Sommerliche Ausstellungs-TippsWarum sich ein Ausflug nach Augsburg lohnt

Lesezeit: 3 Min.

Um die Verbindung von Kunst, Mensch und Natur geht es in der Ausstellung „Symbiosis“, in der auch das Video „Alchemy“ von Clare Langan von 2023 zu sehen ist.
Um die Verbindung von Kunst, Mensch und Natur geht es in der Ausstellung „Symbiosis“, in der auch das Video „Alchemy“ von Clare Langan von 2023 zu sehen ist.
Clare Langan / Kunsthalle Augsburg

Die Kunstszene in Augsburg gibt sich kraftvoll, kritisch, lustig – und mobil. Was es in der Fuggerstadt in Museen und Galerien in diesem Sommer zu sehen gibt.

Von Evelyn Vogel

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Jahr für Jahr freuen sich alle darauf – und klagen irgendwann doch: Über die vielen Festivals, Premieren, Eröffnungen, Sommerfeste und sonstigen Events, womit die Kulturszene die Menschen kurz vor den Sommerferien heraus- und nicht selten zeitlich überfordert. Doch wer nicht gerade als Wagnerianer auf dem Grünen Hügel in Bayreuth freiwillig schwitzt oder sich bei den Salzburger Festspielen zwischen Domplatz und Pernerinsel vergnügt, hat jetzt den Kultur-Marathon zum Saison-Ende geschafft. Nur damit sich spätestens Mitte August die alljährliche Klage erheben wird, dass kulturell ja gar nichts los sei im Sommer.

Das mag für die Theater- und Opernhäuser stimmen, die sich geschlossen in die Ferien verabschieden. Nicht aber für die Museen. Und so bleibt Zeit, in eine der vielen Ausstellungen zu gehen, die in den vergangenen Wochen eröffnet haben, die man aber aufgrund von Zeitmangel (siehe oben) nicht geschafft hat anzusehen. Und vielleicht verbindet man ja mal einen Ausstellungsbesuch mit einem Ausflug, der etwas weiter geht als ins Münchner Umland. Beispielsweise nach Augsburg. Dort gibt es nämlich allerhand zu sehen.

Allein die Kunsthalle im Glaspalast kann aktuell mit drei Präsentationen aufwarten. Die Ausstellung Symbiosis – Kunst zwischen Mensch und Natur, mit der das neue Konzept nach der Umbenennung der Halle eingeleitet wurde, läuft dank einer Verlängerung nun bis 18. Oktober 2026. Paul Diestel, Christiane Löhr, Clare Langan und Nathan Peter untersuchen darin das Zusammenspiel von Mensch und Natur. Ihre Ergebnisse sind höchst unterschiedlich und sehr spannend. Den Besucherinnen und Besuchern begegnen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation und Videokunst – mal zart und poetisch, mal kraftvoll und beinahe archaisch.

Eine weitere Ausstellung in der Kunsthalle handelt von neuen Wegen der AbstraktionShift of Vision zeigt Werke von Jutta Haeckel, Peter Krauskopf und Moritz Neuhoff. Wobei sich die drei dem Thema ebenfalls von unterschiedlichen Seiten annähern. Da geht es um Malgrund und Oberfläche, um pastosen und transparenten Farbauftrag. Und abstrakte Malerei steht auch in den Kabinetten im Mittelpunkt. Allerdings ist diese Schau nur einem Künstler gewidmet: dem in Freiburg lebenden Manuel Frattini, der dafür eine raumgreifende Installation entworfen hat. Sein Thema: Die Landschaft in der Malerei. Beide Ausstellungen sind bis 11. Oktober 2026 zu sehen.

Fast plastisch tritt die Farbe aus dem Bild hervor bei Christopher Lehmpfuhls „Frühsommer am Lietzensee“ von 2026.
Fast plastisch tritt die Farbe aus dem Bild hervor bei Christopher Lehmpfuhls „Frühsommer am Lietzensee“ von 2026.
Uwe Walter

Gerade eröffnet hat die Ausstellung Christopher Lehmpfuhl – Im Lichtwandel in der Galerie Noah, die sich ebenfalls im Glaspalast Augsburg befindet. Zu sehen sind Bilder in Aquarell und Öl. Überraschend, mit welcher Vehemenz der 1972 geborene Maler bei letzteren die Farbe pastos, plastisch, ja beinahe pathetisch aufträgt (bis 8. November).

Auch den jüngst verstorbenen Künstler Georg Baselitz (hier vor seinem Werk „Oberon“) hat Daniel Biskup einst fotografiert.
Auch den jüngst verstorbenen Künstler Georg Baselitz (hier vor seinem Werk „Oberon“) hat Daniel Biskup einst fotografiert.
Daniel Biskup

Alles ist Kunst heißt die Ausstellung mit Künstlerporträts von Daniel Biskup im Schaetzlerpalais. Der in Augsburg und Berlin lebende Dokumentarfotograf und Fotojournalist fotografierte Politiker wie Donald Trump, Wladimir Putin, Angela Merkel, Emmanuel Macron und besonders oft Helmut Kohl. Nun zeigt er eine Serie von Künstlerporträts. Neben Akteuren aus der Augsburger Szene wie Peter Lochmüller, Lisa Junghans und Martin Eder, aufgenommen bereits  1989 im Augsburger Glaspalast, sind auch die später entstandenen Konterfeis internationaler Größen wie Ai Weiwei, Gilbert & George und Georg Baselitz zu sehen (bis 11. Oktober 2026).

Über das Verhältnis von Oberbayern und Schwaben macht sich Klaus Müller lustig, wenn er die Zwiebelhaube des Augsburger Rathauses nach einer „Runderneuerung“ in München als weiß-blau-gerautete „Zirbelnuss“ mit Breze karikiert.
Über das Verhältnis von Oberbayern und Schwaben macht sich Klaus Müller lustig, wenn er die Zwiebelhaube des Augsburger Rathauses nach einer „Runderneuerung“ in München als weiß-blau-gerautete „Zirbelnuss“ mit Breze karikiert.
Klaus Müller

Mit Müllers Malsaal zieht die Welt der Augsburger Karikatur in das Museumscafé des Schaezlerpalais ein. Darin wirft Klaus Müller ironische Blicke auf den Alltag und hat Karikaturen gezeichnet, die zunächst im Feuilleton der Augsburger Allgemeinen Zeitung erschienen sind. Dabei ist Müller eigentlich nicht hauptberuflich Zeichner, sondern Schauspieler – Staatsschauspieler sogar und seit 30 Jahren in etwa 150 Rollen und unter fünf Intendanten am Augsburger Theater beschäftigt. Müllers Malsaal ist bis 8. November 2026 zu sehen, am 16.8., 19.9., 10.10 und 8.11. führt der Künstler selbst durch sein Werk.

Ausstellungsansicht aus „What Holds, What Leaks“ von Lu Cheng & Diogo da Cruz, zu sehen im Kunstverein Augsburg.
Ausstellungsansicht aus „What Holds, What Leaks“ von Lu Cheng & Diogo da Cruz, zu sehen im Kunstverein Augsburg.
Sebastian Bühler © Kunstverein Augsburg

Nur ein paar Straßen weiter wartet im Augsburger Kunstverein die Ausstellung What Holds, What Leaks der beiden jungen Künstler Lu Cheng und Diogo da Cruz darauf, noch bis 20. August entdeckt zu werden. Lu Cheng ist in Shanghai geboren und war Meisterschülerin bei Peter Kogler an der Münchner Akademie. Der Portugiese Diogo da Cruz war mehrere Jahre künstlerischer Mitarbeiter an der Münchner Kunstakademie und pendelt nun zwischen Lissabon und Berlin. Beide lassen ihre biomorph anmutenden Installationen, Skulpturen und Strukturen im Raum interagieren.

Und zum Schluss noch ein Hinweis auf ein Mitmachangebot für Kinder: Das Kunstmobil der Kunstsammlungen & Museen Augsburg ist im August wieder unterwegs. Start ist am 6. August vor dem Maximilianmuseum auf dem Fuggerplatz. Unter Anleitung von Streetart-Künstler Erwa.One können urbane Drucktechniken getestet werden. Immer donnerstags und sonntags jeweils von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr können Kinder dann unter Anleitung malen, gestalten und sich ausprobieren.

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