Süddeutsche Zeitung

Bistum Augsburg:Bertram Meier: Der Versöhner übernimmt

  • Am Mittwoch hat Papst Franziskus Bertram Meier zum neuen Ausgburger Bischof ernannt.
  • Meier leitete als Domdekan die Diözese administrativ bereits seitdem im Juli 2019 Bischof Zdarsa zurückgetreten war.
  • Zdarsa und dessen Vorgänger Walter Mixa waren durchaus umstritten. Mit dem Amtsantritt von Meier sind in der Diözese hohe Erwartungen verknüpft.

Der Dom ist beeindruckend gefüllt, als mittags gegen 12 Uhr die Glocken besonders ausgiebig läuten. Das Bistum Augsburg hat einen neuen Bischof, eigentlich ist es ein Altbekannter: Domdekan Bertram Meier, seit 20 Jahren im Domkapitel, tritt die Nachfolge von Konrad Zdarsa an. Meier freut sich, dass so viele Gläubige den Weg in den Dom gefunden haben. Augen hat er zunächst aber nur für die Kinder. "Habemus Episcopum" steht auf einem Banner, das einige Schüler mitgebracht haben: "Wir haben einen Bischof." Meier gibt jedem dieser Schülerinnen und Schüler einzeln die Hand und spricht kurz mit ihnen.

Es ist eine kleine Geste, aber solch eine Geste wird in Augsburg gleich als Zeichen gefeiert. Als Zeichen für einen Neuanfang, als Zeichen für einen Klimawandel, wie es ein Journalist später in einer Fragerunde mit dem neuen Bischof bezeichnen wird. Um das Klima war es im Bistum Augsburg, das sich auch auf Teile Oberbayerns erstreckt und das mit mehr als 1,2 Millionen Katholiken eines der größten Deutschlands ist, die vergangenen Jahre ja nicht zum Besten bestellt. Erst Bischof Walter Mixa, von dem vor allem Pomp und Eskapaden in Erinnerung blieben. Dann Bischof Zdarsa, der sich arg zurückzog, der die meisten Gläubigen nicht erreichte, und den die meisten Gläubigen nicht verstanden. Nun also soll es Meier richten: ein Bischof, und da sind sie heilfroh in Augsburg, der sich zuallererst einmal Zeit für ein paar Schüler nimmt.

"Ich kenne Sie, und Sie kennen mich. Wir wissen, wie wir ticken", sagte Meier in einer kurzen Ansprache im Dom. Der Hirte und die Schafe kämen nun aus einem Stall. "Das ist gut", befand der neue Bischof und erntete langen Applaus. Der 59-Jährige weiß, wo er ansetzen muss, um sein Bistum zu versöhnen, nachdem die letzten Jahre konservative und progressive Kräfte immer mehr auseinander drifteten. Und er enttäuschte die Gläubigen nicht, die sich einen Bischof wünschen, der auf die Menschen zugeht und einen deutlich moderneren Weg einschlägt als seine Vorgänger.

Ein Regierungsprogramm, kündigte Meier an, werde er zum Amtsantritt nicht vorlegen. "Das wäre vermessen", sagte er. Stattdessen wolle er verschiedenen Gruppen zuhören, Probleme und Themen sammeln und dann angehen. Bischof zu sein, bedeute mehr, als nur Weihrauch zu schwenken. Er sei noch nie ein Mensch gewesen, der vor Hindernisse gekniffen habe. Das Klima in einem Bistum hänge aber nicht nur an einer Person. "Wir müssen noch mehr aufeinander hören, einander anhören und zuhören." Vor allem aber, sagte Meier, sei es ihm ein Anliegen, "das Evangelium Jesu Christi wieder unter die Leute zu bringen".

Einen neuen Geist ins Augsburger Bistum zu bringen, daran hat Meier bereits die vergangenen, knapp sieben Monate gearbeitet. Papst Franziskus hatte am 4. Juli 2019 den Rücktritt von Bischof Zdarsa angenommen, seither führt Bertram Meier als Diözesan-Administrator die Geschäfte. Den Synodalen Weg bezeichnete er in dieser Zeit in Abgrenzung zu seinem Vorgänger als "alternativlos".

Seine Dompredigten im Advent hatte er unter das Motto "Frauen erneuern Kirche und Welt" gestellt. Mehrere Angestellte im Bistum sagten am Mittwoch, dass die Arbeit in den vergangenen Monaten sehr angenehm gewesen sei. Entsprechend gelöst war auch mittags im Dom die Stimmung rund um den neuen Bischof, der in sein Bistum ja schon hinein geboren wurde, als er am 20. Juli 1960 in Buchloe zur Welt kam.

In Augsburg und Rom studierte er Theologie, seine Priesterweihe empfing er im Jahr 1985. Meier arbeitete an verschiedenen Orten im Bistum als Kaplan, Jugendseelsorger, Hochschulseelsorger, Stadtpfarrer, Dekan und Regionaldekan. 1989 promovierte er, bevor er sechs Jahre lang im Vatikanischen Staatssekretariat die deutschsprachige Abteilung leitete. Auch in der Diözese trug Meier seit dem Jahr 2000 Verantwortung: als Domkapitular, Domdekan, Leiter verschiedener Referate und als Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog.

Gerade mit diesen verschiedenen Aufgabenfeldern und den Schwerpunkten Weltkirche und Ökumene, übermittelte Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, bringe Meier gute Voraussetzungen mit, das Augsburger Bistum zu führen. Meier sei "im besten Sinne immer Pastor geblieben", sagte Marx, und trotz seiner internationalen Tätigkeiten stets in der Heimat verwurzelt geblieben.

Gerade weil es in Bayern schon lange nicht mehr vorkam, dass ein Mann aus dem eigenen Bistum vom Papst zum Bischof ernannt wurde, hoben auch Eva Weber, Zweite Bürgermeisterin von Augsburg, sowie Sieglinde Hirner, stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrats, auf diese Verwurzelung ab. Er sei ein Mann, der die Qualität habe, auch Gläubige vom kleinsten Dorf abzuholen. Und er sei einer, dem "die Menschen im Bistum am Herzen liegen", sagte Weber.

Wie froh sie in Augsburg über die Personalie sind, zeigte auch Weihbischof Anton Losinger. Es waren ja auch streng konservative Kirchenführer vor der Ernennung als mögliche Bischöfe gehandelt worden. Mit Blick auf die Gerüchte sagte er zu der Entscheidung für Bertram Meier: "Der Grund zur Freude ist wesentlich größer als der der Überraschung."

Das sieht auch Ursula Raffler vom Initiativkreis Bistumsreform so, der bereits nach dem Rücktritt Zdarsas einen dialogbereiten und demütigen neuen Bischof angemahnt hatte. Meier sei eine friedliche, aber keine revolutionäre Lösung. Sie wünsche sich, dass er halte, was er verspreche. Es brauche einen Bischof, der Gehör findet. "Ich befürchte nur, dass er zu leise ist." Leise trat Meier am Mittwoch allerdings nicht auf, eher versöhnlich. Und mit Demut scheint er auch keine Probleme zu haben.

Er komme aus einer Familie, erzählte Meier noch, in der er nie der "hochwürdige Herr" war. Seine Eltern und seine Schwester hätten ihn schon immer rechtzeitig erinnert, dass er halblang machen solle. "Ich denke, es kratzt nicht an der Autorität, wenn ein Bischof das Menschsein zulässt", sagte der neue Bischof.

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