Mit der Zielvorgabe, etwas bis zum Jahr 2040 zu schaffen, haben sich schon ganz andere verhoben. Die Staatsregierung zum Beispiel will ja bis dahin ein klimaneutrales Bayern schaffen, irgendwie, vielleicht auch nicht, aber trotzdem schon, auf jeden Fall ein bisschen. Jetzt nimmt sich ausgerechnet die Grüne Jugend in Augsburg Zeithorizonte der CSU zum Vorbild, und der Hintergrund ist „wegweisend“, wie es in einer Pressemitteilung heißt: Die Grüne Jugend will die Tierhaltung in Augsburg bis 2040 beenden, den Zoo schließen und das Gelände stattdessen in eine moderne Bildungseinrichtung für Tier- und Naturschutz verwandeln.
Das dürfte in etwa genauso realistisch werden wie die Klimaneutralität. Unabhängig davon, dass der Augsburger Zoo ja eine moderne Bildungseinrichtung für Tier- und Naturschutz ist. Die Grüne Jugend jedoch erkennt darin ein „Relikt des 19. Jahrhunderts“. Der direkte Schutz natürlicher Lebensräume, argumentieren die Nachwuchspolitiker, wäre effektiver, als Wildtiere gefangenzuhalten. Der Wechsel in der Geschäftsführung im nächsten Jahr sei ein geeigneter Zeitpunkt für den Anfang vom Ende des Zoos.

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Zumindest dürfen sich die jungen Grünen freuen, ein gewaltiges Echo ausgelöst zu haben. SPD und CSU in der Stadt verweisen auf internationale Artenschutzprogramme, für die sich der Zoo einsetzt. Und auf die 700 000 Besucher pro Jahr. Die ÖDP kritisiert den Populismus und fordert, dass „Fundamentalkritik am Zoo“ aufhören müsse. Zumal sich der Zoo kontinuierlich weiterentwickle, um „modernen hohen Standards an den Tierschutz“ zu entsprechen.
Und auch die Augsburger Stadtratsfraktion der Grünen sieht sich zur Schadensbegrenzung bemüßigt. Ein paar mehr Stimmen als die der Hardcorefans wollen die Grünen ja doch abgreifen bei der nahenden Kommunalwahl. Die Grünen, heißt es also in einer Stellungnahme, die einem dialektischen Spagat gleichkommt, bekennen sich zum Zoo, auch wenn er kritisch begleitet werden müsse.
Eine tierschutzgerechte Abgabe aller Tiere innerhalb einer Übergangsfrist von 15 Jahren sei ohnehin unrealistisch, kritisiert die ÖDP noch. Die Grüne Jugend in Augsburg hätte gerne „artgerechte Reservate, spezialisierte Auffangstationen oder Lebenshöfe“, in denen all die Löwen, Vögel, Elefanten und sonstigen Augsburger Tiere untergebracht werden. Vielleicht hat ja der Direktor des Nürnberger Tiergartens Zeit, dem grünen Nachwuchs zu erläutern, wie schwierig es allein ist, ein paar Paviane angemessen auszuquartieren.

