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Augsburg:Hotels laden AfD-Politiker aus

Parteitag der Rechtspopulisten ist in der Stadt nicht willkommen

Die AfD ist in Augsburg nicht willkommen. Zu ihrem Bundesparteitag am 30. Juni und 1. Juli auf dem Messegelände der Stadt werden mehrere Tausend Demonstranten aus dem bürgerlichen Lager erwartet, die Polizei rüstet sich überdies für den Fall von Ausschreitungen. Zwei Augsburger Hotels zeigen der AfD ebenfalls die rote Karte. Sie haben Delegierte der Partei, die Zimmer für ihren Aufenthalt in der Stadt gebucht haben, wieder ausgeladen. Auch der Parteivorstand ist davon betroffen. Das Vier-Sterne-Hotel "Drei Mohren" stornierte zehn Buchungen, das Drei-Sterne-Hotel "Holliday Inn Express" erteilte elf AfD-Politikern sogar Hausverbot. Deren Äußerungen über ethnische Minderheiten oder über Homosexuelle ließen sich "nicht mit der Kultur der Gastfreundschaft" des "Holliday Inn" vereinbaren, sagt Caroline Nguyen, Sprecherin der Hotelgruppe.

Von dem Hausverbot sind auch Partei- und Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland, Fraktionschefin Alice Weidel, Fraktionsvize Beatrix von Storch sowie die Vize-Parteichefs Albrecht Glaser und Kay Gottschalk betroffen. Der stellvertretende AfD-Bundessprecher Kay Gottschalk schäumt: "Es ist besorgniserregend und spricht für ein gesellschaftlich vergiftetes Klima, wenn Mitgliedern einer demokratischen Partei die Übernachtung in einem Hotel verwehrt wird."

Augsburg versteht sich als "Friedensstadt", nach einem geräuschlosen Ablauf des Parteitags sieht es aber ganz und gar nicht aus. Die Polizei wird mit einem Aufgebot von 2000 Einsatzkräften Demonstranten und Delegierte trennen. 8000 bis 10 000 Menschen werden beim Protest gegen die AfD erwartet. Im Hotel "Drei Mohren" in der Innenstadt macht sich das Management deswegen Sorgen. "Gewaltbereite Linksautonome haben zu Krawallen aufgerufen", sagt Jannah Baldus, Sprecherin der "Steigenberger"-Hotelgruppe, die das "Drei Mohren" betreibt. "Um die Sicherheit und das Wohlergehen all unserer Gäste zu gewährleisten" habe man sich entschlossen, die Buchungen von AfD-Mitgliedern zu stornieren. Tatsächlich kursiert im Internet ein "Krawall-Reiseführer", der auf 44 Seiten Orte nennt, die attackiert werden können. Darunter auch Hotels in Augsburg.

Im "Holliday Inn Express" sorgt man sich weniger ums Mobiliar als um den Ruf des Hauses. Deshalb habe man vorsorglich Hausverbote ausgesprochen, wobei die Gäste aber doch einchecken könnten, wenn sie vorab schriftliche Erklärungen abgäben, so die Sprecherin. In den Erklärungen müssten sich die AfD-Politiker verpflichten, dass sie sich gegenüber anderen Gästen und Mitarbeitern des Hotels nicht beleidigend oder unflätig äußerten. "Wir haben zu allen Personen, die das Hausverbot betrifft, derlei dokumentierte Äußerungen", berichtet Caroline Nguyen. Es gebe einige Personen im Hotel, die homosexuell seien. Diese Mitarbeiter wolle man schützen. Der AfD habe man dies schriftlich und telefonisch mitgeteilt. "Jetzt warten wir auf eine Stellungnahme", so Nguyen.

Ein Mitglied der bayerischen AfD, das nicht namentlich genannt werden will, spricht von "kleinen Sticheleiversuchen" gegen die Partei, die es in anderen Städten wie Köln auch schon gegeben habe. Der Mann wittert "Gewerkschaften plus Linke plus SPD plus Multikulti" hinter den Hausverboten. Sie seien eine "Unverschämtheit". Er nannte es "utopisch", dass seine Parteifreunde die geforderten Erklärungen unterschreiben würden. Der AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber aus Mecklenburg-Vorpommern kündigte rechtliche Schritte gegen das Hotel "Drei Mohren" an, das ihn nicht als Gast haben möchte.