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Ausflugstipps:Unspektakulär, aber nicht ohne Reiz

SZ-Karte

Westmittelfranken ist eine ausgesprochen ruhige Ecke, und doch überrascht die Region mit einem der schönsten Museumsbauten Bayerns

Die Region um den Hesselberg gehört zu den ruhigsten in Bayern. Große Verkehrsadern sind weit entfernt, wer es unaufgeregt mag, ist dort ganz gut aufgehoben. Die Landschaft im sogenannten Westmittelfranken passt sich dieser Lage an, sie ist unspektakulär, aber nicht reizlos. Auf der Fahrt zum Hesselberg macht das Navi mitunter merkwürdige Ansagen, es führt über erstaunliche Wege, aber das muss ja nicht schlecht sein. Andererseits muss man erst mal in den südlichen Teil des Landkreises Ansbach kommen, einfach so fährt da kaum einer vorbei. Früher war von der Region wenigstens noch in der Radiowerbung zu hören, "in Wassertrüdingen am Hesselberg" stehe ein Möbelhaus, hieß es da immer. Seither? Schwierig.

Für den Neubau eines Museums, noch dazu mitten auf der grünen Wiese, sind das alles keine perfekten Bedingungen. Im Ruffenhofener "Limeseum" haben sie es trotzdem gewagt. Es wäre zu rosarot gezeichnet, würde man behaupten, das Museum würde von Massen gestürmt seit der Eröffnung. Beim Thema "Limes" hatte das aber auch keiner erwartet. Und doch bereut den Neubau wohl kaum jemand, auch wenn er fürs Budget der kleinen Orte ringsherum zur besonderen Herausforderung geriet. Dafür dürfen sie nun stolz auf einen der schönsten Museumsneubauten der vergangenen Jahrzehnte in Bayern sein.

Momentan beschäftigt sich das Haus in einer Sonderschau mit "Einblicken in den Wirtschaftsraum am Raetischen Limes", es geht um römisches Münzwesen, um die Soldlieferung aus der Provinzhauptstadt, den Handel mit Geschirr und feinen Stoffen und um römische Speisesitten. Aber im Grunde ist es im Limeseum wie in einem guten Sportstadion. Was da gerade genau geboten wird, ist manchmal gar nicht so entscheidend. Wichtig ist der Bau an sich.

Wer danach noch Lust auf Kultur hat, besucht das Pinselmuseum in Bechhofen. Scheint die Sonne, ist ein Besuch an der Wörnitz bei Wittelshofen aber mindestens so empfehlenswert. Dort ist ein Biergarten, angegliedert an die "Wörnitz Stuben". Es gibt doofe Übertreibungen, das Wort vom "Wohnzimmer der Franken" ist auch eine. Aber irgendwie stimmt es schon. In Nordbayern gibt es wenig vergleichbar schöne Flussbiergärten mit Hügelblick.

Mindestens im Sommer lohnt dann noch ein Abstecher über die nahe Landkreisgrenze. Da ist der Altmühlsee, was schon mal gut ist. Und dort kann man auch, im Örtchen Muhr am See, Theater-Festspielen beiwohnen. Es gibt größere Freiluftspiele in Bayern, mit Wunsiedel etwa wird Muhr nie mithalten können. Dafür sitzt man dort von Juni an ziemlich nah am See dran, auch nicht schlecht. Danach geht's noch zum Essen ins Fachwerkstädtchen Gunzenhausen, dort tafelte schon Goethe. Auf der Rückreise aus Italien kehrte er im Juli 1788 in der "Post" ein.