Augsburg:Mit Cannabis gegen CSU-Bräsigkeit

Auf der Friedrichstraße Ecke Taubenstrasse wächst in einem Blumenkübel ganz unbehelligt von den Passanten und scheinbar

Hanfpflanzen sind bisher in der CSU eher bei Landwirten ein Thema - einige JU-Mitglieder wollen nun aber über die Legalisiierung von Cannabis reden.

(Foto: imago images/Future Image)

Die Junge Union im Augsburger Nordwesten plädiert für eine liberale Drogenpolitik - weil dies ganz im Sinne der Kernanliegen der Union sei. Doch was hat das alles mit dem Privileg der Jugend, knusprigen Hähnchen und Markus Söder zu tun?

Glosse von Johann Osel

Markus Söder ist nicht gekommen zur Hähnchen-Kette "Kentucky Fried Chicken" (KFC), obwohl er im Einladungstext direkt angesprochen war. Eingeladen zur Sitzung der Jungen Union im Ortsverband Augsburg - Bärenkeller, Oberhausen, Kriegshaber (BOK). So hat der CSU-Vorsitzende nicht nur beigelegte Gutscheine für knusprige Snacks ("Hot-Wings"-Dienstag bei KFC, betont JU-Ortschef Christopher Andersen) verpasst, sondern auch glatt den Vorstoß des Nachwuchses im Augsburger Nordwesten: für die Legalisierung von Cannabis, "kluge Politik statt sinnloser Verbote".

Die Positionierung solle "ein Zeichen" auch in der Partei sein, dass diese Debatte längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. In der CSU sei das jedoch "ein rotes Tuch", sagt Andersen, wie früher die Homo-Ehe. Wer beides forderte, "galt da als teufelsanbetender Drogenjunkie". Dabei müsse man das Thema "endlich frei von Ideologie und Vorurteilen auf der Basis von Fakten" diskutieren.

Er persönlich habe wenig mit Cannabis zu tun, sinngemäß müsse man also nicht kiffen wie ein Bagger, um für eine liberale Drogenpolitik einzustehen. Als Argumente führt die JU BOK an, dass ja trotz Verbot konsumiert werde, inklusive aller Gefahren von Schwarzmarkt und Kriminalität. Eine Legalisierung könne dagegen Justiz und Staatshaushalt entlasten, Steuern generieren, die in Prävention fließen, und kriminelle Geldströme kappen. Es gehe um Kernanliegen der Union: "Sicherheit der Gesellschaft und des Individuums".

Generell scheint Andersen mit der Bräsigkeit seiner Partei zu hadern. KFC statt Wirtshaus, freche Postings im Netz oder "auch kontroverse Meinungen" - Politik solle ja Spaß machen, auf der Einladung stand: "Die JU BOK macht BOK!" Nur so, sagt er, könne die Jugend "Stachel im Fleisch der Partei" sein, wie es sich Parteiobere stets in Sonntagsreden wünschten.

Vor ein paar Wochen gab es schon mal Rummel um Andersen. Beim sicher verdienten Feiern seines Abiturs twitterte er ein Foto mit Bier-Trichter und Schlauch um den Hals. Dass es dafür ein Like von Daniela Ludwig (CSU) gab, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, war der SZ eine Glosse wert. Auf Twitter geriet das alles zur Kiffer-Debatte, auch das war Anlass für den Vorstoß. Für Andersens Post dazu kam von Ludwig bis dato kein Herz.

© SZ vom 13.08.2021/infu
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