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Ausstellung: "Was kommt nach dem Öl":Nie mehr auftanken, bitte

Leerstehende Tankstellen in Dubai, verlassene Zapfsäulen in der Mongolei - Fotografin Karin Bergdolt fragt sich bei einer Ausstellung in Nürnberg, was nach dem Öl kommt. In Bildern.

Olaf Przybilla

9 Bilder

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Quelle: Karin Bergdolt

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Karin Bergdolt hatte eigentlich in der Tankstelle vor dem Quelle-Haupthaus ausstellen wollen. Es wäre ein überaus prominenter Ort gewesen, denn als die Quellianer das Haus in Nürnberg verlassen mussten, kamen die Fotoreporter. Viel schlechter geeignet aber scheint der jetzige Ausstellungsort auch nicht zu sein, denn wenn man es genau nimmt, ist die leer stehende Tankstelle hinter dem ehemaligen Parkplatz für Quelle-Mitarbeiter möglicherweise sogar der noch bessere Ort für eine Ausstellung mit dem Namen "Ausgetankt".

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Quelle: Karin Bergdolt

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Um sie zu finden, muss man die große Fürther Straße kurz vor dem leer stehenden Quelle-Haupthaus in Richtung eines trostlosen Bahngeländes verlassen. In einer Querstraße im Stadtteil Gostenhof findet sich dann ein Tankstellenrelikt, das seit zwölf Jahren keinen Kunden mehr gesehen hat, es wirkt wie eine pittoreske Skulptur hinter blickdichten Büschen. Wo man früher für Benzin bezahlt hat, entstand das Hot-Spot-Office und dort zeigen derzeit zwölf Künstler ihre Arbeiten. Der Titel der Schau trägt einen Untertitel, der bereits feststand, bevor die Weltöffentlichkeit auf ein Bohrloch im Golf von Mexiko aufmerksam geworden ist. und heute wie ein Fingerzeig wirkt. Er lautet: "Was kommt nach dem Öl?"

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Quelle: Karin Bergdolt

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Karin Bergdolt treibt diese Frage schon seit einigen Jahren um. Bergdolt, geboren in Nördlingen, ist ausgebildete Erzieherin und hat zunächst Kunstpädagogik studiert, bevor sie an der Akademie der Bildenden Künste in München ein Studium der Bildhauerei absolvierte. Für sie sind Tankstellen - wie hier eine in Hilpoltstein - Orte, die durch ihre Verlassenheit und oft auch durch die bestehende Architektur eine besondere Ausstrahlung besitzen. Sie sind Relikt, aber auch Mahnmal und versinnbildlichen für Bergdolt die Frage: Wie kann ein nachhaltiger Lebensstil - tragbar für zukünftige Generationen - aussehen und verwirklicht werden?

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Quelle: Karin Bergdolt

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In Dubai hat sie leer stehende Tankstellen gefunden, ein Bildhauer hätte sie nicht eindrucksvoller in die Landschaft modellieren können.

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Quelle: Karin Bergdolt

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In der Mongolei hat sie verlassene Zapfsäulen fotografiert, die wie Mahnmale wirken.

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Quelle: Karin Bergdolt

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In den USA fand sie aufgelassenen Tankstellen, die in jede Filmkulisse passen würden.

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Quelle: Karin Bergdolt

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Nun stellt sie ihre Fotografien - im Bild eine Tankstelle aus Lengenwang - im Kassenhäuschen hinter dem Quelle-Parkplatz aus, und wenn sie ehrlich ist, sagt sie, ist ihr der Ort an der Grenze zu Fürth beinahe noch zu wenig abgelegen. Eine leer stehende Grenzstation im Oberjoch hat sie mal mit ihrer Kunst bespielt, kurz vor dem Abriss, das war ihr Ding.

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Quelle: Karin Bergdolt

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Ja, was kommt also nun nach dem Öl? Die Künstler der Gruppenschau in der Tankstelle sind klug genug, darauf keine Antworten anzubieten. Überhaupt muss der Besucher mitmachen, um irgendwie weiter zu kommen bei der Fragestellung. Die Münchner Künstlerin Andrea Unterstraßer gibt zu verstehen, dass man sich warm anziehen muss dafür. Sie nennt ihr Projekt "guerilla knitting", es handelt sich um eine Aufforderung an Besucher, mit Strickzeug möglichst alles zu bemänteln, was auf der Tankstelle noch vorhanden ist. Kunst spart Strom und macht Spaß, beim öffentlichen Häkeln sind die Performance-Teilnehmer in Nürnberg aufgefordert, sich zu "weiteren Strickaktionen zu verabreden". Im Bild ein V-Markt in Kaufbeuren

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Quelle: Karin Bergdolt

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Einen ganz ähnlichen Ansatz wählt die Künstlerin Mona Burger, ihr Beitrag heißt "Die ersten Airbags sind bereits ausgestiegen". Burger hat aus Airbags luftige Kleider gestaltet, hübsch anzuschauen, der Stoff stammt aus den Laboren der Autoindustrie. Die Nürnberger Künstlerin Dagmar Buhr hat die Leuchtreklame der ehemaligen Tankstelle um einen Schriftzug erweitert. Er lautet: "in Ersatzteilen schwelgen". Dieser Schriftzug wird bleiben, jedenfalls bis zum Abriss der Tankstelle. Im Bild eine Tankstelle aus Ehrwald.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 26. August am Tankstellenrelikt in der Adam-Klein-Straße/Ecke Mendelstraße, Nürnberg-Gostenhof.

© sueddeutsche.de/ffu

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