bedeckt München 12°
vgwortpixel

Augsburg:Siebte Festnahme im Fall des getöteten Feuerwehrmanns

  • Etwa 100 bis 150 Feuerwehrleute haben am Sonntag in Augsburg ihres bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung getöteten Kollegen gedacht.
  • Der 49-Jährige war am Freitagabend bei einem Streit mit einer Gruppe von jungen Männern angegriffen worden und starb.
  • Sieben Verdächtige sind festgenommen. Darunter sind auch die zwei Hauptverdächtigen, beide sollen 17 Jahre alt sein.
  • Ersten Erkenntnissen nach war es wohl eine Zufallsbegegnung von Opfern und Tätern.

"Als Retter gekommen, als Engel gegangen", steht auf einem Stück Papier. Der Zettel lehnt an einem Baum am Königsplatz, zwischen dem hochfrequentierten Bus- und Trambahnhof und einem immer gut besuchten Fastfood-Restaurant. Hier, an einem der belebtesten Orte Augsburgs, ist Freitagnacht ein Mann totgeschlagen worden. Der 49-jährige Berufsfeuerwehrler war nach einem Besuch des Christkindlesmarkts mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar privat unterwegs - und war gegen 22.40 Uhr mit einer Gruppe junger Männer in Streit geraten. Die Polizei hat eine Ermittlungseinheit mit 20 Beamten eingerichtet und bereits am Sonntag den mutmaßlichen Haupttäter sowie fünf weitere Tatverdächtige festgenommen.

Ersten Erkenntnisse nach war es wohl eine Zufallsbegegnung von Opfern und Tätern. Die zunächst verbale Auseinandersetzung endete tödlich: Einer der sieben jungen Männer schlug dem 49-Jährigen gegen den Kopf, er ging zu Boden. Auch der Begleiter wurde angegriffen, der 50-Jährige erlitt heftige Verletzungen im Gesicht. Die beiden Ehefrauen blieben körperlich unverletzt.

Polizei in Bayern Tödlicher Streit in Augsburg - 20 Ermittler im Einsatz
Schwaben

Tödlicher Streit in Augsburg - 20 Ermittler im Einsatz

Ein 49-jähriger Mann war am Freitagabend mit einer Gruppe junger Männer aneinandergeraten. Kurz darauf war der Feuerwehrmann tot. Die Polizei erwägt nun eine öffentliche Fahndung.

Die Gruppe, aus der heraus die mutmaßlichen Täter zugeschlagen hatten, flüchtete Richtung Bahnhof. Ein Großaufgebot der Polizei leitete mit zahlreichen Streifen eine Fahndung in der Innenstadt ein, allerdings ohne Erfolg. Herbeigerufene Polizisten leisteten auch Erste Hilfe bei dem 49 Jahre alten Opfer, bis ein Notarzt eintraf. Alle Anstrengungen zur Reanimation blieben allerdings ohne Wirkung: Der Mann starb noch vor Ort im Rettungswagen.

Große Bestürzung über die Tat

Die Bestürzung ist nicht nur in Augsburg groß. Zahlreiche Hilfsorganisationen, unter anderem auch die Berufsfeuerwehr München, drückten noch am Samstag ihr Beileid aus. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl meldete sich mit einem Statement auf Facebook zu Wort: "Augsburg ist Schauplatz einer folgenschweren Gewalttat geworden", schreibt er. "Die Gewalttat ist bestürzend und macht fassungslos." Gribl wolle allen danken, "die jetzt solidarisch Haltung zeigen und sich zu Gewaltfreiheit und unseren Werten bekennen." Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich wie Innenminister Joachim Herrmann "erschüttert", Herrmann lobte den schnellen Fahndungserfolg der Polizei.

Videokameras am Augsburger Königsplatz: Sie sollen helfen, die Täter nach dem tödlichen Streit zu finden.

Mitten in Augsburg sind am Königsplatz Videoüberwachungskameras angebracht.

(Foto: dpa)

Am Wochenende und auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag legten die Ermittler den Fokus darauf, das Bildmaterial der Videokameras auszuwerten, die am Königsplatz angebracht sind. Demnach zeigen die Aufzeichnungen den Angriff aus verschiedenen Perspektiven, sodass die Ermittler den mutmaßlichen Haupttäter, von dem der tödliche Schlag ausging, identifizieren konnten. Laut Polizei handelt es sich um einen in Augsburg geborenen 17-Jährigen mit deutscher und anderen Staatsangehörigkeiten.

Der zweite Tatverdächtige, den die Polizei am Sonntagnachmittag festnahm, ist ebenfalls 17 Jahre alt und hat eine südeuropäische Staatsangehörigkeit. Beide Jugendliche wohnen in Augsburg und sind bereits polizeibekannt. Auch die übrigen Mitglieder der siebenköpfigen Gruppe konnten die Ermittler bis Sonntagnachmittag identifizieren. Bis zum Sonntagabend gelang es vier weitere Verdächtige festzunehmen. Am Montag bestätigte das Polizeipräsidium Schwaben-Nord eine weitere und insgesamt siebte Festnahme in dem Fall.

Ehefrau war am Wochenende nicht vernehmungsfähig

Die Ehefrau des getöteten 49-Jährigen war laut Polizei am Wochenende nicht vernehmungsfähig, der Mann hinterlässt auch eine Tochter. Neben den Abschiedsworten, die auf dem Zettel am Baum stehen, haben zahlreiche Augsburger am Königsplatz Kerzen angezündet. Am Sonntag legten etwa 100 Einsatzkräfte und Feuerwehrleute Blumen und einen Kranz am Tatort nieder. Der Königsplatz ist vom Hauptbahnhof aus gesehen das Tor zur Innenstadt. Hier beginnt die Fußgängerzone, von hier aus geht es in die Einkaufsstraßen und zur Adventszeit auch zum großen Christkindlesmarkt auf dem nah gelegenen Rathausplatz.

Der Königsplatz ist aber auch schon lange ein problembeladener Ort in Augsburg, das sich laut Statistiken nach München als zweitsicherste Großstadt Deutschlands feiern lassen darf: Der Platz gilt als Treffpunkt der Trinker- und Drogenszene, die Polizei ist für Kontrollen oft mit Streifen vor Ort. Aus diesem Grund sind dort als einem von wenigen Plätzen in der Stadt 15 Kameras angebracht.

Der Königsplatz ist auch einer der Orte in Augsburg, deretwegen Ordnungsreferent Dirk Wurm Betretungsverbote hat einführen lassen. Betretungsverbote sind eine deutlich schärfere Waffe als Platzverweise. Sie müssen von der Polizei bei der Stadt beantragt und von der Verwaltung bestätigt werden. Betroffene können sie erst nach Inkrafttreten auf Antrag von Gerichten überprüfen lassen. Wer mit einem Betretungsverbot belegt ist, muss wiederholt straffällig geworden sein und darf vor allem nachts und am Wochenende Problemzonen der Stadt nicht mehr betreten. Damit soll Augsburg, so hofft die Stadtspitze, im Nachtleben sicherer gemacht werden.

Polizei in Bayern Augsburg lässt sich nicht aufhetzen

Getöteter Feuerwehrmann

Augsburg lässt sich nicht aufhetzen

Ein Mann stirbt nach einem Fausthieb eines Jugendlichen. Das ist erschütternd und tragisch. Nun aber missbraucht die AfD die Tat für ihre ausländerfeindlichen Reflexe - und verkennt dabei die Ursachen von Gewalt.   Kommentar von Ronen Steinke