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Ausbau des Hauptbahnhofs:Unterirdische Planung in Augsburg

Bahn will Lokführergewerkschaft neues Angebot machen

Ein Reisender im Augsburger Hauptbahnhof

(Foto: dpa)

Teure Planungsmängel: Der Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs dauert mindestens drei Jahre länger als bislang geplant - und kostet deutlich mehr als die veranschlagten 117 Millionen Euro. OB Gribl muss Fehler eingestehen.

Der Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs dauert mindestens drei Jahre länger als bislang geplant. Die Fertigstellung ist nun für 2022 vorgesehen. Alleine die Kosten für die Untertunnelung des Areals mit einer Straßenbahnlinie und Haltestelle steigen um mehr als 20 Prozent auf voraussichtlich 143,5 Millionen Euro. Auslöser dieser Verzögerung und Verteuerung sind Planungsmängel sowohl seitens der Deutsche Bahn AG als auch der Stadtwerke Augsburg (SWA).

"Es gab Qualitätsdefizite und Kapazitätsengpässe", räumte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) am Donnerstag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz ein. Obwohl die Untertunnelung des Bahnhofs längst läuft, trennte sich die SWA im Sommer vom bisherigen Planungsbüro. Allem Anschein nach musste der neue Geschäftsführer der Stadtwerke, Walter Casazza, die Notbremse ziehen, um das Großprojekt nicht komplett gegen die Wand fahren zu lassen.

Ziele sind nicht machbar

Die Aufrüstung des Bahnhofs ist das Herzstück des Großprojekts "Mobilitätsdrehscheibe", mit dem die Stadt den öffentlichen Personennahverkehr für den Großraum Augsburg attraktiver machen will. Ziel ist es, das städtische Tram- und Busnetz eng mit dem Bahnverkehr zu verzahnen. Ursprünglich waren die Kosten auf 70 Millionen Euro beziffert worden, diese Summe wurde später auf 117 Millionen korrigiert. Die Inbetriebnahme war für spätestens 2019 geplant. Kritiker warnten seit Jahren, dass diese Ziele nicht machbar sind. Die Stadtoberen ihrerseits betonten stets, der Zeitplan sei einzuhalten. Jetzt rudern sie erstmals offiziell zurück.

Auslöser dieses Meinungsumschwungs ist ein Gutachten, das SWA-Chef Casazza im Sommer in Auftrag gegeben hat. Dieses kam zum Ergebnis, dass sowohl die Kosten- als auch die Zeitplanung "zu optimistisch" waren, wie es Casazza formulierte.

Staatliche Zuschüsse müssen bleiben

Die Verzögerung ist nicht nur für die zahlreichen Pendler ärgerlich, sondern könnte Stadt und Stadtwerke noch vor ein finanzielles Problem stellen. Denn bislang hieß es von Seiten der Stadt stets, das Projekt müsse bis 2019 fertiggestellt sein. Andernfalls gehe ein großer Teil der staatlichen Zuschüsse verloren und müssten aus eigener Tasche bezahlt werden. Diese Gefahr sehen OB Gribl und SWA-Chef Casazza nun nicht mehr. "Es muss eine Anschlussfinanzierung geben", betonte Gribl, "das ist bundesweit Konsens, weil auch viele andere Städte dies benötigen." Es gebe bereits Signale aus der Bundes- und Landespolitik, dass das relevante Fördergesetz über 2019 hinaus verlängert werde.

Selbst wenn dies so kommt, müssen Stadt und Stadtwerke durch die Verzögerung erhebliche Mehrkosten einplanen: Bislang waren sie von einem Eigenanteil in Höhe von etwa 25 Millionen Euro ausgegangen. Nun kommen 16 weitere Millionen hinzu.

Die Deutsche Bahn ihrerseits nimmt weitere 130 Millionen Euro in die Hand, um die altehrwürdige respektive überalterte Bahnhofs-Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Bis der drittgrößte Bahnhof Bayerns komplett modernisiert ist, wird es allerdings noch viele weitere Jahre dauern, wie Axel Boß von der DB Netze AG ankündigte: Die Renovierung der Bahnsteige und der Dächer werde überhaupt erst frühestens im Jahr 2022 in Angriff genommen. Boß: "Über den Zeitpunkt der Fertigstellung kann ich keine konkrete Aussage machen."