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Aufmarsch von Rechtsextremisten:Flugblätter mit "eventuell volksverhetzendem Inhalt"

Nach Einschätzungen von Szenekennern verfolgen das "Freie Netz Süd" (FNS) und die NPD derzeit unterschiedliche Interessen. Während sich die NPD unter ihrem neuen Vorsitzenden Holger Apfel angesichts der Morde der Zwickauer Terrorzelle und eines drohenden Parteiverbots gemäßigt gibt, tritt das "FNS" deutlich aggressiver auf. Bei einem Treffen der NPD am Aschermittwoch in Deggendorf, gegen das ebenfalls Hunderte Bürger und Kommunalpolitiker demonstrierten, hatte die NPD die radikaleren Gruppierungen ausgeladen.

Das Wechselspiel in der rechten Szene hat Tradition: Unter dem früheren Vorsitzenden Udo Voigt öffnete sich die NPD 1996 für sogenannte Kameradschaftskreise, ehe sie Anfang des Jahrtausends beim ersten Verbotsantrag die Rolle rückwärts vollzog.

Seit 2008 ist das Verhältnis nach einer zwischenzeitlichen Annäherung erneut distanziert. Damals hätten Rechte wie Matthias Fischer und Norman Bordin versucht, die NPD zu radikalisieren, sagt Marcus Buschmüller vom antifaschistischen Informationsarchiv Aida. Als dies scheiterte, gründete sich das "Freie Netz Süd", das seinen Schwerpunkt unter Fischer in Franken hat.

Bordin ist überwiegend in München aktiv, Wiese jetzt in Niederbayern und der Oberpfalz. Auch der Einfluss auf die NPD könnte bald schon wieder steigen, glaubt Buschmüller. Diese benötigt dringend junge Aktivisten, wie sie sich im "FNS" um Wiese scharen.

Fachleute bescheinigen dem "FNS" "ein bedenkliches Tempo" in der Umsetzung von Aktionen sowie eine Sprache, die "vor Gewaltandrohung strotzt". Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtet von zunehmenden Aktivitäten in Ostbayern. "Wir beobachten das Treiben von Wiese mit Polizei und Verfassungsschutz bestmöglich", hatte er kürzlich im Interview mit der SZ erklärt, aber auch eingeräumt, seinem Treiben "Einhalt zu gebieten" sei schwer, solange Wiese keine Straftaten begehe.

Für Aida-Sprecher Buschmüller ist das "Freie Netz Süd" bereits gleichzusetzen mit der "Fränkischen Aktionsfront", die 2004 wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus verboten wurde.

Bei ihrer Kundgebung in Landshut sollen Neonazis Namen von Menschen vorgelesen haben, die durch Ausländer zu Tode gekommen seien - zwei Tage, nachdem sich Kanzlerin Angela Merkel bei den Opfern der Zwickauer Terrorzelle entschuldigt hatte.