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Augsburg:Die "Mohren" im Namen sollen verschwinden

Luxushotel ´Drei Mohren" nennt sich nach langer Diskussion um

Das "Drei Mohren" wird künftig "Maximilian's Hotel" heißen.

(Foto: dpa)

Augsburgs erste Hoteladresse ändert ihren Namen - um "dem gesellschaftlichen Wandel Genüge zu tun". In Coburg soll sich dagegen am "Mohr" im Stadtwappen bewusst nichts ändern.

Von Florian Fuchs, Augsburg, und Olaf Przybilla, Coburg

Es wird, da ist sich der Hoteldirektor Theodor Gandenheimer sicher, kein leichter Weg werden. Um einen Hotelnamen zu wechseln, müssen schließlich nicht nur die Briefköpfe ausgetauscht, sondern vor allem auch die Gäste daran gewöhnt werden. Es sei nun aber, da ist sich Gandenheimer ebenfalls sicher, an der Zeit: Das "Drei Mohren Hotel", Augsburgs erste Adresse, wird künftig "Maximilian's Hotel" heißen. "Wir haben entschieden, dass wir mit einem neuen Namen dem gesellschaftlichen Wandel Genüge tun", stellt der Hotelchef fest.

Die Diskussion um den Begriff des "Mohren" in Namen von Hotels, Apotheken, Kneipen ist erst kürzlich wieder entflammt. Rassistisch ist schon allein das Wort, sagen die einen. Historisch ist das alles einwandfrei, entgegnen andere. In vielen Städten wird diskutiert, am heftigsten aber in Coburg, wo eine Petition zwischenzeitlich rasanten Zulauf fand, die nicht weniger als einen Eingriff in die Stadthistorie zum Ziel hatte: die Änderung des Stadtwappens, das nach überliefertem Sprachduktus ein "Mohr" ziert. Das stelle die kolonialistische Stereotype eines schwarzen Menschen dar, heißt es in der Petition. Es bedürfe einer Änderung, um Menschen "nicht weiter auf ein diskriminierendes Klischee, das man so aus der Zeit der Sklaverei kennt, zu reduzieren". Neu ist diese Debatte in Coburg zwar nicht, in diesem Sommer aber ist sie mit größerer Wucht als bislang entflammt. Allerdings - im Gegensatz zu dem Fall in Augsburg - ohne, dass dies bislang Folgen gehabt hätte.

Der Name "Drei Mohren Hotel" geht auf drei abessinische Mönche zurück, die im Augsburg des 15. Jahrhunderts in der damaligen Herberge Zuflucht gefunden haben sollen. Hoteldirektor Gandenheimer sagt, dass der Entscheidung zur Umbenennung ein längerer Prozess mit vielen Gesprächen mit den internationalen Gästen des Hauses und den Mitarbeitern aus 22 Nationen vorangegangen sei. Das Feedback habe schließlich zum Umdenken bewegt, auch die Black-Lives-Matter-Bewegung habe eine Rolle gespielt bei den Überlegungen. "Die Diskussion kehrt ja seit 2015 in immer kürzer werdenden Abständen wieder", sagt er. "Wir wollen uns so nun für die Zukunft rüsten."

"Maximilian's Hotel" sei ein logischer Nachfolger. Das Hotel steht an der Maximilianstraße, Augsburgs Prachtstraße. Namensgeber Kaiser Maximilian I. habe eine herausragende Bedeutung für Augsburgs große Geschichte und ein Restaurant des Hauses heißt bereits "Maximilian's". Dass der Name wie "Mohren" ebenfalls mit M anfängt, erleichtere die Umstellung ein wenig. "Wir müssen dann wenigstens das Signet nicht ändern", erklärt Hotelchef Gandenheimer. Bis Ende des Jahres soll die Umstellung erfolgt sein.

In Coburg nehmen sie das mit Interesse zur Kenntnis. Folgen für die Stadtpolitik aber, da ist sich Stadtsprecher Louay Yassin sicher, werde die Entscheidung eines Augsburger Hotels nicht haben. "Wir werden unseren Mohr nicht umbenennen", sagt er. Zwar habe die bundesweite Petition anfangs viel Zulauf gehabt, eine Petition gegen eine Umbenennung aber habe diese inzwischen überholt. Auch sei der Stadtrat nicht auf den Änderungswunsch angesprungen. "Stimmen, die das Wappen geändert wissen wollen, sind in Coburg nur vereinzelt zu hören", sagt Yassin. Der Grund dürfte sein, dass sich das Wappen als Huldigung an den Schutzheiligen der Stadt, den heiligen Mauritius, versteht - und nur einmal entfernt wurde: zur Zeit des Nationalsozialismus.

© SZ vom 06.08.2020

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