JU-Landesversammlung:Söders One-Man-Show ohne Frauenquote

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JU-Landesversammlung: Pateichef Markus Söder (links) und der JU-Vorsitzende Christian Doleschal ziehen in Augsburg gemeinsam in den Sitzungssaal ein.

Pateichef Markus Söder (links) und der JU-Vorsitzende Christian Doleschal ziehen in Augsburg gemeinsam in den Sitzungssaal ein.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Vor einem Jahr hat CSU-Chef Markus Söder bei der Jungen Union eine dunkle Stunde erlebt. Diesmal erklärt er die Debatte über den Geschlechterproporz für beendet und erntet viel Beifall von der Parteijugend.

Von Andreas Glas, Augsburg

Der Tontechniker hat die Hand am Regler, unterm Mischpult trippeln nervös seine Turnschuhe. Er wird gleich die Tonspur setzen für diesen Sonntag in Augsburg, für die Landesversammlung der CSU-Parteijugend. Welche Einmarschmusik hat sich die Regie diesmal überlegt für Markus Söder? Beim letzten Mal, Herbst 2021, haben sie ACDC gespielt, "TNT". Damals war die Zündschnur in der Jungen Union (JU) gefährlich kurz, die Geduld mit ihrem Parteichef strapaziert. Und nun, Herbst 2022? Der Tontechniker fährt den Regler nach oben. Aha, schon wieder: TNT.

Söder marschiert in den Saal, die Delegierten klatschen, so weit alles friedlich. Am Rednerpult bedankt er sich für die Musikauswahl, der CSU-Chef hat offenbar Schlimmeres befürchtet, "Highway to hell", sagt Söder. Falls er wirklich nervös war, als er nach Augsburg gefahren ist, man könnte es verstehen. Was er bei der JU erlebt hat, 2021 in Deggendorf, gehört zu den dunkelsten Kapiteln seiner Karriere. Nach der verpatzen Bundestagswahl schlug ihm der Zorn entgegen. Die JU war so unzufrieden mit seinem Kurs, dass die Delegierten dafür stimmten, die Formulierung "Zugpferd Markus Söder" aus einem Antrag zu streichen und durch den Wunsch nach einem "Team" zu ersetzen. Einer rief in den Saal: "Die JU hat heute Söders One-Man-Show beendet!"

Ein Jahr später ist die CSU immer noch eine One-Man-Show - und Markus Söder, das Zugpferd, sitzt wieder stabil im Sattel. Um die 40 Prozent in Umfragen, der CSU-Kurs ist wieder deutlich konservativer und weniger grün, viel weniger. Das gefällt der Parteijugend, die sich teils heftig gestört hat an Söders grüner Phase. Alles wieder gut zwischen Parteichef und JU? Die CSU werde "stark geführt", sagt JU-Landeschef Christian Doleschal. Er sagt aber auch, als er Söder ans Pult bittet: Ein Auftritt bei der JU sei immer auch "Gradmesser" für einen CSU-Chef. Ein bisschen kitzeln will man Söder dann doch.

JU-Landesversammlung: 2021 hatten die Delegierten nicht mit Kritik gespart. Dieses Mal war der Beifall für Söder groß.

2021 hatten die Delegierten nicht mit Kritik gespart. Dieses Mal war der Beifall für Söder groß.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Und Söder liefert. Er sagt: "Ich will kein Schwarz-Grün in Bayern und mit mir wird es kein Schwarz-Grün geben." Bayern dürfe nicht zur "Filiale von Berlin" werden, nicht zur "Unterabteilung der Ampel", warnt Söder mit Blick auf die Landtagswahl 2023. Er ruft: "Bayern bleibt Bayern und Bayern will auch selbständig bleiben." Die JU honoriert das. Der Beifall ist groß. Erst recht, als der CSU-Chef überraschend ein Thema beerdigt, das ihn und die Parteijugend gespalten hat: die Frauenquote. "Wir brauchen auch keine weiteren Quoten in der Partei", sagt Söder.

Am Ende drückt ihm JU-Chef Doleschal das Abschiedsgeschenk in die Hand: ein Lebkuchenherz. Selbst die Aussprache zwischen Delegierten und Parteichef bleibt weitgehend konfliktfrei. Ob Söder das Ziel einer absoluten Mehrheit für die CSU aufgegeben habe, will jemand wissen. Für einen Moment blitzt da ein Dissens durch. Söder ist ja stets bemüht, die Latte für die Bayern-Wahl tief zu legen, ohne eine Marke zu nennen. Viele in der JU dagegen wünschen sich, dass er die Ziele selbstbewusster formuliert. Ob das aber "klug ist, da habe ich meine Zweifel", antwortet Söder. Man dürfe den politischen Gegnern nicht die Vorlage liefern, den Ruf der Arroganz zu bedienen, in dem die CSU immer wieder steht.

Dass das Wochenende in Augsburg nicht nur friedlich in Erinnerung bleibt, dafür sorgt ein Mann, der das Höchstalter für eine JU-Mitgliedschaft überschritten hat: Parteivize Manfred Weber, 50, in dem mancher in der CSU denjenigen sieht, der Söder stürzen könnte, sollte die Landtagswahl in die Hose gehen. Am Samstag, Tag eins der JU-Versammlung, ist Webers Rede fast zu Ende, als er noch was loswerden möchte, "nur als Merkposten". Er erinnert an 2008, als CSU-Spitzenkandidat Günther Beckstein "nach der Wahl nicht Ministerpräsident geworden ist", sondern Horst Seehofer. Dass der Spitzenkandidat automatisch Ministerpräsident werde, sei in Bayern "nicht im Wahlgesetz festgeschrieben". Söder, heißt es in der CSU, habe das nicht amüsiert.

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