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Augsburg:Neue Perspektive für 180 Jugendliche

Das Bistum Augsburg übernimmt die Realschule der HSA-Akademie. "Wir sind megaglücklich", sagt ein Elternsprecher

Die gute Nachricht hat Eltern und Schüler der Augsburger Rudolf-Diesel-Realschule pünktlich zum Wochenende erreicht: Das Schulwerk der Augsburger Diözese will die Realschule der privaten Hermann-Schmid-Akademie (HSA) übernehmen - und die HSA-Geschäftsführer sind einverstanden. Mehrere Interessenten an der HSA mit ihren fünf Schulen waren zuletzt abgesprungen, nannten die Verhandlungen "schwierig". Die Kirche war die letzte Hoffnung der Elterninitiative zur Realschulrettung. Ihre Kinder bleiben zusammen, die Schüler der beruflichen Schulen werden verteilt. Freitagmittag ließ Schulwerksdirektor Peter Kosak 200 Seiten Unterlagen per Kurier nach München fahren, damit die Pförtner im Kultusministerium den Stempel draufknallen konnten: Eingegangen am 08. Mai 2020. Um Mitternacht wäre die verlängerte Frist ausgelaufen, der Freistaat hätte die Schule übernommen.

Zwar wird das Ministerium die Unterlagen noch prüfen und erst an diesem Mittwoch ist der Notartermin, aber Kosak ist zuversichtlich. "Die Atmosphäre unter den Mitarbeitern ist hervorragend und wir haben richtig Lust, mit der Schule zu arbeiten", sagte er. Die Flyer für Viertklasseltern sind fertig und einen Namen hat die Schule auch: Bischof-Ulrich-Realschule, nach dem Patron des Augsburger Bistums. Im Herbst 2021 soll im Schulgebäude zudem die Bischof-Ulrich-Grundschule eröffnen, auch eine neue Turnhalle ist in Planung.

Inhaltlich werde sich für die 180 Realschüler wenig ändern, sagte Kosak. Die naturwissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Ausrichtung der Schule bleibe. Erst mit den kommenden Jahrgängen werde das kirchliche Profil ausgebaut. Für die neuen Fünftklässler wird es zum Beispiel keinen Ethikunterricht mehr geben und ein flexibleres Ganztagsmodell.

42 Schulen betreibt das Schulwerk, davon 20 Realschulen. Die Bischof-Ulrich-Realschule ist die vierte kirchliche Realschule in Augsburg. Vor knapp zwei Wochen hatte die Diözese offiziell ihr Interesse angemeldet. Die Diskussionen um die Zukunft der HSA zogen sich da schon länger hin. Anfang März hatten die HSA-Chefs die Schließung verkündet. Als Grund gaben sie an, dass der Ruf der Akademie durch "ungerechtfertigte Vorwürfe" beschädigt worden sei und so keine Lehrer mehr rekrutiert werden könnten. Gegen den Schulträger wird wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug ermittelt. Kurz darauf kursierten Ideen, wonach die Stadt ein Gymnasium im HSA-Schulhaus unterbringen wollte. Die Realschul-Eltern protestierten und machten sich auf die Suche nach einem neuen Träger. Und im Schulwerk wunderte man sich, wieso weder HSA noch Stadtspitze anriefen.

Holprig waren auch hier die Verhandlungen: Die HSA-Chefs ließen Fristen verstreichen, die Lehrer bangten um ihre Zukunft. Wäre die Kirche gescheitert, hätte der Freistaat die Schule übernommen. Die Stadt Augsburg hätte das 2015 für 20 Millionen Euro erbaute Schulhaus kaufen müssen. Viel Geld für die finanzschwache Kommune. Daher überrascht wenig, dass man im Rathaus die Übernahme durch einen privaten Träger als "höchste Priorität" bezeichnete. Bitter wäre es für die Lehrer geworden: Einige sind Quereinsteiger, die kaum Chancen beim Staat haben, zumal es derzeit viele junge Realschullehrer mit Bestnoten gibt, die auf Jobs warten. Das Schulwerk bot nun allen einen Vertrag an.

"Wir sind megaglücklich", sagte Christoph Kunz, Sprecher der Elterninitiative. Die Eltern stehen "zu 100 Prozent geschlossen" hinter der Diözese - und seien stolz, dass ihr Einsatz nun "belohnt" werde. "Zugkraft und Entschlossenheit der Diözese in den letzten Tagen verdient allen Respekt", ergänzte Michael Krauß. Die Väter sind zufrieden, für ihre Kinder ändert sich nach den Sommerferien weniger als befürchtet. In Coronazeiten ist das viel Wert. Schulwerkschef Kosak kann nicht durchatmen, er muss Werbung machen. Kommende Woche melden Viertklässler sich für weiterführende Schulen an.

© SZ vom 11.05.2020

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