Weltbild Das große Warten

Wenn es um die Zukunft von Weltbild geht, herrscht vor allem eines: Uneinigkeit. Über das Sanierungskonzept wird gestritten und noch immer ist nicht raus, wie viele Leute der Investor Paragon noch entlassen will. Fest steht nur, wann der Kaufvertrag in Kraft treten soll.

Von Stefan Mayr, Augsburg

Die Zukunft der insolventen Verlagsgruppe Weltbild soll noch in diesem Monat geklärt werden. Wenigstens darin sind sich Insolvenzverwalter, Betriebsräte, Mitarbeiter und die potenziellen Käufer von der Münchner Investmentfirma Paragon Partners einig. Ansonsten aber herrscht zwischen den Beteiligten allumfassende Uneinigkeit. Zentrale Streitpunkte sind das Sanierungskonzept und die Anzahl der weiteren Entlassungen, die Zahl bewegt sich irgendwo zwischen 50 und 250.

In der entscheidenden Phase der Verhandlungen steigt die Unruhe, vielerorts treten zusätzliche Neben-Konflikte ans Tageslicht, in denen die Fronten kreuz und quer gehen: Mehrere ehemalige Mitarbeiter wollen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verklagen, weil sie ihre Altersteilzeit-Bezüge nicht bekommen. Der Betriebsrat wirft Geiwitz eine chaotische Umzugs-Planung vor. Andere Ex-Mitarbeiter kritisieren Geiwitz, weil sie ihre Abfindungen noch nicht bekommen haben. Und verbliebene Beschäftigte kritisieren den Betriebsrat für seine Informationspolitik.

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Noch vor Ende Juni wollen die Münchner Investoren von Paragon Partners den Kaufvertrag unterzeichnen, der Übergang ist nach wie vor zum 1. Juli geplant. Deshalb trafen sich am Dienstag in Augsburg Vertreter der Insolvenzverwaltung und des Betriebsrats, um erstmals über die Bedingungen der Übernahme zu diskutieren. Nach Angaben von Betriebsrat Timm Boßmann wurde dabei vor allem über Konzepte gesprochen, wie man den angeschlagenen Versandhändler wieder wettbewerbsfähig machen kann. "Wir sind uns einig, dass wir mehr Umsatz brauchen, mehr Kundennähe und mehr Qualität im Non-Book-Bereich", berichtet Boßmann. Nach seinen Angaben ging es am Dienstag nicht über die Anzahl der Entlassungen. Wie viele Entlassungen das Sanierungskonzept von Paragon exakt vorsieht, sei bewusst ausgeklammert worden. Diese Frage solle erst zum Schluss der Verhandlungen erörtert werden.

Dennoch gilt bisher als sicher, dass weitere Entlassungen nicht zu vermeiden sein werden. Paragon hatte zunächst wie berichtet vor, sich zusätzlich von 100 bis 200 Leuten zu trennen. Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter soll sich die Zahl aber im zweistelligen Bereich bewegen. "Eine dreistellige Zahl wird es mit uns im Leben nicht geben", sagte Klaus Warbruck, Berater und Verhandlungsteilnehmer des Betriebsrats, vor dem ersten Gespräch kämpferisch. "Jede einzelne weitere Entlassung muss einzeln geprüft und betriebswirtschaftlich begründet sein", fordert Warbruck, "weitere Kürzungen mit dem Rasenmäher sind ausgeschlossen."

Als weitere zentrale Forderungen nannte er das Fortbestehen des Unternehmens "als Ganzes", den immer wieder diskutierten Verkauf der Logistik lehne der Betriebsrat "strikt" ab. Zudem solle in der neuen Gesellschaft ein Haustarifvertrag "existenzsichernde Arbeitsbedingungen" garantieren. "Wir gehen von einer Besitzstandssicherung aus."

Die Zahl von 250 Entlassungen, über die manche Medien berichtet hatten, könnte sich als unrealistisch entpuppen: Offenbar war sie von internen Kreisen kolportiert worden, die den Einstieg von Paragon verhindern und selbst per Management-buy-out zum Zuge kommen wollten. Die gestreuten Gerüchte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt, die Stimmung unter den Mitarbeitern fiel zuletzt in den Keller. Als Reaktion auf diese Entwicklung stellten Geiwitz und der Betriebsrat am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung an die Beschäftigten klar, dass Paragon als Investor "derzeit alternativlos" sei. "Andere Interessenten haben entweder kein Konzept für das Unternehmen als Ganzes oder können keine gesicherte Finanzierung vorlegen", heißt es in dem Infoblatt.

Weltbild hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Paragon plant, alle Betriebsteile in eine neue Gesellschaft zu überführen. In diese wollen die Münchner per Kapitalerhöhung 20 Millionen Euro stecken und so Mehrheitsgesellschafter werden. Den Rest der Anteile sollen die Gläubiger halten, als ihr Stellvertreter wird Insolvenzverwalter Geiwitz fungieren. Zuvor waren bei Weltbild und der Filialtochter Weltbild plus 875 Mitarbeiter entlassen worden.

Nach SZ-Informationen will Paragon die Verwaltung von Weltbild plus von München nach Augsburg verlegen. Betroffen sind etwa 30 Mitarbeiter, wie viele von ihnen entlassen werden, ist noch unklar. Ende April hatte Weltbild plus angekündigt, von seinen 220 Filialen 53 Geschäfte zu schließen - 24 davon bereits im Jahr 2014.