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Augsburg:Gebackene Tauben

Augsburger feiern das Hohe Friedensfest anders als gewohnt

Von Florian Fuchs, Augsburg

Eine Friedenstaube neben einer Sonnenblume, eine Friedenstaube auf dem Balkon. Eine Friedenstaube neben Gurkensalat und zwei Friedenstauben im Synchronflug. In den sozialen Netzwerken war das Gebäck in Form einer Taube am Samstag in Augsburg das mit Abstand beliebteste Motiv. Dabei fotografieren sich die Augsburger zu ihrem ganz speziellen Feiertag eigentlich am liebsten auf dem Rathausplatz, wie sie an langen weißen Tafeln essen und trinken. In "diesem so merkwürdigen Jahr 2020", wie es Oberbürgermeisterin Eva Weber ausdrückte, war das allerdings wegen Corona nicht möglich: Statt eines zentralen Festakts in der Innenstadt trafen sich die Augsburger in kleinen Gruppen zu Friedenspicknicks und versendeten Friedensgrüße via Internet. Allein etwa 1200 Gegner der Corona-Maßnahmen versammelten sich für eine Protestveranstaltung - unter dem Motto Frieden und Freiheit, dafür vorwiegend ohne Abstand.

Seit 1650 findet das Hohe Friedensfest in Augsburg statt, als die Protestanten nach dem Ende des 30-jährigen Krieges die Religionsfreiheit zurückbekamen. Da passt es gut, dass der mit 12 500 Euro dotierte Augsburger Friedenspreis, der nur alle drei Jahre vergeben wird, dieses Jahr an den Erzbischof von München und Freising Kardinal Marx und den evangelischen Landesbischof Bedford-Strohm geht. Ihr Einsatz für die Ökumene hat die Jury der Stadt Augsburg überzeugt. "Zwei Persönlichkeiten, die nicht den Blick auf die Unterschiedlichkeiten lenken, sondern das Gemeinsame betonen", sagte Weber.

Augsburgs Oberbürgermeisterin nannte das für das Fest so bedeutende friedfertige Miteinander ein derzeit "fragiles Konstrukt". Vor allem die Coronakrise mit ihren Herausforderungen habe die Frage nach dem Miteinander in eine neue Dimension gehoben: Viele Menschen versteiften sich auf die eigene Meinung, das große Ganze nähmen viele nicht wahr. Eva Weber dürfte bei diesen Worten auch die Gegner der Corona-Maßnahmen im Blick gehabt haben, die am Nachmittag im Wittelsbacher Park demonstrierten. An den großen Protest in Berlin wollten die Veranstalter dabei anschließen und so in Bayern ein Zeichen setzen: Erst hatten sie 5000 Teilnehmer angemeldet, dann 3000, schließlich kam laut Polizei knapp die Hälfte. Die Demonstranten blieben bürgerlich, wie die Einsatzleitung der Polizei bestätigte. Der Protest war dem Anlass des besonderen Feiertags entsprechend friedlich.

© SZ vom 10.08.2020

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