München (dpa/lby) - Holger Rune richtete schnell seine verschwitzte Kappe, dann wischte er sich mit dem Armband die vereinzelten Schweißperlen von der Stirn. Zeiten, in denen der 19 Jahre alte Tennisstar Finaleinzüge frenetisch feiert, sind längst vorbei. Die Ansprüche des Top-Ten-Spielers sind nach seinem Durchbruch im Vorjahr gestiegen. Das lockere 6:3, 6:2 gegen Zverev-Bezwinger Christopher O'Connell ordnete der Teenager am Samstag in München entsprechend in die Kategorie „Formsache“ ein. Nur die Titelverteidigung am Sonntag kann den Youngster vollkommen zufriedenstellen.
Runes Ehrgeiz ist ebenso groß wie sein Selbstbewusstsein. Der dänische Tennisstar macht keinen Hehl aus seinen hohen Zielen. „Ich möchte Roland Garros gewinnen“, sagte der 19-Jährige so, als wäre ein Triumph bei den großen French Open das Selbstverständlichste der Welt. Der Finaleinzug in München ist der nächste beachtliche Schritt, mit dem Rune dieses Selbstverständnis unterstreicht.
Die Zuschauer auf dem ausverkauften Center Court sahen einen sehr reifen Auftritt der dänischen Tennishoffnung. Rune peitschte die Vorhand schnörkellos in die Ecken, seine gefürchteten Stopp-Bälle waren zu gut für O'Connell. „Nicht so schlecht, oder“, sagte der Teenager lachend nach seinem ungefährdeten Sieg.
Runes fast schon kometenhafter Aufstieg in die Tennis-Elite setzt sich rasant fort. Im Januar 2022 knackte die ehemalige Nummer eins der Junioren erstmals die Top 100. Es folgten drei Turniersiege, darunter der große Finalerfolg beim Masters in Paris gegen Branchen-Primus Novak Djokovic. Aktuell steht der Youngster auf Weltranglistenplatz sieben - Tendenz steigend.
Auf dem Weg nach ganz oben macht Rune aber auch Schlagzeilen mit seinem Benehmen. Dass er seine Mutter Aneke bei den French Open im vergangenen Jahr wütend anbrüllte, kostete ihn viele Sympathien. Mit seinen Gegnern gerät er auf dem Platz immer wieder aneinander. „Ich spiele mit Leidenschaft“, beschrieb Rune seine impulsiven Auftritte. Klar gehe es ihm in erster Linie ums Gewinnen. „Aber ich will den Zuschauern auch eine Show liefern“, sagte der Hitzkopf.
Die Münchner Showbühne betritt Rune am Sonntag erneut als Favorit. Gegner ist wie schon im Vorjahresfinale der Niederländer Botic van de Zandschulp. „Ich habe ganz besondere Erinnerungen an dieses Turnier. Hier habe ich meinen Durchbruch geschafft. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr das Match zu Ende spielen können“, sagte Rune. Das Finale 2022 hatte van de Zandschulp beim Stand von 4:3 aufgeben müssen.
Eine Premiere steht dem deutschen Doppel Kevin Krawietz und Tim Pütz bevor. Die neu formierte Paarung könnte mit einem Sieg gegen die Österreicher Lucas Miedler und Alexander Erler ihren ersten gemeinsamen Turniersieg feiern.
© dpa-infocom, dpa:230422-99-410764/4
