Künstliche Intelligenz wird mehr und mehr Teil des Alltags. Drei persönliche Beispiele aus den vergangenen Tagen: Eine Studentin lässt ihre Hausarbeit zur Hälfte von der KI erledigen, weil sie an einer Stelle nicht mehr weiterkommt; Chat-GPT sucht für die Ehefrau einen neuen Laptop, weil der alte zu träge geworden ist; der Ministerpräsident lässt auf Instagram einen KI-generierten Baby-Söder über Bratwürste reden, Bart inklusive. Willkommen im KI-Zeitalter!
Auch im Journalismus etabliert sich die Technologie, etwa als Werkzeug bei der Rechtschreibprüfung oder bei Recherchen. Doch die Entwicklung geht rasch weiter. Gerade hat zum Beispiel der Ingolstädter Donaukurier einen wöchentlichen Nachrichtenpodcast über den Autokonzern Audi gestartet, der nach eigenen Angaben von der KI erstellt und „vorgelesen“ wird. Als Datenquelle dienen Texte aus der Donaukurier-Redaktion.

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KI entwickelt sich rasant weiter. Die „Süddeutsche Zeitung“ nutzt die neue Technologie überall dort, wo sie den Qualitätsjournalismus unterstützt und Arbeit erleichtert oder verbessert.
Hört man die viereinhalb-minütige Debüt-Folge von „Audi Weekly“ an, bleiben mehrere Eindrücke hängen: Wüsste man nicht, dass die sonore Männerstimme von keinem echten Menschen stammt, würde man nur schwer erraten, dass hier die KI spricht. Wer genauer hinhört, bemerkt aber neben der steifen Satzmelodie doch ein paar Sprachfehler. Aus dem Automodell A5 wird zum Beispiel ein „Aha 5“. Auch beim Audi Q3 und dem Wort „Autogrammstunde“ kommt die künstliche Stimme ins Stottern.
„Bei Aussprachen tun sich KI-Stimmen in der Tat teilweise noch etwas schwer“, teilt Donaukurier-Chefredakteur Gerd Schneider mit. „Dadurch, dass wir den KI-Einsatz transparent machen, hoffen wir hier jedoch auf Verständnis bei den Hörern.“

Zeitungsmarkt:Eine Frau kauft ein
Simone Tucci-Diekmann ist Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Passau, die ihrer Familie gehört. Sie steht für radikales Wachstum. Kritiker sagen: Um jeden Preis.
In Ingolstadt wundert sich manch einer, warum die Lokalzeitung nicht eigene Redakteure ins Studio schickt. Als größter Arbeitgeber ist Audi eines der wichtigsten Themen für Redaktion und Publikum. In der aktuellen Finanzkrise zeigt sich, wie eng das Schicksal Ingolstadts mit dem Autobauer verwoben und wie schwer es ist, diese Abhängigkeit zu reduzieren. Spannender Stoff für einen journalistischen Podcast. Doch in solchen Formaten steckt viel Arbeit: Skripts, Tonaufnahmen, Schnitt. Die KI produziert hingegen auf Knopfdruck – und benötigt dafür nicht mal Stimmbänder. Das Ergebnis ist ein harmloser Meldungsüberblick.
Laut Chefredakteur Schneider habe man „mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand ein Zusatzangebot“ geschaffen. Arbeitsplätze würden nicht wegfallen. Man wolle Erfahrungen sammeln und sehen, wie das Publikum nun reagiert. Also das echte, aus Fleisch und Blut.

