Süddeutsche Zeitung

Augsburg:Multimediales Projekt für römische Geschichte

Augsburg, sagen Historiker und Archäologen, ist die bedeutendste römische Stadt im süddeutschen Raum. Umso emotionaler reagieren Fachleute, wenn sie den Umgang der Stadt mit dem archäologischen Erbe kritisieren: Das Römische Museum ist seit Jahren aus baulichen Gründen geschlossen, der Interimsstandort für Ausstellungen wenig geeignet. Ein Neubau aber kostet viel Geld, das die klamme Stadt nicht hat. Die Augsburger CSU schlägt deshalb nun vor, ein "Lab Romanum" einzurichten, eine Ausstellung, in der die römische Geschichte multimedial erlebbar wird. Die Historie sei "der elementare Bestandteil der stadtkulturellen Identität", sagt OB-Kandidatin Eva Weber.

Auch international wird beobachtet, wie Augsburg mit seinem historischen Erbe umgeht. Weber schlägt vor, in der ehemaligen Staatsgalerie mit Bildschirmen, Touchscreens und anderen digitalen, partizipatorischen Angeboten die römische Geschichte der Stadt zu erzählen - mit dem "Augsburger Siegesaltar", einem der wichtigsten Fundstücke der Stadt, als zentralem Baustein. Das Projekt würde rund eine Million Euro kosten und soll neue, junge Zielgruppen erschließen. "Die Zeit, in der Schulklassen ins Museum gehen und Steine anschauen, ist vorbei", sagt Weber. Wenngleich sie versichert, dass weiterhin ein neues römisches Museum gebaut werden soll. Das Lab Romanum soll bis dahin die Interimsausstellung ergänzen.

Professoren um den Augsburger Historiker Gregor Weber, die die Stadt jüngst in einem offenen Brief für ihren Umgang mit der römischen Geschichte kritisiert haben, finden die Idee eines multimedialen Museums interessant. "Details müssten natürlich noch diskutiert werden", sagt Gregor Weber. Dies dürfe aber keinesfalls bedeuten, dass der Bau eines neuen Römischen Museums aus dem Blick gerate.

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SZ vom 04.12.2019 / ffu
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