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Augsburg:Im Rausch der Engelstrompete

Herbstgruß

Die Engelstrompete gehört zu den giftigen Pflanzen.

(Foto: Horst Ossinger/dpa)

In Augsburg lösen Corona-Abstands-Pflanzenkübel Irritationen über Drogen im öffentlichen Raum aus.

Von Florian Fuchs, Augsburg

Die Engelstrompete hat nicht nur einen schönen Namen, sie ist auch eine schöne Pflanze. Die Blütenkelche werden bis zu 30 Zentimeter groß, es gibt sie in verschiedenen Farben, in Rosa, Orange oder Gelb. Hitze hält die Engelstrompete gut aus, doch sie ist giftig. Richtig verarbeitet, etwa als Tee, versetzt sie den Konsumenten allerdings in einen rauschhaften Zustand. Und hier beginnt das Problem für die Stadt Augsburg.

Rauschhafte Zustände vor allem junger Partygänger versucht die Stadt ja seit Kurzem wie auch andere bayerische Orte tunlichst zu vermeiden. Die Bars haben geschlossen, Diskotheken dürfen Corona-bedingt nicht öffnen. Viele Leute zieht es deshalb auf öffentliche Plätze in den Innenstädten, um dort zu feiern, zu tanzen und zu trinken. Das jedoch verträgt sich nicht mit dem Abstandsgebot des Corona-Infektionsschutzes. Gesundheitsministerin Melanie Huml hat deshalb bereits angeregt, dass Städte den Verkauf von Alkohol oder gar gleich Alkohol an sich aus den Innenstädten verbannen sollen, damit all die Feiern nicht aus dem Ruder laufen. Die Verfügbarkeit anderer Drogen findet die Gesundheitsministerin also bestimmt ebenfalls nicht förderlich.

Insofern hat die Stadt Augsburg nun reagiert und zwei große Pflanzenkübel mit Engelstrompeten wieder vom Herkulesbrunnen abgezogen. Dort vor allem treffen sich in der schwäbischen Metropole die jungen Leute zu nächtlichen Partys. Um den Raum zu teilen und damit auch die Menschenmassen auf Abstand zu halten, setzt die Verwaltung unter anderem auf Pflanzenaufsteller: Phoenixpalmen, Fuchsien, Oleander und bis Ende der Woche auch Engelstrompeten. Dann allerdings beschwerten sich Hörer beim örtlichen Radiosender "Hitradio RT1" über die vermeintlichen Drogen im öffentlichen Raum.

Tatsächlich, so beschreiben es zum Beispiel Einrichtungen zur Drogenprävention, kann die Pflanze etwa durch Einnahme der Blätter oder Samen in der richtigen Dosierung einen Rausch herbeiführen, der vergleichbar mit der Intensität und Dauer von Marihuanakonsum ist. Sie kann aber auch unangenehme, fiebertraumähnliche Halluzinationen hervorrufen, die tagelang anhalten - und damit sehr gefährlich werden. Zur Verteidigung der Stadt Augsburg ist nun anzuführen, dass Engelstrompeten eine in Deutschland beliebte Gartenpflanze sind und durchaus in öffentlichen Parks stehen. Da stört sich auch niemand daran, dass Blätter und Blüten giftig sind und zu Halluzinogenen verarbeitet werden können. Und, das will Umweltreferent Reiner Erben schon betonen: "Wer bitte käme auf die Idee, die Blüten und Blätter zu essen?" Die Engelstrompete sei vielmehr ausgewählt worden, weil sie im Unterschied zu anderen Kübelpflanzen "recht robust gegen Urin und Erbrochenes" sei. Ein in diesem Teil der Stadt offenbar zurzeit nicht unerhebliches Kriterium.

Die Engelstrompete, erläutert das städtische Umweltreferat, gehöre zur Familie der Nachtschattengewächse, wie Tomate oder Kartoffeln. Es seien in der Praxis keine Vergiftungen bekannt, bei der Stadt selbst seien auch keine Beschwerden dazu eingegangen. Rein sicherheitshalber, sagt Erben, habe das Amt für Grünordnung die beiden Pflanzkübel vom Herkulesbrunnen entfernt. "Grundsätzlich bittet die Stadt alle Bürgerinnen und Bürger darum, städtische Pflanzen nicht zu verzehren und sie nicht mutwillig zu zerstören."

© SZ vom 03.08.2020
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