Marionettentheater Augsburger Puppenkiste inszeniert Wagners Ring des Nibelungen

Auch im Puppentheater wird gestorben: Hagen ersticht Siegfried, dann den Bruder Gunther, während Brünnhilde hoch zu Ross ins Feuer reiten will.

(Foto: Stefan Puchner)

Mit einer Laufzeit von etwa 16 Stunden zählt "Der Ring" zu den umfangreichsten Bühnenwerken überhaupt. Nun gibt es eine Miniatur-Version mit den Marionetten.

Von Anton Rainer

Wann immer man an Richard Wagners überdimensioniertes, gigantomanisch vierteiliges Opernwerk denkt, stellt man sich unweigerlich die Frage, ob dieser "Ring des Nibelungen" überhaupt für die Bühne gemacht wurde. Es reicht ja nicht nur, dass man exzellente Sänger und Sängerinnen finden muss, die während der 16-stündigen, auf vier Abende verteilten Tour de Force nicht schlappmachen. Nein, man braucht ja auch noch ein Publikum, das diesen Wahnsinn mitmacht.

In Bayreuth findet man es natürlich. Dort, bei den berühmten Festspielen, wo Richard Wagner seinen "Ring" im Jahr 1876 uraufführen ließ, kommen noch immer jährlich Tausende zusammen, um sich die Nächte mit Siegfried, Brünnhilde und der lieben Götterschar um die Ohren zu schlagen. Dann, nach vier mal vier Stunden Oper, wird kräftig applaudiert (in der Regel fürs Orchester) und laut gebuht (in der Regel für den Regisseur), während sich der gemeine Bürger fragt, was dieser ganze Zauber eigentlich soll.

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"Es muss einen nicht wundern", sagt Klaus Marschall, "dass viele Menschen vor dem Ring ein bisschen Angst haben und glauben, ihn niemals zu verstehen." Marschall ist Leiter der Augsburger Puppenkiste und hat sich zum 70-jährigen Bestehen seines Marionettentheaters einer besonderen, fast unmöglichen Aufgabe angenommen: Klaus Marschall hat einen Riesen geschrumpft.

Sein Puppentheater, das den "Ring des Nibelungen" vom heutigen Freitag an zeigt, braucht für den 16-stündigen Opernzyklus gerade mal zwei Stunden. "Wir wollten die Geschichte auf ihren Kern herunterbrechen", sagt Marschall, "wer unseren Ring sieht, weiß danach, worum es geht." Die Augsburger Puppenkiste sieht sich mit ihren Kurzversionen als eine Art "Heranführungstheater", das den noch zu begeisternden Opernfan mit einem konzentrierten Best-of für die großen Bühnen vorbereiten will. So war es in den vergangenen Jahren bei "Die kleine Zauberflöte", und "Don Giovanni": Die Puppenkiste brachte statt schwerer Oper eine Art "Königs Erläuterungen". Arien für Anfänger quasi.

Regisseur Florian Moch, der für den Augsburger "Ring" auch die Marionetten und Kostüme gestaltet hat, ist freilich nicht der erste, der Wagners Werk einer derartigen Kürzung unterzieht. Katherina Wagner, die Urenkelin des Komponisten, hat den Zyklus auf sieben Stunden zusammengekürzt, die deutsche Dramaturgin Dagmar Borrmann spielt den kompletten "Ring" in nur 80 Minuten - mit Playmobilfiguren. Wie viel bleibt bei solchen Projekten noch von Wagner übrig?

"Der Inhalt bleibt", sagt Klaus Marschall, beim Rest habe man den Rotstift angesetzt. Die Arien sind also rausgefallen, ebenso die Chorszenen, die zwölf Walküren und die drei Nornen, das sind weise Frauen, die am Weltgeschehen flechten - "die erzählen eh nur die Vorgeschichte". Übrig bleiben 22 teils prominent besetzte Sprechrollen: Unter anderem Bela B. von den Ärzten und Oliver Kalkofe leihen den feingliedrigen Marionetten ihre Stimme. Die Sprache wurde dabei ebenso modernisiert wie die Musik, die der Opern- und Filmkomponist Enjott Schneider nach Wagner-Motiven bearbeitet hat. "Wir sehen Wagner wie eine Art Filmmusik", sagt Marschall, "der Wiedererkennungswert ist gewährleistet." Wer den "Ritt der Walküren" in erster Linie von den Hubschrauberangriffen in "Apocalypse Now" kennt, wird sich bei dieser Interpretation wohl fühlen.

Im Spielplan der Puppenkiste soll der "Ring" nun für mehrere Jahre bleiben. "Der Andrang ist groß", sagt Marschall, bereits vor der Premiere sind sämtliche Aufführungen ausverkauft. In dieser Hinsicht muss die Puppenkiste den Vergleich mit Bayreuth schon mal nicht scheuen.

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