Das Urmel hat es nicht leicht, es klagt über Bauchschmerzen, weil es zu viel Kokosnusseis gegessen hat. Aber Tee will das Urmel nicht trinken, es hat ein viel bessere Idee: Es will eine Geschichte hören, vom Ritter Urmel und der Schweinefee.
Das Urmel und die Augsburger Puppenkiste werden manchmal „fast gleichgesetzt“, sagt Florian Moch, Autor, Regisseur, Puppenbauer und Puppenspieler des Theaters. Das Urmel von Autor Max Kruse ist gemeinsam mit dem Kasperl wahrscheinlich die bekannteste Figur der Puppenkiste. Dabei ist das Urmel vor allem aus den Fernsehproduktionen bekannt, auch wenn das schon lange her ist. 1974 hat die Puppenkiste zuletzt eine Urmel-Geschichte verfilmt, damals für den Hessischen Rundfunk. Und jetzt veröffentlicht Moch mit „Max Kruse: Urmel und die Schweinefee“ nach mehr als 50 Jahren wieder einen Kurzfilm.
Der Clip ist Teil einer Serie, die Regisseur Moch produziert: Unter dem Titel „4 Streams bis Weihnachten“ veröffentlicht die Puppenkiste auf ihren Social-Media-Kanälen, unter anderem auf Youtube, vier neu produzierte Kurzfilme im Internet, mit prominenten Erzählern wie Bela B, bekannt als Schlagzeuger und Sänger der Band Die Ärzte, der bereits mehrfach mit der Puppenkiste zusammengearbeitet hat. Auch die „Tatort“-Schauspielerin Mechthild Großmann ist wieder dabei, genau wie die Schauspielerin und Autorin Sabine Bohlmann. Kabarettist Torsten Sträter spricht in der Urmel-Geschichte das erste Mal eine Rolle für das Augsburger Puppentheater. „Wir möchten mit der Webserie an die Advents-TV-Mehrteiler der Puppenkiste anknüpfen“, sagt Puppenkisten-Chef Klaus Marschall.
Zuletzt in den Neunzigern liefen regelmäßig TV-Mehrteiler der Puppenkiste an den vier Adventssonntagen. „Uns erreichen viele Anfragen, mal wieder etwas Neues im Fernsehen oder Internet zu machen und damit überregional präsent zu sein“, sagt Produzent Moch. Er meint Fans der Puppenkiste, die das Theater vor allem aus dem Fernsehen kennen. Vier Geschichten, die er umsetzen wollte, waren schnell gefunden, die Kurzclips dauern jeweils fünf bis neun Minuten und sollen, ganz in der Tradition der Puppenkiste, nicht nur Kinder unterhalten, sondern auch Erwachsene.
Vor allem der Kurzfilm für den dritten Adventssonntag ist ohnehin kein klassischer Kinderstoff: „Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberlehrling“, erzählt von Mechthild Großmann, das muss man erst einmal herunterbrechen, sodass Kinder etwas damit anfangen können. Moch, der schon den Ring der Nibelungen komprimierte und als Puppenspiel für Erwachsene inszenierte, hat ein Händchen für so etwas. Die Zuschauer hören Goethes Originaltext, angereichert mit kindgerechten Kommentaren der Erzählerin.


Die Kurzfilme sind thematisch ganz unterschiedlich, den Auftakt macht „Monsterwetter“ der Autorin Cornelia Funke. Bela B erzählt die lustige Geschichte, bei der in den trostlosen Alltag einer Schulklasse das „Fantastische hereinbricht“, wie Moch sagt. Am zweiten Adventssonntag folgt „Sabine Bohlmann: Morgen bin ich mutig“, die Adaption eines dieses Jahr erschienenen poetisch-verspielten Bilderbuchs, das die Autorin selbst spricht. Es geht um ein Vogelküken, das für so manches etwas länger braucht als seine Geschwister.


„Mit diesem zeitgemäßen visuellen Format setzen wir die typischen, handgemachten Marionetten der Puppenkiste frisch in Szene“, sagt Moch. Gedreht hat er in 4K-Qualität, „da sieht man im Bildmaterial jede Faser an den Haaren“. Man sieht so auch sehr genau, dass die Puppen handgemacht sind. Das Urmel und Wutz im Kurzfilm sind deshalb Nachbauten der Originale, die im Museum der Puppenkiste hängen und denen die Zeit die eine oder andere Spur hinterlassen hat. Für „Morgen bin ich mutig“ hat Moch einige neue Puppen gebaut, bei anderen Geschichten konnte er sich aus dem reichen Fundus des Puppentheaters bedienen.
Das „zeitgemäße visuelle Format“ bedeutet auch, dass Moch dem Puppenspiel einige digitale Effekte gönnt, sparsam eingebaut, am häufigsten noch beim Zauberlehrling, die Geschichte spielt an verschiedenen Orten. „Das hat seinen Reiz, ich probiere gerne neue Sachen aus“, sagt Moch über die vier kleinen Appetithappen der Puppenkiste für die Vorweihnachtszeit.
Die vier Kurzfilme für die Adventssonntage erscheinen auf den Social-Media-Kanälen der Puppenkiste. Den Auftakt am 30. November macht „Cornelia Funke: Monsterwetter. Erzählt von Bela B“. Am 7. Dezember folgt „Sabine Bohlmann: Morgen bin ich mutig. Erzählt von der Autorin“. Am 14. Dezember erscheint „Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberlehrling. Erzählt von Mechthild Großmann“. Den Schlusspunkt setzt am 21. Dezember „Max Kruse: Urmel und die Schweinefee. Erzählt von Torsten Sträter“.


