Neue Ausstellung in AugsburgDie Römer und der Fußball

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Römer, die Fußball spielen? Da hat dann doch die Bildbearbeitung nachgeholfen.
Römer, die Fußball spielen? Da hat dann doch die Bildbearbeitung nachgeholfen. Christoph Sauter / KMA
  • Bei Ausgrabungen am FC Augsburg-Stadion entdeckten Archäologen 2024 Reste einer römischen Siedlung aus dem frühen 1. Jahrhundert mit Gebäuden, Straßen und Gewerbeanlagen.
  • Direkt an der Arena führte ein 40 Kilometer langer römischer Brauchwasserkanal vorbei, der 1000 Liter Wasser pro Sekunde transportierte und bis ins 5. Jahrhundert genutzt wurde.
  • Die neue Ausstellung „Römer am Elfmeterpunkt“ eröffnet am Mittwoch im Zeughaus und zeigt die Verbindung zwischen römischer Geschichte und dem heutigen Fußballstandort Augsburg.
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Die Stadt präsentiert Funde von Ausgrabungen am Stadion des Bundesligisten. Der Verein freut sich und sieht „überraschende Bezüge zwischen der römischen Siedlungsgeschichte und dem Fußballstandort Augsburg“.

Von Florian Fuchs

Nur etwa fünf Prozent der alten Römerstätte Augusta Vindelicum sind bislang freigelegt, schätzt Augsburgs Kulturreferent Jürgen K. Enninger. Es gibt also noch einiges zu entdecken, nicht nur in der Stadt, auch im Umkreis. Schmuck, bunte Glasgefäße, Wein- und Fischsaucen-Amphoren sind auch jetzt wieder zutage getreten, wie auch Reste eines 40 Kilometer langen Brauchwasserkanals der Römer – bei Ausgrabungen im Umfeld des Stadions des Bundesligisten FC Augsburg.

„Römer am Elfmeterpunkt – Was hat der FCA mit Augusta Vindelicum zu tun?“, heißt die neue Ausstellung, die am Mittwoch im sogenannten Römerlager im Zeughaus, der Ausweichstätte für das seit Jahren gesperrte Römermuseum, eröffnet wird. Der FC Augsburg meldet sich auch selbst zu Wort und spricht in einer Mitteilung von „überraschenden Bezügen zwischen der römischen Siedlungsgeschichte und dem Fußballstandort Augsburg“.

Im Stadionbau, wenn auch für andere Spiele, das haben sie zuvorderst mit dem Kolosseum bewiesen, waren die Römer versiert. Dass sich am FCA-Stadion vor den Toren Augsburgs die Römer bereits Bälle aus Schweinsblasen zupassten, das darf man sich als Erkenntnis aus der Ausstellung, die laut Stadt „immer mit einem kleinen Augenzwinkern“ arbeitet, dennoch nicht vorstellen.

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Bei den großflächigen Ausgrabungen im Jahr 2024 fanden die Stadtarchäologen Überreste einer römischen Siedlung, mit mehreren Gebäuden, Straßen und Gewerbeanlagen, also etwa Öfen. Den Erkenntnissen der Forscher zufolge entstanden die überwiegend aus Holz gefertigten Gebäude im frühen 1. Jahrhundert. Demnach wurden in der Siedlung und auf den umliegenden Feldern landwirtschaftliche Güter erzeugt, die zur Versorgung des Augsburger Militärlagers innerhalb der heutigen Stadtgrenzen Augsburgs dienten.

Über Bestandteile der Öfen und Schlacken wiesen die Archäologen nach, dass dort Metall verarbeitet wurde. An einem nahen Bestattungsplatz seien Verstorbene begraben worden. Zerstörungen in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts zeugen davon, dass die Römer die Siedlung nach nur wenigen Jahrzehnten wieder aufgaben.

Archäologen haben bei Ausgrabungen am Stadion des FC Augsburg Artefakte aus der Römerzeit gefunden.
Archäologen haben bei Ausgrabungen am Stadion des FC Augsburg Artefakte aus der Römerzeit gefunden. KMA

Direkt an der Arena des FC Augsburg vorbei führte ein Brauchwasserkanal, der als offener, zehn Meter breiter und drei Meter tiefer Kanal erbaut und bis ins 5. Jahrhundert hinein genutzt wurde. Nach Berechnungen der Stadtarchäologen transportierte der Kanal mit drei Promille Gefälle 1000 Liter Wasser pro Sekunde aus der Singold über die Hochterrasse bis ins heutige Domviertel. Das Brauchwasser nutzten die Römer, um ihre Getreidemühlen anzutreiben und für den Fischfang. Wegen der offenen Bauweise war das Wasser vor Verunreinigung nicht geschützt, einige Funde wie Schmuck, Münzen oder Keramik bargen die Wissenschaftler deshalb aus dem Schlamm des Kanals. Ihr Trinkwasser bezogen die Römer aus Brunnen im Stadtgebiet.

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Die Reste des Kanals befinden sich heute unter dem Parkplatz des Stadions. In der Sonderausstellung werden auch aktuelle Exponate des FC Augsburg zu sehen sein. „Wir freuen uns, dass die Stadtarchäologie mit der Idee dieser Sonderausstellung auf den Klub zugekommen ist, weil sie die historische Identität Augsburgs mit dem FCA der Gegenwart verbindet“, sagt der Präsident des Fußballvereins, Markus Krapf.

Tatsächlich spielt der FC Augsburg immer wieder mit der römischen Vergangenheit der Stadt. Als einziger Bundesligist trägt der FCA ein Symbol aus der Antike im Wappen, die Zirbelnuss, die auch das Stadtwappen Augsburgs ziert. Seinen Spielertunnel, der von den Kabinen hinaus aufs Spielfeld führt, hat der FC Augsburg im Römerlook ausgestaltet. Der Verein hat auch bereits zweimal limitierte Römertrikots auf den Markt gebracht, die jeweils rasch ausverkauft waren und nach Klubangaben an die mehr als 2000-jährige Historie der Stadt erinnern sollten.

Die ausgegrabenen Wein- und Fischsaucen-Amphoren stammen von Rhodos und aus Spanien, was belegt, wie vernetzt die Welt der Römer damals war. „Das römische Erbe ist in Augsburg bis in die heutige Zeit zu greifen. Immerhin prägten die Römer knapp 500 Jahre lang unsere Stadtgeschichte“, sagt Jürgen K. Enninger. Insofern ist der Kulturreferent glücklich, dass die Stadt greifbare Fortschritte macht, nach vielen Jahren endlich wieder ein Römermuseum zu eröffnen. Ein Standort in der Karmelitengasse ist gefunden, der Freistaat hat zugesagt, sich mit 50 Prozent der Baukosten zu beteiligen. Enninger sagt: „Ich bin der Stadtarchäologie dankbar, dass sie ihre Funde aus dem Stadion-Umfeld im Römerlager präsentiert und damit erneut zeigt, dass ein künftiges Römisches Museum immer wieder Neues zu bieten haben wird.“

„Römer am Elfmeterpunkt“, bis 30. Dezember 2026, Römerlager im Zeughaus, Zeugplatz 4, Augsburg, Informationen: kunstsammlungen-museen.augsburg.de/elfmeterpunkt

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