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Auszeichnung:Die Sprachwurzel geht an Martina Schwarzmann

'Bairische Sprachwurzel' für Martina Schwarzmann

Martina Schwarzmann war nach der Auszeichnung glücklich und zugleich gerührt: "So viel Lob bekommen vui Leid ned amoi, wenns sterben", sagte sie.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Die Kabarettistin überzeugt die Juroren durch ihr unerschrockenes Bekenntnis zum Bairischen

Von Hans Kratzer, Straubing

Die Kabarettistin Martina Schwarzmann hat am Sonntag auf dem Gäubodenvolksfest die Bayerische Sprachwurzel erhalten. Die Auszeichnung wurde zum 13. Mal verliehen. Die Lobrede auf die Preisträgerin hielt der Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang A. Herrmann. Dem Niederbayern fiel es nicht schwer, den hohen Anforderungen zu genügen, die der Bund Bairische Sprache traditionell an den Laudator stellt. Erstens muss es ein Professor sein, zweitens muss die Lobrede auf Bairisch gehalten werden. Alle 14 Tage sterbe eine Sprache, sagte Herrmann, um so schöner, "wenn man hier in Straubing den Bleschl (die Zunge) no richtig schnalzen lassen kann".

Herrmann rühmte Schwarzmann in dem mit Begrifflichkeiten aus seiner Kelheimer Jugendzeit gespickten Vortrag als "eine Lehrhafte fürs Volk". Die Künstlerin besitze einen entwaffnenden Charme: "Die spielt ned Theater, die ist echt", sagte Herrmann. Sie lebe quasi die bayerische Sprache in der kulturellen Vielfalt Europas. Herrmann zitierte unter anderem den Gelehrten Wilhelm von Humboldt, der die Sprache das "bildende Organ des Gedankens" und die wahre Heimat nannte. Echte Internationalität, so fuhr Herrmann fort, sei die "Verbindung der Heimat mit der Welt", setze also eigene Wurzeln voraus, die in der Sprache gründen. Die Tatsache, dass an bayerischen Universitäten immer mehr Lehrveranstaltungen auf Englisch gehalten werden, bedeutet für Herrmann keinen Widerspruch. Der moderne Universitätsbetrieb richte sich an den internationalen Berufsmärkten aus, sagte er. Wichtiger sei, dass das kulturelle Bekenntnis zu Sprache und Lebensart authentisch bleibe - egal, woher man komme. Auch Martina Schwarzmann sei auf diese Weise über das Bairische eine Weltbürgerin geworden.

Die sprachliche Probe aufs Exempel machte der satirisch ebenfalls nicht unbedarfte Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr, der in seiner Begrüßungsrede gerne das Verb "outen" verwendet hätte, vorsichtshalber aber den Sprachwurzelerfinder Sepp Obermeier um Erlaubnis fragte. Von ihm wurde er augenzwinkernd dahingehend korrigiert, er könne ja stattdessen "zum erkenna geben" sagen. Pannermayr, der sich über Schwarzmanns Auszeichnung in Anspielung auf ihr aktuelles Programm "gscheid gfreid" hatte, merkte noch kritisch an, die Sprachwurzel sei erst dreimal an Frauen vergeben worden, obwohl immer von der "Muttersprach" geredet werde. Gleichwohl lobte er das Wirken des Bundes Bairische Sprache und des soeben mit dem Niederbayerischen Kulturpreis gewürdigten Sepp Obermeier für den Erhalt der heimischen Dialekte.

Obermeier sagte, Schwarzmann habe man schon seit dem legendären Auftritt in der ZDF-Sendung "Nachtstudio" auf dem Radar gehabt. Dort habe sie sich mit fröhlicher Unerschrockenheit einer Debatte mit Philosophen und sonstigen Hochgelehrten gestellt, wobei sie ihre klugen Thesen auf Bairisch vortrug und die bisweilen hochnäsige Herablassung ihrer Mitdiskutanten gelassen ertrug. Bayerische Kabarettisten artikulierten sich als Gäste in TV-Sendungen oft in einem sterilen Standarddeutsch, bedauerte Obermeier. Schwarzmann habe jedoch in jener Sendung das Vergabekriterium für die Sprachwurzel bestens erfüllt, weil sie den Dialekt auf Augenhöhe mit der Standardsprache gehievt habe. Als "Mutter Zivilcourage der bairischen Sprache" habe sie sich bundesweite Akzeptanz erarbeitet. Dies belegen nicht zuletzt die vollen Hallen bei ihren Gastspielen in Nord- und Ostdeutschland.

Martina Schwarzmann gestand im Auditorium des Straubinger Theaters einen Anflug von Rührung ein. "So viel Lob bekommen vui Leid ned amoi, wenns sterben", sagte sie. Auch verriet sie, ihr Mann und sie redeten daheim nur dann Englisch, "im Rahmen unserer Möglichkeiten", wenn die Kinder etwas nicht hören sollen. Auch das Fluchen erfolge auf Englisch, weil sich die Kinder Sentenzen wie "ich glaube, dem ham sie ins Hirn geschissn" schneller als erwünscht aneignen.

© SZ vom 14.08.2017
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