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Asylstreit der Union:Die CSU hat das beliebte Bayern-Bashing wiederbelebt

Asylstreit - Sondersitzung CSU-Vorstand

Horst Seehofers CSU und ihre Heimat Bayern kommen in den Medien nicht gut weg.

(Foto: dpa)

Die Partei hat sich mit ihrer Strategie im Asylstreit nicht nur selbst in eine Zwickmühle manövriert.

Der preußische Historiker Heinrich von Treitschke (1834-96) hat das Land Bayern einst als eine "lebensunfähige politische Missbildung" verhöhnt. In manchen Medien hallt dieser Spott immer noch nach. Wer am Sonntag das Politdrama in Berlin und München im Fernsehen verfolgte, den beschlich alsbald der Verdacht, die Animositäten zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands schwelten seit der Reichsgründung von 1871 munter weiter.

Die CSU hat sich mit ihrer Strategie nicht nur selbst in eine Zwickmühle manövriert, sondern auch das beliebte Bayern-Bashing wiederbelebt, das stets mit großer Lust zelebriert wird, und sei es nur im Stadion, wo die Ultras aus dem Norden den Spielern des FC Bayern am liebsten die Lederhosen ausziehen würden.

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Schon der Preußenkönig Friedrich der Große hielt Bayern für das Land mit dem geringsten Geist, in dem schleunigst aufgeräumt werden müsse. Diesen Eindruck vermittelte auch der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, der am Sonntag freudig den Rücktritt von Horst Seehofer kommentierte ("jetzt wurde es aber Zeit!"), ohne dass dieser Rücktritt vollzogen war.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schloss aus dieser nachrichtlichen Unwucht und aus einer von ihr konstatierten Präferenz des ARD-Hauptstadtbüros für die Sichtweise des Bundeskanzleramts, in manchen Medien dominiere im Umgang mit der CSU offenbar ein Gefühl der Verachtung für diese Partei. Das könnte auch für die Heimat der CSU gelten, denn bei ARD und ZDF fiel in den vergangenen Tagen wiederholt die Nennung der "Testosteron-gesteuerten Männer" auf, die der Tonlage nach zu urteilen vor allem in Bayern zu verorten sind.

"Seehofer und Söder machen Politik nach ihrem persönlichen Hormonhaushalt", urteilte die ARD, wobei die Wortkaskaden im Laufe des Sonntags immer schrecklicher klangen: Aggressiver Beschuss wurde den Bayern beschieden, sie fügten Wunden und Verletzungen zu, nähmen andere in Geiselhaft, rissen Brücken total ein, sie seien verrückt geworden.

Dem Zuschauer im Süden wurde sehr nachhaltig erklärt, quasi mitverantwortlich für ein bayerisches Bauerntheater zu sein, das ein schreckliches Ende finden werde, zumindest das wusste das ZDF am Montag hundertprozentig.

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