MeinungVor den KommunalwahlenMehr Mittelfinger-Steinbrück für die Bayern-SPD

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Kommentar von Johann Osel

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Peer Steinbrück (links) war zu Gast bei Fraktionschef Holger Grießhammer während der Winterklausur der Bayern-SPD in Bad Aibling.
Peer Steinbrück (links) war zu Gast bei Fraktionschef Holger Grießhammer während der Winterklausur der Bayern-SPD in Bad Aibling. (Foto: SPD)

Fraktionschef Grießhammer tritt freundlich auf, während die Sozialdemokraten nicht weit entfernt sind von der Fünf-Prozent-Todeszone. Bräuchte es nicht mehr Rampensau, mehr Abteilung Attacke fürs Überleben?

Da sitzen sie also auf dem Podium, SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer und Peer Steinbrück. Die Sozialdemokraten haben den früheren Bundesminister zu ihrer Klausur in Bad Aibling eingeladen. Steinbrück, 79, ist heute Elder Statesman, Steckenpferd Bürokratieabbau. Was gleich auffällt: Er nutzt etwa das dreifache Sprechtempo im Vergleich mit dem bedächtigen Grießhammer.

Irgendwie schimmert durch, was Steinbrück in aktiver Zeit auszeichnete: auch mal Schnodderschnauze, Abteilung Attacke. Und war da nicht das mit dem Stinkefinger? Den zeigte er 2013 als SPD-Kanzlerkandidat auf einem Magazin-Cover. Damals republikweit Gesprächsstoff, wochenlang.

Mehr Stinkefinger-Mentalität bei der SPD im Landtag? Diese Frage stellt sich angesichts ihres Überlebenskampfs. Acht Prozent wies kürzlich der „Bayerntrend“ für sie aus. Und da konnten sie fast noch durchschnaufen, andere Umfragen notierten zuletzt nur sechs Prozent; ganz nah dran an der Todeszone. Im Landtag ist die kleinste aller Fraktionen emsig bei vielen Fachthemen. Mediales Echo dafür? Kaum. Kurzum: Die SPD-Fraktion hat ein Wahrnehmungsproblem.

Holger Grießhammer, seit Sommer 2024 Fraktionschef, genießt einen prima Ruf im politischen München. Freundlich, rechtschaffen, das sagen sie in der Partei über ihn – oft sogar bei der Konkurrenz. Als Malermeister mit Betrieb repräsentiert der Oberfranke zudem etwas, das der SPD verloren geht im öffentlichen Image: Handwerk, Bodenständigkeit, Anpacken.

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Die Politik umschmeichelt es gerne als „die Wirtschaftsmacht von nebenan“, was angesichts von mehr als 210 000 Betrieben im Freistaat nur gerechtfertigt erscheint. Aktuell streiten die Parteien jedenfalls heftig, wer der einzig wahre Fürsprecher des Handwerks ist. Eine Bestandsaufnahme.

SZ PlusVon Johann Osel

Aber ist das die richtige Strategie: ein freundliches Gesicht im Überlebenskampf? Manchmal denkt man zurück an die Zeit von Grießhammers Vorgänger, Florian von Brunn. Der hat es zwar übertrieben mit den Knalleffekten, gefühlt verging kein Tag, an dem er nicht den Rücktritt eines Ministers gefordert hätte. Von Erfolg war die Strategie auch nicht gekrönt, weder extern (Wahldebakel), noch intern (Putsch). Aber, es wurde viel und oft geredet über die SPD.

In Nürnberg können sie gerade studieren, wie viel Sichtbarkeit Querbürsten erzeugen kann. Der OB-Kandidat der SPD, Nasser Ahmed, hat seine Hautfarbe mit dem N-Wort auf einem Plakat thematisiert. Und gibt plötzlich Interviews in der überregionalen Presse. Vielleicht erhält Grießhammer ja von Steinbrück in Bad Aibling ein paar Tipps, in Sachen Rampensau-Qualitäten.

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