, eines einfachen Bauern aus Norddeutschland. Dieser sammelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Vögel und Insekten, er fotografierte und präparierte sie. Man möchte fast weinen, sagt ein Wissenschaftler, als er die verborgenen Schätze sieht; viele der gesammelten Tiere seien mittlerweile ausgestorben. Resigniert fragt er: „Wo sind sie geblieben?“

Kulturinitiative gegen Fake News:Lachen für die Wahrheit
„Fun Facts“: Mehr als 200 Kultur-Promis kämpfen mit einem täglichen Nachrichten-Format und wöchentlichen Mixed-Shows humorvoll gegen Fake News und für die Demokratie.
Über den Verbleib einer anderen Tierart wird in Ralf Büchelers Dokumentarfilm „Im Land der Wölfe“ gestritten, Grund dafür ist die Rückkehr der hierzulande lange Zeit als ausgerottet geltenden Wölfe. In „Stille Beobachter“ geht es in ein abgelegenes Bergdorf in Bulgarien, das Publikum lernt diesen Ort aus der Perspektive der dort lebenden Tiere kennen, aus Katzen-, Esel- oder Hundesicht also.
Die meisten in Bad Aibling gezeigten Produktionen liefen bereits auf anderen Festivals, in Leipzig etwa oder auf dem Dok-Fest München. Und genau darum geht es: Die Filme sollen von möglichst vielen Menschen gesehen werden, auch außerhalb der Metropolen und nach ihren Premieren. „Kleine und mittelgroße Filmfestivals leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Filmkultur und zur Sichtbarkeit vielfältiger filmischer Positionen“, teilte erst kürzlich der Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) mit, der die oft ehrenamtlich organisierten Festivals finanziell unterstützt.

Derzeit finden besonders viele davon statt: März und April scheinen in Bayern besonders beliebte Monate für Filmfestivals aller Art zu sein. Die bereits Anfang März eröffnete Kurzfilmwoche Regensburg dauert noch bis 15. März, das Landshuter Kurzfilmfestival geht am 11. März in eine neue Runde. Kurzfilme fristen im regulären Kinoprogramm ein Schattendasein, eine umso größere Bedeutung haben solche Festivals für deren Macher (die oft noch ganz am Anfang ihrer Karrieren stehen). Insgesamt 221 Kurzfilme aus 36 Ländern werden an sechs Tagen in Landshut gezeigt. Auf dem Spielplan stehen Sonderreihen wie „Weibsbilder“, „Lokalrunde“, „Queer Shorts“ oder ein Ü60-Programm, darüber hinaus locken gleich mehrere Preise und stattliche Preisgelder.
Auch in München gibt es im März Kurzfilme im Kino zu sehen – und das bei gleich zwei Festivals. Den Auftakt macht das Kurzfilmfest „Bunter Hund“, das bereits zum 25. Mal stattfindet. Vom 19. bis 22. März werden im Werkstattkino insgesamt 61 internationale Kurzfilme aufgeführt, aus Ländern wie Deutschland, Spanien, China, Kanada oder Südkorea. Wie immer gibt es auch einen Wettbewerb, am Ende wird der mit 500 Euro dotierte Publikumspreis „Hasso“ vergeben.

Bereits am 26. März geht es in München weiter mit Kurzfilmen, dann startet das Kinder- und Jugendfilmfest „Flimmern & Rauschen“ im Gasteig HP8 (und online). Drei Tage lang werden insgesamt 80 Werke von jungen Filmemachern aus München aufgeführt, die jüngsten unter ihnen waren zur Produktionszeit gerade einmal vier Jahre alt, die ältesten sind in ihren Zwanzigern – und auf dem Sprung in die Professionalität. Ähnlich breit gefächert ist das Genrespektrum, neben Animations-, Spiel- und Dokumentarfilmen stehen auch filmische Experimente auf dem Spielplan.
Eines der ältesten Filmfestivals der Republik führt in die oberfränkische Porzellanstadt Selb, dort finden ab 9. April zum 49. Mal die Grenzland-Filmtage statt. Der Festival-Fokus liegt traditionell auf Filmen aus dem osteuropäischen Raum, aufgeführt werden Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Ein Teil des Programms wird auch in der tschechischen Nachbarstadt Aš gezeigt. Wer es filmisch etwas extremer mag, sollte sich das „Hard:Line Film Festival“ in Regensburg vormerken: Vom 16. bis 22. April werden im Ostentor Kino sowie in den Kinos im Andreasstadel Genrefilme jenseits des Mainstreams gezeigt, unter anderem der spanische Hexenfilm „Gaua“ oder die amerikanische Horrorkomödie „Jump Scare“, in der eine weibliche Heavy-Metal-Band auf eine Kannibalen-Familie trifft.

