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Prozess:Augsburger Blumenmaler muss ein Jahr und zwei Monate in Haft

Graffiti-Blume Augsburg

Die sogenannte Augsburgblume ist bis heute an manchen Stellen in der Stadt zu entdecken.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Der 33-Jährige spricht von einem "Zwang oder Sucht": An vielen Orten in Augsburg hat der Sprayer seine Schriftzüge hinterlassen. Eines seiner Motive - eine Blume - hat ihn bekannt gemacht. Nun muss er trotzdem ins Gefängnis.

Den Drang, seine Graffitis auf fremdes Eigentum zu malen, beschreibt der 33-Jährige als "einen Zwang oder eine Sucht". Diese will der Mann, der einst mit seiner Augsburgblume zum Star der Szene wurde, unbedingt loswerden. Jetzt, da er wegen seiner Schmierereien schon im Gefängnis sitzt. Denn am Donnerstag kam vor dem Augsburger Amtsgericht nach einschlägigen Vorstrafen eine weitere Haftstrafe dazu: ein Jahr und zwei Monate ohne Bewährung. Der Angeklagte hatte zugegeben, dass er auch im vergangenen Jahr in Dutzenden Fällen seine Schriftzüge auf Stromkästen hinterlassen hatte. Der Sachschaden beträgt mehrere Tausend Euro.

Der 33-Jährige hatte vor einem Jahrzehnt Blumen im Raum Augsburg hundertfach auf Wände oder Gegenstände gemalt. Die Motive, die teils bis heute im Stadtbild zu entdecken sind, wurden zu einem Wahrzeichen von Bayerns drittgrößter Stadt. Später vermarktete der Künstler unter seinem Pseudonym Blumenmaler das Motiv auf T-Shirts und für eine Biersorte. Heute sieht der 33-Jährige seinen Ruhm auch kritisch: "Die Augsburgblume ist medial schon sehr aufgebauscht worden", sagt er in der Verhandlungspause.

Sein Problem ist, dass ihn die Bewährungsstrafe nicht abhielt, weiterhin allein oder mit anderen neue Motive mitunter großflächig an Züge oder Lärmschutzwände zu malen. Amtsrichterin Susanne Scheiwiller machte klar, dass es ihr nicht leicht falle, einen Menschen wegen solcher Delikte hinter Gitter zu schicken. Doch angesichts der Vorstrafen betonte sie: "Bewährung kommt nicht in Frage." Der 33-Jährige erklärte, dass er nach der Haft mit Hilfe eines Verhaltenstherapeuten sein Leben ändern wolle

© SZ vom 20.11.2020 / dpa/van

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