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Ausflugstipps:Das Häuschen der Schwemmer Rettl

Grafik-SZ

Das Nürnberger Land bietet viel Historisches: vom Grauen durch die Nazis über eine keltische Wehranlage bis zum Zuhause einer alten Dame

Wieder mal muss die Schweiz herhalten als Vergleich, auch wenn die Berge in der Hersbrucker Schweiz ungleich niedriger sind als jene in dem kleinen Alpenstaat. Das Wandern bietet sich allerdings auch in der idyllischen mittelfränkischen Version an, gibt es doch rund um das Pegnitztal zahlreiche Wanderwege. Hersbruck im Landkreis Nürnberger Land könnte der Ausgangspunkt sein, dort steht nicht nur das deutsche Hirtenmuseum, sondern bald auch eine kleine Gedenkstätte für das Konzentrationslager, von dem allerdings kein Stein übrig geblieben ist. Ende Januar soll der neue Informationsort eröffnet werden. Wer mehr über das ehemalige Lager wissen will, kann eine Führung beim Verein "Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck" buchen. Informationen im Internet: www.kz-hersbruck-info.de.

Unweigerlich führt der Weg dann auch in den Nachbarort Happurg, wo die Häftlinge Stollen in die Houbirg graben mussten. Diese können nicht besucht werden, der Berg aber dennoch erklommen. Dessen Geschichte reicht noch viel weiter zurück als in die Nazi-Zeit. Auf dem mehr als 600 Meter hohen Gipfel finden sich die Reste einer keltischen Wehranlage, die einmal zu den größten in Süddeutschland gehört haben soll. Etwas unterhalb liegt der Hohle Fels, eine Karsthöhle, wo schon in der Steinzeit Menschen gesiedelt haben sollen. Oder möglicherweise einen Stopp bei Jagdausflügen einlegten, zumindest fanden sich in der Höhle allerhand Überreste von Tieren ebenso wie von Waffen und Gefäßen.

Der Blick über die Landschaft fällt auf den Happurger Stausee, der in den Fünfzigerjahren gebaut wurde und im Sommer Surfer und Segler anzieht. Baden ist nicht erlaubt, dafür gibt es einen Baggersee in der Nähe. Oder die Fackelmann-Therme in Hersbruck, die sich mit all ihren Saunen im Winter eher anbietet.

Etwas südwestlich liegt Engelthal, das ehemalige Klosterdorf. Interessierten hilft wiederum ein Verein (www.engelthal.de) und dann sperrt Heini Liebel bei einer Führung entlang der Klostermauer vielleicht sogar das Osttor auf, das als eines von zwei Toren noch erhalten ist. Über eine schmale Holztreppe geht es hinauf in das Häuschen, in dem bis in die Siebzigerjahre die Schwemmer Rettl wohnte, erzählt Liebel. Ohne fließend Wasser und Toilette, bis zum Schluss, und noch heute sieht es so aus, als wäre die alte Dame nur kurz vor die Tür gegangen. In der winzigen Küche steht ein gemauerter Herd, an der Wand hängt noch der Blasebalg. In der Stube ein Kachelofen und davor die Bank. Aus den Fenstern links und rechts ist das Dorf gut im Blick, wer einkaufen geht und wer hinausfährt. Was nun geschehen soll mit dem Osttor, muss noch entschieden werden. Der letzte Besitzer schenkte das Haus dem Verein.