Augsburger Allgemeine Zeitung wollte angeblich Auftritt von Ex-Chef verhindern

Eine Diskussion über die US-Wahl plante die IHK Augsburg, doch offenbar hatte die "Augsburger Allgemeine" ein Problem mit den Gesprächspartnern. Die Zeitung soll die IHK gedrängt haben, die Veranstaltung abzusagen. Weil ihr Ex-Chefredakteur auf dem Podium sitzen sollte?

Von Stefan Mayr

Die Pressefreiheit. Seit dem jüngsten Versuch eines CSU-Sprechers, per Telefonanruf auf das Programm des ZDF Einfluss zu nehmen, wird die Pressefreiheit in Deutschland wieder emsig beschworen. Freie Medien als hohes, schützenswertes Gut der Demokratie. Als Garanten der Meinungsvielfalt und wichtige Kontrollinstanz, die den Mächtigen auf die Finger schauen.

Allerdings soll es auch Verlage geben, die ihre Macht nicht im Sinne der Demokratie einsetzen, sondern vor allem für ihre eigenen Geschäftsinteressen und Machtpolitik. Eine sehr eigenwillige Interpretation der Pressefreiheit legte jüngst die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) an den Tag: Chefredakteur Walter Roller soll versucht haben, eine Diskussionsveranstaltung des Presseclubs, der Universität und der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu verhindern.

Nach übereinstimmenden Berichten von Vertretern der Universität Augsburg und des Presseclubs hat die AZ massiv Druck auf die IHK ausgeübt, den Gesprächsabend über die Präsidentenwahl in den USA abzusagen. Angeblich hatte die Verlagsleitung ein großes Problem mit dem Gespräch, weil auf dem Podium ihr ehemaliger Chefredakteur Markus Günther saß, der Ende 2011 überraschend gefeuert worden war.

Die Intervention beschäftigt in der Stadt Wissenschaftler, Politiker, Medienschaffende und Wirtschaftsvertreter. Sie fragen sich: Versucht die Lokalzeitung, öffentliche Auftritte ihres einstigen Chefs zu verhindern? Ein schwerer Vorwurf, denn würde sie dieses Ziel erreichen, käme das für einen Journalisten einem Berufsverbot gleich.

IHK-Sprecherin Natascha Zödi-Schmidt bestätigt, dass sie vor der Veranstaltung ein Telefongespräch mit AZ-Chefredakteur Walter Roller hatte. Dabei sei aber "in keinster Weise" Druck ausgeübt worden. Zödi-Schmidt bestätigt auch, dass die IHK die Diskussionsrunde absagen wollte. Allerdings nicht wegen des Telefonats, sondern wegen der wenigen Anmeldungen.

Letztlich wurde die Veranstaltung kurzfristig von der IHK-Zentrale in das Bildungszentrum auf dem Uni-Campus verlegt. Vor Beginn der Diskussion gab es unter den 60 Zuhörern nur ein Gesprächsthema: Die vermeintliche Intervention aus dem Hause AZ. "Die IHK hat sich offensichtlich unter Druck gesetzt gefühlt", sagte der Vorsitzende des Presseclubs zur Begrüßung. "Das ist die Umkehr dessen, was dem ZDF passiert ist, eine Monopol-Zeitung soll solchen Machtmissbrauch tunlichst vermeiden."

"Wenn es diesen Druck gab, dann ist das ein empörender Eingriff in die Wissenschafts- und Redefreiheit", sagt Geschichtsprofessor und Mitorganisator Philipp Gassert. Er findet es auch "überraschend und bedauerlich", dass die Zeitung die Veranstaltung weder ankündigte noch darüber berichtete, obwohl neben Ex-Chefredakteur Günther auch der anerkannte Heidelberger USA-Experte Tobias Endler auftrat.

Markus Günther äußerte sich ebenfalls erstaunt: "Dass jemand ein Auftrittsverbot gegen mich verhängen will, kann ich genauso wenig glauben, wie dass sich Menschen mit Rückgrat solchen Allmachtsfantasien beugen würden."

AZ-Chefredakteur Walter Roller bezeichnet den Vorwurf der Einflussnahme als "völlig absurd". Es habe zwar ein Telefonat mit der IHK gegeben, "aber darin war nie die Rede davon, dass wir eine Absage wünschen". Worüber stattdessen gesprochen wurde, verrät Roller allerdings nicht.