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50 Jahre Universität Augsburg:Ohne Plan, doch mit System

Selbst aus der Vogelperspektive sind die verschiedenen Gebäudetypen des Campus gut zu erkennen.

(Foto: Universität Augsburg/Bavaria Luftbild)

Die Errichtung des Campus musste es schnell gehen. Und so stehen heute die Gebäude aus den unterschiedlichen Jahrzehnten bunt gewürfelt nebeneinander.

Von Florian Fuchs, Augsburg

Man sei "schnell in der Erholungsphase", sagt David Reber über den Campus der Universität Augsburg, und das ist für einen Studenten ja auch nicht ganz unerheblich. Reber studiert Global Business Management an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Wer aus seinem Lehrgebäude tritt, wähnt sich mitten im Stadtpark. "Von der Bibliothek schaut man raus ins Grüne", sagt Reber. Egal mit wem man über die Augsburger Universität spricht, der Campus wird dabei zwangsläufig zum Thema: so grün, so schön - es sieht dort anders aus als an den meisten Universitäten.

Ein ausgearbeiteter Gesamtplan hat in Augsburg zu Beginn natürlich auch für den Campus gefehlt, zu schnell musste bei der Gründung alles gehen. Heute stehen die Fakultäten aus den verschiedenen Jahrzehnten aneinander gewürfelt, mit unterschiedlichen Baustilen und Baustoffen, in 50 Jahren sukzessive gewachsen.

Es hat Charme, an der Philosophischen Fakultät mit viel Beton aus den Siebzigerjahren vorbeizulaufen und ein paar Meter weiter offene Gebäude mit viel Glas vorzufinden, um schließlich zu einem Stahlskelettbau mit grünschimmernden Glasplatten zu gelangen.

Ein Gesamtplan mag also zu Beginn gefehlt haben, dennoch gibt es eine klare Struktur. Viele Universitäten sind von einem Forum, einem großen Platz als universitären Mittelpunkt aus gedacht. Augsburg verfolgt seit jeher die Idee des Linienmodells mit bandartig angeordneten Einheiten. Der Hochschulbereich verbindet sich mit der angrenzenden Wohnbebauung auf einer Ost-West-Achse. Die Nord-Süd-Richtung ist einer Grünzone vorbehalten, entlang einer eiszeitlichen Hangkante und dem damit verbundenen, von Studenten und Mitarbeitern so geschätzten Erholungspotenzial.

An dem kleinen See etwa mitten zwischen den Unigebäuden fühlen sich nicht nur Enten heimisch. Aus dem benachbarten Wohnviertel kommen auch gerne die Omas mit ihren Enkeln. Die Kinder aus der Campus-Kita haben auf dem Unigelände Gelegenheit, das Alphabet spielerisch zu erkunden: Der Lageplan ist nur für Eingeweihte zu verstehen, die Gebäude der Fakultäten sind darauf nach Buchstaben von A fast bis Z ausgewiesen - ohne die orientierende Kraft des Sees wären Besucher damit heillos überfordert. Früher, erzählt Werner Lengger vom Universitätsarchiv, fuhren die Studenten dort Schlittschuh, im Sommer badeten sie im Wasser. Das sieht man heute eher selten, mit den riesigen Kois, die den See inzwischen bevölkern, legt sich niemand gerne an.

Überhaupt haben sie es dort mit Tieren. Ein unter dem Namen "Campus Cat" bekannt gewordener Kater streunt stets über das Gelände und sucht Streicheleinheiten bei den Studentinnen und Studenten, es gibt Uni-Bienen und Schafe beweiden eine Lechschotter-Heide. Nach Nähe zur Innenstadt klingt das alles nicht; tatsächlich liegt das Unigelände wie ein Satellit südlich des Augsburger Zentrums. Das stört aber die wenigsten. Für Studenten wie David Reber hat die Augsburger Uni dafür neben dem Grün noch einen anderen Vorteil: "Augsburg hat genau die richtige Größe", sagt er. Es ist keine kleine Studentenstadt, in der man sich ständig über den Weg läuft. Aber ein anonymer Massenbetrieb ist es eben auch nicht.

© SZ vom 16.10.2020/vewo
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